Denke nicht wie ein Mensch Wahrhaftige Kommunikation mit anderen Lebensformen von Norbert Kaiser |
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Die Überschrift mag etwas provokativ erscheinen, ist aber meines Erachtens der wichtigste Schlüssel zur wahrhaftigen Kommunikation mit anderen Lebensformen.
Wir Menschen denken und handeln meist auf eine ganz bestimmte Art und Weise, weil Erziehung und Bildung uns glauben machen, als zivilisierter Mensch zu wissen, was richtig und was falsch ist.
Zivilisiertes Verhalten ist uns beigebracht worden und wird deshalb innerhalb unseres Kulturkreises durch eine angelernte und der Etikette entsprechende Reaktion auf eine bestimmte Situation zum Ausdruck gebracht. Aber kulturell bedingte Regeln machen es schwierig, Dinge so (natürlich) zu sehen und zu verstehen, wie sie wirklich sind.
Der zivilisierte Mensch ist stets versucht, Ereignisse mit dem Kopf zu analysieren und mit Erlerntem zu vergleichen, so dass der Intuition nicht der nötige Raum bleibt, die eigentliche Wahrheit zu erkennen. Es braucht die Erkenntnis, sich von all dem rein Erlernten zu trennen, um die Wahrheit über sich selbst und die Natur zu erkennen.
Mein Umgang mit EDDY hat meist nur sehr wenig mit Training im allgemeinen Sinne zu tun. Es hat eher zu tun mit der Aufgeschlossenheit und mit dem Bewußtsein, auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass das Pferd EDDY - wie wahrscheinlich alle anderen Pferde auch - die Umwelt anders wahrnimmt als wir Menschen.
Deshalb habe ich frühzeitig versucht zu ergründen (zu erfahren, nicht aus Büchern zu lernen), wie EDDY sieht, hört, riecht, um dadurch ein gewisses Verständnis für das Verhalten von Pferden zu bekommen. (siehe Riechen und Schmecken, Wir gehen zur Spielwiese, Wie das Quieken von Schweinen, Huch, Mietzekatze im Futter!, Sprich mit deinem Pferd!, Liebesverhältnis der besonderen Art)
Die Tatsache, dass sich EDDY manchmal nicht in meinem Sinne benimmt, heißt deshalb noch lange nicht, dass er respektlos oder gar bösartig ist - auch wenn viele Beobachter bei EDDY genau dieser Meinung sind.
EDDY verhält sich immer so, wie er es der Situation entsprechend für richtig hält, aggressiv, defensiv oder einfach nur ruhig abwartend. Manch unerwünschtes Verhalten hat EDDY gar erst durch den Umgang mit Menschen gelernt. Wissbegierig wie EDDY ist, hat er sich Sachen angeeignet, die ich ihm bewusst nie habe beibringen wollen.
Ich denke in diesem Zusammenhang an die Anfangszeit zurück, an die Zeit, wo ich nach dem heiligen Gral der Pferdeausbildung gesucht habe.
Bei dem "Pferdeflüsterer im Odenwald" hatte ich gelernt, dass ein unfolgsames Pferd erst gehetzt und dann in die Hallenecke verbannt werden müsse, damit es Gehorsam lerne. Von Indianern habe er diese Weisheit gelernt, dass Stuten freche Fohlen von der Herde wegtreiben und zur Strafe solange verbannen, bis Demutsgebärden einsetzen: Senken des Kopfes und Lecken der Lippen.
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