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Bericht Zu den Themen  Besamung,  Zucht · Rezension: Pferde sicher verladen auf die leichte Art
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Römbke, Gerd & Semper, Margret

Pferde sicher verladen auf die leichte Art


DVD und VHS, Deutsch, Filmlänge: 75 Min.
Isernhagen, 2005 · Pferdeverstehen

34,90 EUR   Direkt bei        bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:
Viele Pferde lassen sich nur ungern oder gar nicht verladen. Dabei kommt es häufig zu Widersetzlichkeiten, die nicht selten zu Unfällen führen. In der Ausbildung kommt das Thema Verladetraining häufig zu kurz, das richtige Verladen will gelernt sein.

Gerd Römbke zeigt, wie man mit Ruhe, Geduld und der richtigen Technik auch verladeschwierige Pferde davon überzeugen kann, freiwillig, sicher und zuverlässig in den Anhänger einzusteigen.



Vorschau
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Pferde sicher verladen auf die leichte Art





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

In meiner Rezension der DVD (des Videos)  Pferde verstehen habe ich bereits auf dieses Werk hingewiesen, das damals in der Planung war. Irgendwann bekam ich auch eine E-Mail von Gerd Römbke mit der Ankündigung, daß die DVD bald erscheinen werde. Aber dann kam nichts mehr.

Zufällig habe ich den Autor in der vorletzten Woche auf der Messe Pferd & JAGD getroffen und mich lange mit ihm unterhalten können. Ein paar Ausschnitte aus einem neuen Film habe ich dabei aufgeschnappt, und auch diese Ausschnitte haben mich vollkommen begeistert. Sie bezogen sich auf eine Lerneinheit, über die ein Artikel in der Cavallo erschienen war. Womit sich die Frage stellt: In welchem Verhältnis stehen Drucksachen und bewegte Bilder?

Gerd Römbke hat mir den Film zum Verladetraining mitgegeben. Ganz unvoreingenommen habe ich mir die neue DVD angeschaut und dann die Rezension zum ersten Film gelesen. Da habe ich mich gewundert. Denn in der Ankündigung, so hatte ich geschrieben, wird daraufhingewiesen, daß Probleme beim Verladen ihre Ursache in ganz allgemeinen Verhaltensprobleme haben, die also zunächst bearbeitet werden müssen, bevor mit dem eigentlichen Verladetraining begonnen werden kann. Daraus folgt, daß Erfolge im Verladetraining auch im allgemeinen Umgang bemerkbar sein sollten.

Warum habe ich mich gewundert? Weil mir schlagartig klarwurde, daß Gerd Römbke zwar ein begnadeter Pädagoge ist, aber einer, der seinen Zeigefinger niemals in die Höhe reckt. Wie leicht wäre es gewesen, beim Verladetraining auf diesen Sachverhalt hinzuweisen! Man hätte die grundsätzlichen Probleme ansprechen können, letzten Endes das gesamte Verhältnis von Mensch und Pferd sowie von Pferd und Pferd beschwören und problematisieren können. Desto gewaltiger wäre natürlich die Person des Lehrmeisters herausgearbeitet worden, demgegenüber der arme Pferdebesitzer, dessen Probleme so groß geworden sind, daß er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muß, ganz klein erscheinen muß.

Nichts davon war auch nur im Ansatz zu bemerken. Im Nachhinein wird deutlich, daß diese Überlegenheitsattitüde auch im ersten Film vollkommen fehlt. Gerd Römbke arbeitet einfach und erläutert sein Tun. Mich wundert dabei, wie druckreif seine Sätze sind. Er spricht anscheinend vollkommen frei vor der Kamera, es gibt keine Floskeln, keine Füllsel, sondern ausschließlich wesentliche Sachaussagen, die ganz unprätentiös daherkommen und in kleinen Schritten logische Einheiten ananderreihen. Diese Sätze kann man sofort verstehen und nachvollziehen.

Pferde sollen angeblich intuitiv den Rollenwert erfassen. Damit meine ich die Stellung in der Hierarchie, die das Zusammenleben in der Herde regelt. Im ersten Film hat Gerd Römbke auf die eben beschriebene Weise herausgearbeitet, daß es hierbei nicht um menschliche Begriffsdimensionen geht. Zwar geht es um "oben" und "unten", es geht aber nicht um die Lust an der Machtausübung, sondern um Verantwortung und Vertrauen. Wer "unten" ist, muß dem, der "oben" ist, vollkommen vertrauen können, und dieses Vertrauen fällt dem Oberen zu, wenn dieser die ihm übertragene Verantwortung trägt und ausfüllt.

