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Heidi Keppel
 
 
Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Verdauungsstörungen III
Von   Heidi Keppel

Kopf- und Halsregion haben wir bereits besprochen, nun wollen wir uns im Rahmen dieser Artikelserie dem Magen des Pferdes und seinen gesundheitlichen Problemen zuwenden, die bezüglich Ursachen und Symptomen unseren menschlichen Magenerkrankungen sehr ähneln, mit dem einen entscheidenden Unterschied, dass Pferde sich ihres Mageninhaltes nicht einfach durch Erbrechen entledigen können, wodurch eine Überfüllung des Magens oder auch die Aufnahme von verdorbenen Futtermitteln bzw. Giftpflanzen verheerende Folgen haben können.

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass Pferde nicht zu viel und vor allem nichts Unverträgliches oder gar Giftiges fressen. Obwohl Pferde in vielen Bereichen ein untrügliches Gespür dafür haben, was sie brauchen oder was ihnen schaden könnte, kann man sich als Pferdebesitzer doch nicht völlig darauf verlassen, denn gewisse Umstände können diesen Instinkt schon mal irritieren oder völlig ausschalten, wobei auch das Alter und individuelle Neigungen des Tieres eine große Rolle spielen.

So überlegt ein von seinem Naturell her sehr gefräßiges Tier keineswegs, ob große Mengen Kraftfutter tatsächlich seiner Gesundheit zuträglich sind, wenn es z.B. durch Unachtsamkeit seines Besitzers endlich eine Möglichkeit gefunden hat, in die Futterkammer mit all den Köstlichkeiten einzubrechen. Wenn es zuvor womöglich auch noch auf Diät gesetzt war, wird es sich den Magen bis zum Rand vollschlagen, ohne auf sein natürliches Sättigungsgefühl zu hören.

Ähnlich verhält es sich auch mit frischem Gras, Klee oder was auch immer Ihrem Pferd ganz besonders schmeckt, und noch dramatischer ist die Wirkung, wenn etwa in Gärung befindliches Obst oder stark quellende Futtermittel, wie z.B. pelletierte Rübenschnitten, in großen Mengen verschlungen werden, da es hierbei durch die vermehrte Entwicklung von Gärgasen bzw. durch die Aufquellung des Futters im feuchten Magenmilieu und der damit verbundenen raschen und starken Umfangsvermehrung sogar zur Magenzerreißung kommen kann.

Es gibt zwar auch Tiere, die selbst bei verlockendem Angebot einen sehr ausgeprägten gesunden Naturinstinkt besitzen, doch sind dies vor allem Pferde, die in freier Wildbahn aufgewachsen oder einfach schon etwas älter und erfahrener sind. Bei Jungtieren und vor allem bei nicht artgerecht aufgezogenen Pferden ist durch mangelnde Erfahrung bzw. Instinktverlust aber auch viel zu oft das Gegenteil der Fall, wodurch wir hier die Verantwortung für die Gesundheit unserer Pferde übernehmen müssen.

Dies gilt auch für Giftpflanzen, die von manchen Pferden nicht richtig eingeschätzt werden, vor allem dann, wenn der Herkunftsort der Pflanzen und des Pferdes nicht derselbe ist. Es scheint hier ein gewisses genetisches Wissen in den Tieren verankert zu sein, sodass Pferde, die in Mitteleuropa beheimatet sind, heimische Giftpflanzen grundsätzlich meiden, während sie fremdländische giftige Gewächse nicht unbedingt als solche erkennen. Bei Pferden, die aus Ländern mit ganz anderen Vegetationen zu uns eingeführt wurden, ist es natürlich umgekehrt, sodass sie durchaus auch Vergiftungen durch bei uns heimischen Pflanzen erliegen können.

Doch nicht nur Giftpflanzen, auch verdorbene Futtermittel - wie etwa verschimmeltes Brot, Obst und Gemüse, werden von vielen Pferden gefressen und zum Teil auch allem Anschein nach gut vertragen. Dies liegt aber vor allem daran, weil nicht jeder Schimmelpilz giftige Stoffwechselprodukte erzeugt, wie uns ja allen z.B. von der Schimmelkäseherstellung her bekannt sein dürfte. Da man einem Schimmelpilz aber nicht einfach so ansieht, ob er gefährlich ist oder nicht, sollte man es selbstverständlich vermeiden, Pferden verschimmeltes Futter anzubieten.

Dies klingt nun relativ einfach, da verschimmeltes Heu, Brot, Karotten etc. ja relativ einfach zu erkennen sind, doch kann es mitunter passieren, dass sowohl das Auge des Menschen als auch die Nase des Pferdes einer Täuschung unterliegen, wenn z.B. in Futtermittelmischungen die Anwesenheit von Schimmelpilzen oder anderen gefährlichen Keimen durch die Beimengung optisch überdeckender, sowie intensiv riechender und schmeckender Futtermittelzusätze erfolgreich verschleiert wird.

Ein solcher Geschmacksverbesserer ist z.B. Melasse, welche bei vielen Pferdemüslis oft mehr als großzügig verwendet wird und durch ihren süßen Geschmack sämtliche bitteren Stoffwechselprodukte krank machender Keime überdeckt. Da die zuckerhältige Melasse außerdem extrem klebrig ist, bindet sie auch sämtliche Staubanteile des Futters, wodurch auch dieses Anzeichen eines Pilzbefalles wegfällt. (Wobei ich hiermit keinem Futtermittelhersteller irgendwelche bösen Absichten oder Schlampereien unterstellen, sondern einfach nur die möglichen Gefahren einer solchen Fütterung aufzeigen möchte.)

Da es selbst bei guten Lagerbedingungen (kühl und trocken) relativ rasch verderben kann, sollte gequetschtes Getreide also möglichst nur im frischen Zustand und ohne irgendwelche Zusätze verfüttert werden. Es hingegen über viele Wochen oder gar Monate einzulagern, ist nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch äußerst gefährlich für die Gesundheit der Pferde. Selbstverständlich kann aber auch pelletiertes Fertigfutter zu schimmeln beginnen, wenn es in einem feuchten Raum, z.B. in Stallnähe, gelagert wird, wobei man aufgrund der feinen Vermahlung der einzelnen Bestandteile außerdem auch wenig Einsicht in die tatsächliche Zusammensetzung der Futtermischung hat, was vor allem bei Pferden, die zu Futtermittelallergien neigen, zu Schwierigkeiten führen kann.

Optimal wäre eine Einlagerung von einzelnen Getreidesorten in Rohzustand und eine dem Bedarf entsprechende möglichst täglich frische Quetschung der Körner - was aus technischen und Zeitgründen nur für die wenigsten Pferdehalter in Frage kommt - oder auch eine Verfütterung von ganzen Körnern, was gesunde Pferde oft besser vertragen und verwerten, als die meisten Menschen glauben.

Für welche Fütterungsvariante man sich aber auch immer entscheidet, auf das Wohl der Pferde sollte dabei doch in erster Linie geachtet werden, denn genau wie bei uns Menschen kann eine ungesunde Ernährung auch bei Pferden zu Magenschleimhautentzündungen führen, die sich nicht nur auf die gesamte Verdauung negativ auswirken, sondern auch auf das generelle Wohlbefinden und damit auch auf die Leistungsfähigkeit der Tiere einen gewaltigen Einfluss haben.

Über weitere Ursachen von Magenerkrankungen, deren Symptome sowie homöopathische Behandlungsmöglichkeiten informiere ich Sie dann im Tipp der kommenden Woche.






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