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Herbert Meyer, aktiver Springreiter, Auswahlmannschaft Mexiko 1968, zehn Nationenpreise, 17 Jahre Bundestrainer Junioren, 14 Jahre Bundestrainer Springreiter · Copyright wie angegeben
Herbert Meyer, aktiver Springreiter, Auswahlmannschaft Mexiko 1968, zehn Nationenpreise, 17 Jahre Bundestrainer Junioren, 14 Jahre Bundestrainer Springreiter
Herbert Meyer 1968 auf Simona, 1974 Weltmeister (unter Steenken) · Copyright wie angegeben
Herbert Meyer 1968 auf Simona, 1974 Weltmeister (unter Steenken)
Herbert Meyer: "Das gute Reiten ging immer mehr verloren"

Deutschland gehört seit Ende der achtziger Jahre konstant zu den weltweit erfolgreichsten Nationen im Springsport und in der Springpferdezucht. Welche Entwicklung und Veränderungen in der Nachkriegszeit sowie in den sechziger und siebziger Jahren haben den heutigen Erfolg begründet?

Herbert Meyer: Es gab auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg und unmittelbar danach sehr erfolgreiche Springpferde aus deutscher Zucht, Warmblüter wie Vollblüter, ebenso wie es herausragenden Reiter gab. Aber dies waren Ausnahmen, die breite Basis in der Zucht war nicht vorhanden. In den fünfziger und sechziger Jahren dominierten irische Pferde den internationalen Springsport. Die deutsche Zucht vollzog erst allmählich den Umschwung von Gebrauchspferd zum Spezialpferd.

Wer waren die Vordenker, die ein Pferd für spezielle sportliche Anforderungen züchten wollten?

In erster Linie sicherlich Baron von Nagel. Sein Gestüt Vornholz gehörte zu den deutschen Pionieren, die verstärkt Vollblüter und Araber in der Zucht einsetzten. Dies kam zunächst dem Dressursport zugute, wie die Spitzenpferde Pernod und Chronist über Jahre bewiesen, hatte aber auch großen Einfluß auf die Zucht insgesamt. So prägte Ramzes auch die Springpferdezucht durch seine Nachkommen. Der züchterische Umschwung wurde in der Folgezeit massiv von Hans Joachim Köhler aus Hannover vorangetrieben. Er förderte Vollbluthengste wie Pik Ass und Der Löwe, die sich als segensreich in der Zucht erwiesen. Die Blüter hatten zwar viele Macken, brachten aber mit den guten Hannoverschen Stuten modernere Pferde hervor, die sich für den Springsport eigneten. Im Grunde kann man sagen, das Baron von Nagel und Joachim Köhler zu den wichtigsten Geburtshelfern des "Deutschen Springpferdes" zählten.

Andere Zuchten setzten bereits viel früher Vollblüter ein. Warum haben sich die deutschen Züchter und Zuchtfunktionäre so schwer getan?

Man konnte sich nicht vorstellen, daß die Blüter, wie man sie hierzulande kannte, die Zucht verbessern und Springveranlagung vererben könnten. Das Denken änderte sich erst durch sichtbare Erfolge im Sport. Mit einem völlig anderen Vollbluttyp überraschten die ausländischen Springreiter die deutschen Züchter. Vor den olympischen Spielen von Rom 1960 kamen die Amerikaner zu den Turnieren nach Wiesbaden und Aachen. Sie ritten riesige, kräftige, springgewaltige Vollblüter. Diesen Pferden sah man gar nicht an, daß sie Blüter waren. Es entbrannte eine lebendige Diskussion. Viele erkannten, daß der Vollbluteinsatz die Leistungsfähigkeit der Pferde in allen Disziplinen steigern könne.

Der Vollblüter veredelte, machte das Pferd feiner und leichtrittiger. Wie wirkte sich dies auf den Springsport der sechziger Jahre aus?

Unsere guten Reiter ritten immer sehr fein. Männer wie Hans Günter Winkler oder Fritz Thiedemann kamen mit jedem Pferdetyp zurecht. Sie gehörten gewissermaßen zur alten Garde, sie ritten nach alter Schule, auch wenn Winkler eine sehr spezielle Art hatte. Die Nachkriegsgeneration, die in den Springsport hineinwuchs, entstammte fast ausnahmslos der ländlichen Reiterei. Als die renommierten, guten Ausbilder mit der Zeit verstarben, ging das gute Reiten immer mehr verloren.

Wurde zu dieser Zeit nicht genug Wert auf die Ausbildung gelegt?

Man kann sagen, daß in den Jahren des Wirtschaftswunders die Ausbildung an der Basis grob vernachlässigt wurde. Man kaufte Pferde, das Geld regierte, aber es wurde immer schlechteres Springreiten - zumindest an der Basis. Natürlich haben wir an der Spitze hervorragende Reiter, wie Fritz Ligges, Hermann Schridde, Alwin Schockemöhle, Gerd Wiltfang und Hartwig Steenken, aber der Unterbau war weggebrochen.
a.a.O., Seite 204/205






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