Um Verantwortung tragen zu können, braucht man die entsprechenden charakterlichen Voraussetzungen. Die kann man sich nicht anmaßen. Auch wir Menschen spüren intuitiv, ob wir jemandem vertrauen können oder ob jemand einfach nur so tut, als sei er überlegen, und in Wirklichkeit überspielt er nur seine Minderwertigkeitsgefühle. Wer nicht vertrauenswürdig ist und sich trotzdem das Vertrauen erschleichen will, bringt denjenigen, den er betrügen möchte, vermutlich früher oder später in Schwierigkeiten, gegen die dieser sich wappnen muß. Deshalb ist es kein Wunder, daß ein hoher Prozentsatz der Kommunikation nonverbal abläuft und mit Worten auch gar nicht erfaßt werden kann.

Damit bin ich bei der oben aufgeworfenen Frage angelangt. Was einer schreibt oder sagt, ist eine Sache, was er tut, eine andere. Auf Worte geben Pferde sehr wenig. Also muß man sehen, was jemand tut. Wie will man das in einem Buch bewältigen? Natürlich kann man eine Reihe von Fotos schießen und viele Worte machen. Aber letzten Endes muß man das Pferd in den Anhänger bringen, also etwas tun. Und wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Das ist natürlich das grundsätzliche Problem der Lehre. Der Lehrer kann es, der Schüler nicht. Wie kann der Lehrer dem Schüler beibringen, was ihm fehlt?

Nehmen wir zum Beispiel die Mathematik als ein Fach, dessen Probleme einfach und präzise umrissen werden können. Wie bringe ich einem Kind bei, daß "1 + 1 = 2" eine sinnvolle Aussage ist und einen logischen Wert hat, nämlich "richtig" oder "wahr"? Wie bringe ich einem Jugendlichen den "Satz des Pythagoras" bei? Der Lernende muß hier eine intellektuelle Einsicht gewinnen. Der Lehrende kann den Lernenden von verschiedenen Seiten unter Zuhilfenahme bereits bekannter Einsichten an das Neuland heranführen, aber die Einsicht muß der Lernende selbst gewinnen.

Übrigens ist genau dieser Vorgang in der Lage, Glücksgefühle auszulösen, die mit den Schwierigkeiten, die Einsicht zu gewinnen, möglicherweise korreliert sind: Je größer die Probleme, desto größer das Glücksgefühl. Forschungsarbeit ist die Fortsetzung dieser Verhältnisse, wobei der Lernende auf einen Lehrer verzichten muß, weil er sich auf Neuland bewegt, wo niemand sich auskennt. Dabei kann es auf jeder Stufe zu einer Situation kommen, wo man die Einsicht eigentlich schon gewonnen hat, aber das Verständnis trotzdem noch fehlt. Deshalb gibt es unter Wissenschaftlern die Redewendung: "Das habe ich noch nicht richtig verstanden." Damit wird ein Gefühl ausgedrückt. Intellektuell ist die Einsicht bereits da, logisch kann man sie Schritt für Schritt herleiten, aber man fühlt sich noch nicht wohl damit, man hat noch kein wirkliches Verständnis gewonnen. Worin dieses "wirkliche" Verständnis im Gegensatz zum rein intellektuellen Verständnis genau besteht, ist vermutlich gar nicht zu fassen.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: die Kunst. Ein Gemälde kann jeder sehen, und zwar auf den ersten Blick. Vielleicht braucht man etwas länger, um die Einzelheiten zu erfassen, und möglicherweise braucht man Wissen und Erfahrung, um diese "verstehen" zu können, aber dem Kunstwerk als solchem wird man damit nicht gerecht. Das Kunsterlebnis ist der eigentliche Zweck der Kunst, und genau dieses Kunsterlebnis kann unter Umständen einem Kunstwissenschaftler versagt bleiben, während jemand, der eigentlich Laie ist, dieses Kunsterlebnis so stark empfinden kann, daß sein Leben dadurch geändert wird. Bei der Musik ist es noch deutlicher: Die Musik ist weitgehend intellektuell erfaßbar. Man kann die Noten analysieren, die Komposition begreifen, aber alles das ist nur Voraussetzung, es geht an der Musik vorbei. Die Aufführung der Musik macht es deutlich. Dieselben Noten klingen von verschiedenen Interpreten vollkommen anders. Die eine Aufführung kann den Zuhörer ergreifen, die andere läßt ihn kalt. Hier kommt erst die Kunst ins Spiel. Kunst ist vielleicht genau das, was intellektuell und speziell mit Worten nicht mehr erfaßt werden kann.

