
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
In der letzten Woche habe ich in der Besprechung der Filme Zeilingers eine Pause eingelegt. Diese Woche also nun Teil vier, nächste Woche dann der letzte Teil. Teil vier ist 1999 entstanden. Auch hier kommt wieder überwiegend Zeilinger zum Zuge. Er demonstriert an verschiedenen Pferden mit unterschiedlichem Ausbildungsstand, wie er den Galopp erarbeitet bis hin zum Einerwechsel.
Dazwischen gibt es längere Passagen, in denen Zeilinger Elke Kampmann ausbildet, die sich auf die S-Klasse vorbereitet. Dabei werden die Lektionen wiederholt, die er selber reitet. In diesem Film gibt es kein gesondertes Statement von Zeilinger; bis auf den Ausklang, der Zeilinger mit Livinio im Turnier zeigt, wird ausschließlich in der Halle gearbeitet.
Es wird Zeit, daß ich einmal Sabine Bernstein erwähne, die für das Drehbuch und den Text verantwortlich zeichnet. Ich staune einfach, wie flüssig und angenehm der Kommentar zur Arbeit kommt. Ich stelle mir vor, daß sie zusammen mit Zeilinger und seiner Frau die einzelnen Szenen immer wieder angeschaut und den Text mühsam erarbeitet hat.
Gesprochen wird der Text von einem Schauspieler - leider habe ich im richtigen Moment nicht gut genug aufgepaßt. Hätte ich jetzt einen Videorecorder, könnte ich problemlos die Stelle wieder anspielen, aber das geht leider nicht, denn ich habe mir eine DVD angeschaut. Seit ich den ersten Film angeschaut habe, quäle ich mich mit dieser Technologie herum.
Das ist selbstverständlich nur mein Problem. Alle Welt ist vollkommen glücklich mit DVD. Video ist Out, DVD ist in. Immerhin hat mein guter Rechner sofort verstanden, daß ich eine solche neumodische Scheibe in mein CD-Laufwerk geschoben habe. Es startete nämlich der RealOne Player, der irgendwie und irgendwann seinen Weg auf meine Maschine gefunden hat.
Leider konnte ich mit diesem Programm den Film überhaupt nicht steuern und war der Maschine vollkommen hilflos ausgeliefert. Zunächst habe ich angenommen, daß ich die Geheimnisse dieses Programms einfach noch nicht entdeckt habe. Dann kam ich zu der Überzeugung, daß das Programm einfach nichts taugt. Der Windows Media Player wollte aber die DVD überhaupt nicht erkennen. Das hat mich nun wieder verblüfft. Nachdem ich einige andere Programme im Internet gefunden und heruntergeladen hatte, die ebensowenig mit dieser DVD arbeiten wollten, bin ich reumütig zum RealOne Player zurückgekehrt.
Immerhin erlaubte er es mir, den Film anzuschauen, wenn ich nicht unterbrochen wurde. War letzteres der Fall, mußte ich wieder von vorne beginnen. Wenn ich Glück hatte, erwischte ich das "Inhaltsverzeichnis", so daß ich dann einen der wenigen Abschnitte anwählen konnte. Die Logik der Steuerung habe ich bis heute nicht verstanden. Immer wieder wird mir die Werbung des Versands Pferdia unter die Nase gerieben. Ob das nötig ist? Der Besitzer dieser DVD hat diese möglicherweise sogar dort erstanden. Ich fühle mich ein bißchen wie im Kino, wo ich vorher auch immer erst die Werbung schlucken muß, bevor man mir den Film zeigt, für den ich bezahlt habe.
Das wird sicher alles noch besser werden. Kein Grund für mich, einen Videorecorder zu kaufen. Bei Teil fünf werde ich aufpassen und mir den Namen des Sprechers merken. Immerhin hatte ich so die Gelegenheit, einige Teile mehrfach zu sehen. Dabei konnte ich wieder erleben, wie wichtig und notwendig das mehrfache Ansehen von Lehrfilmen ist. Ich werde mit höchster Wahrscheinlichkeit nie die Lektionen reiten können, um die es in diesem Film ging. Trotzdem habe ich eine ganze Menge gelernt. Ich stelle mir vor, daß die Zehntausende von Turnierreitern, die jedes Jahr ihre Kräfte messen und zur Schau stellen, von dieser Filmreihe sehr profitieren.
In diesem Film wurde wieder und verstärkt betont, daß Zeilinger Fehler nicht bestraft, sondern mehr oder weniger übergeht und die Übungen einfach wiederholt. Es war weniger davon die Rede, daß Zeilinger seine Pferde fordert. Das Vertrauen auf die automatische Beseitigung von Problemen durch die fortgesetzte Arbeit zog sich durch die gesamte Reihe. Es leuchtet ein, daß es keinen Sinn hat, negativ zu arbeiten.
Möglicherweise ist eine Strategie auch in den anderen Firmen schon angesprochen worden, aber hier wurde es deutlich herausgearbeitet: Zeilinger läßt seine Stunde ausklingen. Er baut die Schwierigkeiten zum Schluß ab, damit das Pferd zufrieden und ausgeglichen aus der Halle in die Box zurückkehrt.
Rudolf Zeilinger arbeitet vollkommen ohne Hilfszügel. Das Thema wurde in diesem Film ausdrücklich angesprochen und die Gründe für die Ablehnung genannt. Der Meister hat seine Fernziele im Auge und wird diese niemals für kurzfristige Erfolge opfern, weil er weiß, daß er sonst langfristig draufzahlen würde.
Zum Schluß habe ich mich einmal gewundert. Da war mehrfach von einem Rappen die Rede, wo doch deutlich ein Brauner zu sehen war. Das tut natürlich nichts zur Sache und zeigt nur, daß auch bei dieser perfekten Arbeit kleine Schnitzer passiert sind.
erschienen 07.03.04
Siehe auch die folgenden Rezensionen: Ausgabe 254, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 1, Anlongieren und Anreiten, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein. Ausgabe 255, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 2, Grundausbildung im ersten Jahr, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein. Ausgabe 256, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 3, Mit Seitengängen zum Erfolg, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein. Ausgabe 259, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 5, Piaffe und Passage mit Rudolf Zeilinger, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein.
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