| |  | | Eddy läuft das Wasser im Maul zusammen |  |  |  |
| | |  | | Je süßer das Fressen, um so intensiver zeigt Eddy bereits im Vorfeld seine Begeisterung. |  |  |  |
| Bei unseren Spaziergängen findet Eddy jeden (!) Apfel, der als Fallobst irgendwo im Gebüsch liegt. Die Äpfel von der Hotelrezeption, die ich Eddy von meinen Dienstreisen als Begrüßungsgeschenk mitgebracht habe, hat er einfach wieder aus dem Maul fallen lassen.
Diese Äpfel haben immer wie gemalt ausgesehen, ein Augenschmaus - und dieses Tier spuckt mir die Gabe quasi vor die Füße. Seit ich diese "bildschönen" Äpfel gründlich wasche, die konservierende Schicht restlos entferne, frisst Eddy auch diese Äpfel mit Genuß.
Apropos Apfel: Natürlich weiß ich, dass Eddy kein Hund ist. Aber bei Silke Vallentin (Pferdezeitung Ausgabe 74: Frei in den Hänger) hatte ich gesehen, dass auch Pferde apportieren können - also wollte ich seinerzeit so etwas auch mit Eddy ausprobieren. Um Eddys Interesse an einem Stoffbeutel zu wecken, habe ich ihn mit einem zerschnittenen Apfel gefüllt.
Prinzipiell hat der Plan funktioniert, doch haben sich die Apfelschnitze schon beim ersten Praxistest in Apfelmus verwandelt. Um der Sauerei zu entgehen, ist mir die Idee gekommen, mit Duftölen zu arbeiten. Drei Mark hat das kleine Fläschchen mit Apfelduft gekostet - aber Eddy hat sich überhaupt nicht dafür interessiert. Also habe ich etwas tiefer in die Tasche gegriffen und Duftöl mit sogenannten natürlichen Aromastoffen gekauft. Eddy hat aber auch diesen Duft als etwas Synthetisches eingestuft.
Apfel ist für Eddy auch nicht gleich Apfel. Das unreife Fallobst ist für ihn eher Sättigungsbeilage. Bissfeste und in der Regel auch eher süßlich-herbe Apfelsorten befindet Eddy als gut und der Mühe wert, etwas darauf herum zu kauen. Bei den süßen und mürben Sorten dagegen schäumt sich Eddy das Maul mit Apfelschaum ein - für mich ein Zeichen von Genuß.
Bei Bananen verhält sich Eddy ähnlich: die preiswerten, aber meist noch grünen und festen Bananen vom Discounter sind eher Sättigungsbeilage, während vollreife Markenware mit braunen Flecken genüßlich zerschäumt werden.
Sobald ich Eddy die Gabe von BANANEN oder KRÄUTERBONBON in Aussicht stelle, drückt sich seine Erwartungshaltung sofort in der Mimik der Lippen aus: die Oberlippe ist leicht nach vorne gestellt und seitlich etwas eingekräuselt, die Unterlippe ist leicht zurückgenommen und wirkt eigenartig steif; der Blick ist voll auf das Kommende fixiert:
Sind die Bananen noch in Traubenzucker gerollt (Traubenzucker dient als Trägermaterial für seine Selenzusatzversorgung), so verhält sich Eddy schon fast menschlich: Sowohl auf den akustischen Reiz des Stichwortes VITAMINE als auch auf den optischen Reiz beim Erblicken der Edelstahlschüssel schleckt sich Eddy das Maul erwartungsfreudig zusammen.
Je nach Lust und Tageslaune scheint Eddy auch die Geschmacksrichtung salzig zu bevorzugen - zumindest ist sein mitunter eingestaubter Salzleckstein zeitweise förmlich eingeweicht.
Intensiven Geschmack wie zum Beispiel von Roter Bete sowie die Geschmacksrichtungen sauer und bitter scheint Eddy nicht zu mögen. Ein Stückchen Roter Bete in den Trog, und Eddy rührt selbst das darum herum liegende Futter nicht an.
Einmal hat Eddy allerdings bei jeder Gelegenheit die kleine Birke auf dem Weg zur Halle "vergewaltigt", indem er ihr kleine Zweige abgebissen hat. Genau zur gleichen Zeit hat sich Eddy an beiden hinteren Röhrbeinen oberhalb der Fesselgelenke und oberhalb des Schweifansatzes kräftig gescheuert. Der um Rat gefragte Therapeut hat aufgrund der Lage der Scheuerstellen Probleme mit der Galle diagnostiziert und sofort gefragt, ob Eddy bittere Birkenblätter fressen würde.
Zur Linderung der Beschwerden habe ich die betroffenen Hautstellen äußerlich mit einem Aufguß aus Zinnkraut behandelt und zusätzlich bittere Chicoréeblätter gefüttert. Als Eddy diese Chocoréeblätter fein säuberlich aus seinem Futter heraussortiert hat, ist offenbar kein Bedarf mehr gewesen, seine Gallensaftproduktion anzuregen. Einfach erstaunlich, wie Eddy gesundheitliche Beschwerden selbst diagnostizieren und mit Hilfe seines Geschmackssinnes das geeignete Heilmittel aufspüren kann.
Mit unglaublicher Sicherheit wird auch vermieden, ungesunde Stoffe über Futter oder Wasser aufzunehmen. Eddy säuft keinen Schluck aus seinem Futtereimer, falls ihn offenbar jemand leichtfertig als Putzeimer mißbraucht und Spuren von Reinigungsmittel darin zurückgelassen hat. Minutenlang hat Eddy seinerzeit gespuckt, als er aus Versehen eine kleine Nacktschnecke mit dem Grasbüschel ins Maul bekommen hat.
Unbekannten Gerüchen und Geschmacksrichtungen steht Eddy grundsätzlich skeptisch gegenüber. Einmal ist das Mash eines bestimmten Herstellers beim Händler nicht mehr vorrätig gewesen, so dass ich ein anderes Mash mit ähnlicher Zusammensetzung gekauft habe - damit mein Pferd nicht "verhungert".
Eddy hat dieses BREILE nicht einmal gekostet. Was anders riecht, schmeckt nach Eddys Meinung auch anders. Selbst als Müsli hat er dieses Futter nicht angerührt. Ob da irgendein Konservierungsmittel beigemischt war ?
Eddy ist also nicht nur bei der Auswahl der Gräser wählerisch! Für SILAGE kann Eddy zur Bestie werden und für sein BREILE gar die gute Erziehung vergessen. Für frisches Gras dagegen wird er nie kämpfen, und für Heu oder gar Stroh sowieso nicht. Es muss schon etwas Besonderes sein, wenn sich Eddy für Nahrungsmittel engagiert.
Quellen
- Kommunikation, Hauptartikel, Ausgabe 179
- Frei in den Hänger, Hauptartikel, Ausgabe 74
- Liebesverhältnis der besonderen Art, Kommunikation mit Eddy
Ausgabe 178 · Teil 1 - Sprich mit deinem Pferd!, Verstand eines Kindes
Ausgabe 179 · Teil 2 - Huch, Mietzekatze im Futter!, Die Augen des Pferdes
Ausgabe 182 · Teil 3 - Wie das Quieken von Schweinen, Die Lautäußerungen des Pferdes
Ausgabe 184 · Teil 4 - Wir gehen zur Spielwiese, Das Hörvermögen des Pferdes
Ausgabe 185 · Teil 5
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Fotos
Norbert Kaiser
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