
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Nun also der letzte Teil der fünfteiligen Serie "Die Schule des Pferdes" von und mit Rudolf Zeilinger. Ein bißchen wehmütig ist mir zumute. Das Ende eines langen Weges ist erreicht. In diesem Film werden Spitzenpferde gearbeitet, die Grand-Prix bestreiten und an Olympischen Wettkämpfen teilnehmen. Rudolf Zeilinger gibt überwiegend Anweisungen, nur kurz reitet er selbst.
Wir sehen wieder, wie Zeilinger vorgeht. Zunächst verstehen die Pferde nicht recht, worum es geht, und reagieren auf alle möglichen Weisen. Zeilinger geht über diese unerwünschten Reaktionen hinweg, besinnt sich auf Übungen, die die Pferde verstehen und gut beherrschen, und setzt erneut an. Sobald das erste Verstehen einsetzt, lobt er und belohnt das Pferd, indem er die Übung beendet.
Das Pferd lernt so, wie es richtig ist, und Zeilinger unterstützt den Lernprozeß, indem er immer wieder und immer häufiger die Anforderungen stellt und die positive Verstärkung unmittelbar folgen läßt. Verschiedene Pferde, verschiedene Reiter, unterschiedliche Talente, Reifegrade und Veranlagungen zeigen, daß konsequente, zielgerichtete Arbeit notwendig zum Erfolg führt.
Innerhalb einer Trainingseinheit kann man verfolgen, wie die Arbeit an Piaffe und Passage auch die Grundgangarten äußerst effektiv beeinflußt. Zeilinger läßt sich niemals auf einen Kampf ein, sondern versucht, die spezifischen Gegebenheiten des Pferdes in seine Arbeit mit einzubeziehen und flexibel auf die besonderen Probleme zu reagieren.
In diesem Film betont er die Rolle der Gerte, die er anfänglich zur Impulsgebung einsetzt. Er warnt allerdings davor, die Gerte als Taktstock zu benutzen. Allzuleicht reagieren die Pferde dann auf der Gertenseite betont. Wie immer, ist er bemüht, Hilfen so sparsam wie möglich einzusetzen und, so schnell es geht, wieder zurückzunehmen.
Die Hilfen sollen möglichst ausschließlich über den Sitz und die Schenkel erfolgen. Bisher ist Zeilinger wenig auf den Reiter eingegangen. Nun aber betont er zum Schluß, daß das Pferd sich nicht entspannt bewegen kann, wenn der Reiter verspannt ist. Je feiner und differenzierter ein Pferd ausgebildet ist, desto sensibler reagiert es auf den Reiter. Deshalb sollte der Reiter immer wieder seine Schenkel auf Spannungen überprüfen, weil diese sich auf das Pferd übertragen.
Das Geheimnis des Reitens liegt laut Zeilinger in zwei Worten: "hinten beginnen". Wenn das Pferd die treibenden Hilfen annimmt, ist man auf dem richtigen Weg. Pferd und Reiter bilden ein Team. Die Verständigung zwischen beiden ist von grundlegender Bedeutung. Das Pferd muß verstehen, was der Reiter will. Bestrafung ist niemals angebracht, denn wenn das Pferd nicht versteht, was der Reiter will, wie sollte es etwas lernen, wenn es dafür auch noch bestraft wird?
Geduld und Konsequenz sind daher gefragt. Mehrfach betont Zeilinger, daß man sich Zeit nehmen muß. Der Film klingt mit wunderschönen Bildern aus, die den Beweis erbringen, daß Zeilingers Methode richtig ist. Man muß sich sicherlich auch die Zeit nehmen, diese Filme mehrfach anzuschauen. Die Bilder prägen sich ein und wirken nach. Diese Zeit ist mit Sicherheit gut investiert.
Dieses Mal habe ich beim Abspann aufgepaßt. Der Sprecher ist Martin Heckmann. In diesem Film wurde immer wieder kurz gezeigt, wie Zeilinger die Szenen im Studio kommentiert. In fünfzig Minuten ist dieser Film vorbei, aber ich habe keinen Begriff davon, wie lange es gedauert hat, diesen Film zu produzieren. Ich wünsche dieser Reihe eine weite Verbreitung. Rudolf Zeilingers Tag hat auch nur 24 Stunden, er kann nur eine beschränkte Anzahl von Pferden aufnehmen und ausbilden. Mit Hilfe dieser Filme kann er seine Erfahrungen und Kenntnisse an viel mehr Menschen weitergeben, als das im direkten Unterricht möglich wäre. Diejenigen, die von Zeilingers Arbeit profitieren können, brauchen lediglich zuzugreifen. Zeilinger und Thomas Vogel und seine Mitarbeiter haben ihre Arbeit getan.
erschienen 14.03.04
Siehe auch die folgenden Rezensionen: Ausgabe 254, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 1, Anlongieren und Anreiten, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein. Ausgabe 255, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 2, Grundausbildung im ersten Jahr, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein. Ausgabe 256, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 3, Mit Seitengängen zum Erfolg, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein. Ausgabe 258, Zeilinger, Rudolf: › Die Schule des Pferdes Teil 4, Alles über Außengalopp, Fliegende Wechsel und Galoppirouetten, Ein Film der TV-Produktion Thomas Vogel, Text: Sabine Bernstein.
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