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Ehrung beim Championatsball in Warendorf: Mannschaftstierarzt Dr. Gerhard Grenz, Monica Theodorescu, Anton Fischer, Nicole Uphoff · Copyright wie angegeben
Ehrung beim Championatsball in Warendorf: Mannschaftstierarzt Dr. Gerhard Grenz, Monica Theodorescu, Anton Fischer, Nicole Uphoff
Anton Fischer: "Als Dressurreiter mußte man mindestens 50 sein"

Als langjähriger Organisator des Würselener Turniers und Förderer des Dressursports im Rheinland waren Sie in den sechziger Jahren bekanntgeworden. 1968 wurden Sie Technischer Leiter der Dressurprüfungen des CHIO von Aachen. Was hat Sie gereizt, Mitglied des Dressurausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees zu werden?

Anton Fischer: Die Dressur war im Umbruch. Große Reiter wie Willi Schultheis, Dr. Reiner Klimke, Harry Boldt und Bubi (Walter) Günther hatten die sechziger Jahre sportlich beherrscht. Aber die Dressur war eine weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmte Sportart. Das änderte sich schlagartig, als Lieselott Linsenhoff 1972 in München als erste Frau die olympische Goldmedaille in der Einzelwertung gewann - und das im eigenen Land. Das war der Durchbruch. Ich begriff, daß man diesen Boom ausnutzen muß, um die Dressur in die Breite zu entwickeln. So nahm ich 1973 das Angebot an, Mitglied im Ausschuß zu werden. Ein Jahr später trat Albert Stecken als Vorsitzender zurück. Ich wurde sein Nachfolger.

Wie haben Sie die Dressurszene zu Beginn Ihrer Amtszeit erlebt?

Trotz des Erfolgs von Lieselott Linsenhoff waren die Olympische Spiele von München ein Ärgernis, das noch einige Zeit danach die Gemüter bewegte. Der damalige Bundestrainer Horst Niemack regierte wie ein Herrscher und machte, was er wollte. Er stellte für München ein Team zusammen, das man als Fehlbesetzung bezeichnen muß. Deshalb fiel die Mannschaftsgoldmedaille an die Russen. Die Dressurszene war damals völlig zerstritten und hatte sich in zwei Lager gespalten. Auf der einen Seite waren die Aktiven um General Niemack und Josef Neckermann, auf der anderen Seite Lieselott Linsenhoff und ihre Freunde. Es war so schlimm, daß die Gruppen nicht miteinander sprachen, ja sogar den Raum verließen, wenn die vermeintlichen Feinde diesen betraten.

Wie haben Sie die Lager zusammenführen können?

Mit Fingerspitzengefühl. Aber es hat Jahre gedauert, bis ich Josef Neckermann dazu bewegen konnte, einen Fuß auf Lieselott Linsenhoffs Schafhof zu setzen.

Welche vordringlichen Probleme der Dressur mußten gelöst werden?

Reiner Klimke und ich haben ab Mitte der siebziger Jahre oft gemeinsam überlegt, wie wird das Image der Dressur verbessern können. Es mußte einfach aufhören, daß sich nur Leute nach oben arbeiten, sprich an Championaten teilnehmen können, die schon dreißig Jahre auf dem Pferd sitzen. In der Öffentlichkeit wirkte dieser Sport doch so, daß man als Dressurreiter mindestens 50 Jahre alt sein muß. Kein Mensch konnte sich vorstellen, daß ein Olympiasieger erst 21 Jahre alt ist, wie viele Jahre später Nicole Uphoff. Eine Veränderung konnte es nur geben, wenn wir die jungen Reiter mobilisieren. Wir schufen den Preis der Besten.

Wie entwickelte sich diese Prüfungsserie? Wurde sie im Lande überhaupt angenommen?

Wir haben eng mit den Landesverbänden zusammengearbeitet und hatten deren volle Unterstützung. An vielen Orten wurden Vorbereitungsturniere ausgerichtet. Die ersten Jahre dominierte ganz klar Nordrhein-Westfalen. Alle Sieger waren Schüler von Fritz Tempelmann. Aber dann wurde der Preis der Besten bundesweit ein Erfolg. Die ersten zwei Jahre wurde noch auf M-Niveau geritten, danach in Klasse S. Nach vier Jahren hatten wir rund 100 Mädchen und Jungen, die gut S ritten. Gabriele Grillo, Monica Theodorescu, Nicole Uphoff, Ann Kathrin Linsenhoff, Isabell Werth, Sven Rothenberger, Heike Kemmer - sie alle waren über den Preis der Besten nach oben gekommen. Man muß dabei ja auch eines bedenken: Jungen Leuten die Möglichkeit zu bieten, schnell an die Spitze vorzustoßen, motiviert nicht nur die Trainer, sondern auch die Eltern und Pferdebesitzer. Ewig ländlich auf M-Niveau zu starten, ermüdet alle Beteiligten.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 200/201






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