Eines der ganz großen Probleme im Bereich der Lehre ist die Vermittlung von körperlichen Fähigkeiten, wozu das Reiten gehört. Beim Reiten handelt es sich um eine nonverbale Tätigkeit, deren sichtbare Ausformungen relativ unerheblich sind und desto mehr verschwinden, je besser der Schüler die auszuübende Kunst beherrscht. Wie kann der Lehrer dem Schüler vermitteln, wie sich das richtige Reiten anfühlt? Er kann es ihm vormachen, aber das hilft dem Schüler vermutlich wenig. Dieser sieht, daß dasselbe Pferd unter dem Lehrer vollkommen anders geht, und fühlt sich anschließend desto mutloser. Auch beim Reiten spricht man von Kunst, ähnlich wie beim Ballett oder der Musikausübung.

Ein Film hat den Vorteil, daß man die zu vermittelnden Inhalte nicht aus der Sprache, die abstrakt in Zeichen und Standbilder niedergelegt worden ist, wieder zum Leben erwecken muß, sondern man sieht unmittelbar, wie man es machen muß und was passieren kann. Der Lehrende kann seine Handlungen durch Sprache unterstützen, aber vor allen Dingen muß er tun. Das Sehen dieses Tuns indiziert Bilder, die wiederum wirken. Darauf gehe ich später nochmal ein.

Gerd Römbke hält zu Beginn einen kleinen Vortrag. Der ist natürlich recht langweilig. Er dient dazu, das Folgende in die richtige Perspektive zu setzen. Verladeprobleme sind nicht ungewöhnlich. Daher gibt es tonnenweise Erfahrungen, die auch in diversen Bücher niedergelegt worden sind. Es gibt Kurse zum Thema, die von Fachleuten abgehalten werden, die sich auf diese Art Schwierigkeiten spezialisiert haben. Gerd Römbke erwähnt es nicht, aber wir alle kennen Monty Roberts, der als Star durch die Lande zieht und die Massen damit anlockt, daß er ein Pferd in den Hänger bringt. Dafür erwähnt er die vielen guten Ratschläge über Tips und Tricks und Hilfsmittel und Vorgehensweisen, die man überall gefragt oder ungefragt bekommen kann, weil die Probleme so weit verbreitet sind. Ein Pferd ist nicht mit der Fähigkeit geboren, problemlos auf den Anhänger zu gehen. Jedes Pferd muß das lernen, und dabei kann man so viele Fehler machen, daß dieser Problemkreis inzwischen kursfähig geworden ist.

Nun also Gerd Römbke. Was können wir lernen? Wie bringt er uns etwas bei? Er beginnt mit einer Pferdebesitzerin, die ihr Pferd vorstellt. Es ist ein Pferd mit Verladeproblemen. In diesem Fall kann man die Ursache der Probleme auf einen Unfall zurückführen. In der Einleitung hat Gerd Römbke darauf hingewiesen, daß möglicherweise in vielen Fällen eine konkrete Begebenheit die besonderen Schwierigkeiten verursacht hat. Er rät davon ab, Ursachenforschung zu betreiben. Abgesehen davon, daß man oft nicht weit kommen wird, hält er die Ursache für vorkommen unerheblich. Der Film belegt das: Die Ursache wird zwar nochmals erwähnt, aber nur beiläufig; sie spielt für das gesamte Geschehen keine Rolle. Die Methode funktioniert in jedem Fall.

Die problematische Verhaltensweise beim Verladen wird von der Besitzerin vorgeführt; anschließend übernimmt Gerd Römbke das Pferd. Das Pferd kennt ihn nicht. Also muß er es erst einmal mit sich vertraut machen. Wie stellt Gerd Römbke es an, daß das Pferd ihn als überlegen anerkennt? Beiläufig. Gerd Römbke macht kein Aufhebens von der ganzen Angelegenheit. Wie eingangs schon ausgeführt, verzichtet er auf die Gelegenheit, sich groß aufzuspielen, und zwar nicht nur gegenüber dem Zuschauer, sondern auch gegenüber dem Pferd.

Natürlich muß er manchmal deutliche Zeichen geben; aber er fängt nicht damit an. Gerd Römbke setzt sich in Bewegung. Gemäß seiner Doktrin: "Wer sich bewegen läßt, ist unterlegen", bewegt er das Pferd, um seine Rolle zu etablieren. Er weist daraufhin, daß das Pferd hinter ihm geht. Das ist korrekt. Später muß er das Pferd vorausschicken. Das ist eine Lerneinheit. Er übt zunächst das Anhalten, das Rückwärtsrichten, die Wendungen. Wesentlich sind kleine Schritte, also kleine Lerneinheiten. Im Gespräch hat er eine Anekdote zum Besten gegeben, die deutlich machen sollte, daß die Kunst gerade darin besteht, die Lerneinheiten immer mehr zu unterteilen, sie in kleinere Schritte aufzuteilen, bis das Pferd in der Lage ist, eine Einheit nachzuvollziehen. Jedes Pferd ist anders. An jedem Pferd kann man die Kunst des "Kleinmachens" neu lernen.

In diesem Film spricht er an mehreren Stellen von "Geduldsprobe". Wer hat mehr Geduld, das Pferd oder der Mensch? Mit anderen Worten: Gerd Römbke regt sich nicht auf. Schon gar nicht übt er Druck aus. Das war eine der eindrücklichsten Erkenntnisse seines ersten Films: Geld Römbke arbeitet vollkommen ohne Druck. Ganz im Gegensatz zu Meistern wie Monty Roberts, deren Methode gerade darin besteht, dem Pferd alles unangenehm zu machen und nur bei der gewünschten Handlung mit dem Druck schlagartig aufzuhören und dem Pferd dadurch beizubringen, daß diese Handlung ausgeführt werden soll, weil das Pferd selbstverständlich das Angenehme dem Unangenehmen vorzieht.

Diese Methode wird natürlich auch im Zusammenhang mit dem Verladen angewandt. Und sie funktioniert. Natürlich bedarf es auch mit dieser Methode der Geduld. Und weil sie funktioniert, mag man davon ebenfalls überzeugt sein. Es geht Gerd Römbke aber um etwas ganz anderes. Auch das hat er in der Einleitung schon erwähnt, es kommt mehrfach im Film vor, doch jeweils so ohne besondere Betonung gesagt, daß man leicht darüber hinwegsehen könnte. Er will dem Pferd keinen Druck machen und dem Pferd etwas beibringen. Er will dem Pferd eine Gelegenheit eröffnen, sich selbst etwas beizubringen. Das Pferd begreift die Lerneinheit als Herausforderung und will es selbst wissen. In diesem Fall: Das Pferd will selbst in den Hänger gehen. Druck spielt in diesem Zusammenhang gar keine Rolle.

Das klingt natürlich absolut unglaublich. So in den Raum gestellt, ist es auch nicht ganz richtig. Natürlich möchte der Mensch, daß das Pferd in den Anhänger geht, und daraufhin geht es auch in den Anhänger. Von sich aus würde es das vermutlich nicht tun wollen, obwohl auch das nicht ausgeschlossen wäre. Würde man den Anhänger auf die Weide stellen, wäre ich nicht überrascht, wenn die Pferde sich zwischenzeitlich auch im Anhänger aufhalten würden. Immerhin sind sie ja neugierig und langweilen sich schnell.

Gerd Römbke muß dem Pferd also irgendwie deutlich machen, daß er möchte, daß das Pferd in den Anhänger gehen soll. Wie macht man das bei einem Pferd, das allenfalls auf die Klappe geht, sich aber dann mit allen Mitteln sträubt? Da Pferde sehr stark sind und sich leicht aufregen, ist Gewalt sicher das schlechteste Mittel. Die vielen problematischen Verladesituationen, die ich in meinem Leben schon erlebt habe, hatte ich weitgehend vergessen. Einige davon sind mir bei diesem Film wieder eingefallen. An eine habe ich mich erst jetzt beim Schreiben erinnert.

Einmal mußten wir eine Fahrt unterbrechen und meiner Stute eine Pause gönnen. Wir haben dazu notgedrungen die nächstbeste Wiese benutzen müssen. Aber dann mußte sie wieder verladen werden, damit wir die Fähre erreichen konnten. Zeitdruck ist natürlich ganz schlecht. Und weil es der Stute auf der Fahrt nicht gutgegangen war, durfte man sich nicht wundern, daß sie in diesen Kasten nicht wieder reingehen wollte. Es dauerte nicht lange, da sammelten sich einige Bauern auf der Wiese. Natürlich hatten die einschlägige Erfahrungen und auch Tricks auf Lager. Keiner half jedoch, der Streßpegel stieg unaufhörlich, bis einer der Bauern kurzerhand seine Jacke auszog, der Stute über den Kopf legte und sie dann kurzentschlossen in den Anhänger führte. Toll! Er hatte uns alle von einem großen Problem erlöst - aber nachahmenswert ist diese Methode natürlich nicht.

Die Methode Römbke setzt auf Zeit. Zeit spielt für ihn gar keine Rolle. Und da er die Schritte immer kleiner wählen kann, kommt unweigerlich der Punkt, wo das Pferd einen solchen Schritt wagt. Allerdings muß immer wieder die Anforderung deutlich gemacht werden. Und dazu muß Gerd Römbke in diesem Fall ein wenig ziehen. Er steht vor dem Pferd und zieht es in den Anhänger - zunächst. Später soll es ja von ganz alleine in den Anhänger gehen. Deshalb muß seine Arbeit vor dem eigentlichen Verladetraining darauf abzielen, das Pferd in jeder Situation beherrschen = bewegen zu können und dem Pferd das Signal des Ziehens zu verdeutlichen.

Der Rest folgt praktisch von allein. Die Methode wirkt wie versprochen. Deshalb kann Gerd Römbke so gelassen sein. Er weiß, daß es funktioniert. Er weiß das, weil er sein Verhältnis zum Pferd durchdacht hat. Darüber spricht er nicht, aber ich würde sagen: Gerd Römbke liebt Pferde. Er liebt Pferde ganz unsentimental, eher so wie ein Vater sein Kind liebt, weniger wie eine Mutter das tut. Er sieht Pferde distanziert, er weiß, was ihnen guttut, was sie brauchen, und so behandelt er sie. Deshalb hat er Erfolg.

Dieser Erfolg wird natürlich nicht auf geradem Wege erzielt. Zunächst wird die Lektion in mehrere Einheiten unterteilt. Das Pferd bekommt immer wieder längere Pausen, sogar von mehreren Tagen. Und ganz allmählich werden Fortschritte erzielt, aber es gibt auch deutliche Rückschläge. Die sind natürlich besonders interessant. Gerd Römbke läßt sich überhaupt nicht irritieren. Er geht mehrere Schritte zurück und beginnt wieder von vorn. Er hat einfach mehr Geduld als das Pferd. Selbst wenn das Pferd tut, was er möchte, regt er sich nicht auf. Das wird besonders in der Szene deutlich, wo die Besitzerin ihr Pferd übernimmt und in den Anhänger schickt. Die freut sich nämlich gewaltig und gibt dieser Freude auch deutlichen Ausdruck. Für ihn waren die jeweiligen Fortschritte kein besonderer Anlaß zu Freude, weil sie nur Schritte auf dem Weg darstellten, er diesen Weg kennt und weiß, daß man ihn ganz zurücklegen muß und kann und wird.

Man sieht an dieser Stelle, daß die Besitzerin sich nicht so geschickt verhält wie der Trainer. Trotzdem geht das Pferd einwandfrei auf den Anhänger. Die Routine und das Vertrauen wird sie ebenfalls schnell erwerben können. Auch über diese Kleinigkeit geht Gerd Römbke ohne weiteres hinweg. Er weiß, daß sie das lernen wird. Nun steht das Pferd auf dem Anhänger, ist absolut gelassen und die Stange kann problemlos eingehängt werden, denn das Pferd ist allein auf den Hänger gegangen und der Mensch steht hinter ihm.

Dann wird die Klappe geschlossen. Und wieder aufgemacht. Das Pferd wird wieder entlassen. Und wieder eingeladen. Und die Klappe wieder geschlossen. Und wieder aufgemacht. Das Pferd soll niemals das Gefühl haben, daß der Anhänger etwas Unangenehmes ist. Schließlich wird der Anhänger gefahren. Nur 100 Meter weit, und dann ist schon wieder Schluß. Damit endet der Film. Die Fortsetzung ist klar. Man übt weiter, die Fahrten werden immer länger, und irgendwann ist die ganze Geschichte für das Pferd nur noch Routine und langweilig. Nicht nur für das Pferd, auch für den Besitzer.

Schon im ersten Film hatte ich erwähnt, daß sich das wiederholte Anschauen lohnt. Das betrifft natürlich auch diesen Film. Man wird die Bilder verinnerlichen. Wenn man jemanden tanzen sieht, spürt man, wie der eigenen Körper sich entsprechend bewegen will. Hochleistungssportler, auch Reiter, arbeiten mit dieser Art "mentalem Training". Man stellt sich die gewünschten Handlungen immer wieder in optimaler Form vor. Und irgendwann kann man es dann. Genau so geht das mit Filmen. Ich sprach oben davon, daß der Autor druckreif spricht. Wenn man diese Sätze drucken würde, würde vielleicht sogar ein ganzes Buch dabei herauskommen. In 75 Minuten kann man ziemlich viel sprechen.

Diese Sätze in einem Buch zu lesen, vielleicht immer wieder zu lesen, indiziert natürlich auch eine Art von mentalem Training. Die Aufnahme von bewegten Bildern ist allerdings vermutlich wesentlich effektiver. Möglicherweise sind darüber sogar schon Untersuchungen angestellt worden - wenn nicht, sollte man damit mal beginnen. Das Mißverständnis bei visuellem Lehrmaterial liegt vielleicht darin, daß man meint, mit dem einmaligen Sehen eines Films sei die Sache schon erledigt. Ich komme nochmal auf das Beispiel mit der Kunst zurück: Könnte die Beschäftigung mit einem Gemälde durch einmaliges Betrachten erledigt sein? Natürlich nicht.

Mein Vorschlag: Wenn Sie Verladeprobleme haben oder Ihr Pferd noch nie verladen worden ist, schauen Sie sich diesem Film im Abstand von mehreren Tagen mehrfach an, bevor Sie mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Und nach jeder Lerneinheit geben Sie Ihrem Pferd wieder reichlich Ruhe und gönnen sich selbst einen weiteren Durchgang im visuellen Lernen. Ich bin überzeugt, Sie werden keine Verladeschwierigkeiten bekommen, wenn sie keine hatten, und wenn ja, werden Sie diese mit Hilfe des Films ganz alleine überwinden können. Sie brauchen weder Monty Roberts noch sonst einen Experten. Sie wollen ja selber Experte werden.

Sie brauchen dazu nur Geduld und diesen Film. Mehr oder weniger systematisch habe ich die einzelnen Schritte im engeren Verladetraining mitprotokolliert. Ich bin auf über 100 Einträge gekommen. Ach ja, Geduld alleine reicht nicht, Zeit müssen sie auch haben. Zeit und Geduld hängen zusammen. Das klingt nach einer schlechten Botschaft, aber es ist eine gute, denn mit dieser Methode bekommen Sie Ihr Pferd letzten Endes schneller in den Anhänger. Es muß nicht so kompliziert sein wie in diesem Fall, wo das Pferd traumatisiert war.

Sie werden natürlich auch die Haltung von Gerd Römbke verinnerlichen. Sie werden die Sache mit der Dominanz mit anderen Augen sehen und das Wort Druck wird eine besondere Bedeutung bekommen. Sie werden nicht mehr gerne Druck ausüben wollen. Aber damit bewegen Sie sich im Moment noch auf Neuland. Gerd Römbke weiß schon, wie es geht. Das Reiten zum Beispiel. Das wissen natürlich viele, und jeder macht es anders, aber es scheint so kompliziert zu sein, daß sich alle Welt streitet. Manche Leute behaupten sogar schon, daß manche Reitweisen tierquälerische Züge hätten.

Das kann man sich von Gerd Römbke gar nicht vorstellen. Der erwähnte Artikel in der Cavallo ging um die Frage, wie man dem Pferde beibringen kann, sich an eine Aufsteighilfe zu stellen. Dabei geht es Gerd Römbke gar nicht mal so sehr um die Bequemlichkeit des Reiters, sondern vielmehr um die des Pferdes, dessen Rücken durch diese Art des Aufsteigens geschont wird. Und das ist wieder typisch für den Autor. Ich bin gespannt auf die nächsten Filme. Ob es welche geben wird, hängt natürlich davon ab, wie erfolgreich die schon vorhandenen Filme im Markt werden. Meinen Teil dazu habe ich beigetragen. Jetzt sind Sie dran.


erschienen 04.12.05




Siehe auch die folgende Rezension:
Ausgabe 324, Römbke, Gerd & Semper, Margret:  Pferdeverstehen, Mit dem Pferd auf Du und Du, Grundlagen für eine Partnerschaft voller Achtung und Vertrauen




Römbke, Gerd & Semper, Margret

Pferde sicher verladen auf die leichte Art


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Isernhagen, 2005 · Pferdeverstehen

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