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Heidi Keppel
 
 
Tipps zum besseren Umgang mit Stuten
Von   Heidi Keppel

"Stuten sind zickig, unzuverlässig, nicht belastbar und reagieren in Angst- und Stresssituationen meist hysterisch!"

Das ist die Meinung vieler Reiter, die entweder nur kurzfristige, oberflächliche Erfahrungen im Umgang mit Stuten gemacht haben oder einfach nicht bereit sind, das Wesen einer Stute tiefgreifender zu erfassen und darauf einzugehen. Wem es jedoch gelungen ist, das Herz einer Stute zu erobern, der wird feststellen, dass ihm nichts Besseres hätte widerfahren können, denn dann zeigt sich, dass Stuten in ihrer Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit ihren männlichen Artgenossen in keinster Weise unterlegen sind.

Dies schon allein deshalb, weil sie eine ganz herausragende Eigenschaft besitzen, die in ihrer mütterlichen Natur liegt - ihre Aufopferungsbereitschaft! Für den Menschen, den sie lieben, geben sie wirklich ihr Letztes, sie beschützen ihn und versuchen, ihm alles recht zu machen. Nie vergeuden Stuten ihre Energien mit Machtspielchen oder dergleichen, solange man sie gut behandelt und ihnen mit ehrlicher Liebe begegnet. Das ist allerdings eine wichtige Grundvoraussetzung, die manche Reiter im Umgang mit Stuten missachten, wodurch sie dann bei der Ausbildung und beim Training häufig kläglich scheitern.

Während man männliche Tiere nämlich bisweilen durchaus etwas fester anpacken kann oder sogar muss, damit sie nicht zu übermütig oder aufsässig werden, vertragen Stuten übertriebene Strenge oder gar brutale Zurechtweisungen überhaupt nicht und werden dadurch oft erst richtig widersetzlich bzw. hysterisch. Vielerorts übliche Ausbildungsmethoden, die den Ungehorsam des Pferdes herausfordern, um dann mit harter Bestrafung dem Tier zu zeigen, wer hier der Boss ist, sind für Stuten keinesfalls geeignet. Selbst wenn sie dadurch nicht vollkommen verdorben werden - was aber leider ziemlich häufig vorkommt - so können sie auf diese Weise doch nie ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten.

Vermehrte Nervosität und Ängstlichkeit, Verspannungen sowie viele andere physische und psychische Störungen können die Folge einer derartigen Behandlung sein. Meist wird dann nur herumtherapiert und korrigiert, doch die wahre Ursache wird nur selten erkannt, und so kommt es immer wieder zu neuen Problemen, was letztendlich den Stuten völlig ungerechtfertigt den bereits oben genannten schlechten Ruf einbringt.

Ich würde jedenfalls jedem Besitzer oder Reiter einer Stute raten, diesem sensiblen Geschöpf mit dem nötigen Feingefühl und Verständnis zu begegnen, um so dessen wahre Qualitäten ans Tageslicht zu bringen. Dazu gehört unter anderem auch, dass man so manche Eigenheit akzeptiert, ohne diese gleich als Unart mit allen Mitteln zu bekämpfen, denn dies bringt oft nur eine zusätzliche Disharmonie in die Zusammenarbeit.

So zeigen z.B. viele Stuten eine gewisse Berührungsempfindlichkeit - unter Pferdeleuten meist als Kitzligkeit bezeichnet -, die aufgrund hormoneller Störungen ständig oder unter normalen Umständen nur während der Rosseperiode auftreten kann und vor allem die Bauch- und Flankenregion, bisweilen aber auch weitaus umfassendere Körperbereiche betrifft. Diese Empfindlichkeit kann sich sowohl beim Reiten als auch z.B. beim Putzen ganz verschiedentlich äußern.

So vertragen manche Stuten nur kein sanftes Putzen in den betroffenen Regionen, haben aber kein Problem mit eher kräftigen Bürstenstrichen in Fellrichtung. Viele wollen vor allem kein kreisförmiges, massierendes Striegeln, einige Tiere reagieren aber auf jegliche Berührung übersensibel. Wenn nicht gerade starke Verschmutzung es unbedingt erforderlich macht, sollte man in dieser Hinsicht doch ein wenig auf die individuellen Wünsche der einzelnen Pferde eingehen, da dies auch gleich ein viel harmonischeres Arbeitsklima zwischen Pferd und Reiter schafft.

Sich unter diesen Umständen um jeden Preis durchsetzen zu wollen, auch wenn das Pferd bereits durch Herumtänzeln, seitliches Ausweichen und Wegdrücken des Rückens, sowie in weiterer Folge auch durch Beißen oder Schlagen sein Unbehagen und natürlich auch seinen Unmut ausdrückt, zeugt nicht immer von kluger, konsequenter Erziehung, sondern vielmehr von übertrieben autoritärer Rücksichtslosigkeit.

Natürlich ist bei groben Widersetzlichkeiten eine deutliche Zurechtweisung angebracht, aber man sollte ein solches Verhalten nicht unnötig herausfordern, sondern lieber zu vermeiden versuchen. Dies ist keinesfalls ein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt viel mehr das Einfühlungsvermögen des Reiters. So gut wie jede Stute weiß dies zu schätzen und dankt es ihrem Reiter mit felsenfestem Vertrauen und sehr viel freudigerer und entspannterer Mitarbeit beim nachfolgenden Reiten.

Ähnlich verhält es sich auch beim Reiten selbst, wo solche Stuten eine übertriebene Schenkelempfindlichkeit und gleichzeitig meist auch ein hypernervöses Verhalten zeigen. Abgesehen von der im vorigen Tipp besprochenen homöopathischen Behandlungsmöglichkeit können diese Symptome zumindest stark gemildert werden, wenn man sich dazu durchringen kann, sämtliche Schenkelhilfen nur andeutungsweise zu geben, denn dies ist bei sensiblen Stuten fast immer ausreichend und löst somit auch keine Widerstände bei den betroffenen Tieren aus, was wiederum eine bedeutend bessere Zusammenarbeit ermöglicht.

Wenn im umgekehrten Fall Stuten mal kurzfristig besonders triebig sind - was vor allem während der Rosse in der Zeit der besten Aufnahmebereitschaft der Fall ist - hat es meist auch wenig Sinn, diese vermehrt mit dem Schenkel vorwärtstreiben zu wollen. Fast immer drücken sie nämlich ihren Körper nur dagegen, bewegen sich aber kein bisschen schneller. Da dies ein völlig natürliches Verhalten ist - wenn der Hengst die Stute mit seinen Beinen umklammert, muss sie ja auch stehen bleiben - sollte man es auch keinesfalls bestrafen!

Unter Umständen kann ein leichtes Touchieren mit der Reitgerte im Oberschenkelbereich des Pferdes eine Beschleunigung bewirken, doch im Allgemeinen ist es sinnvoller, das Training für 1-2 Tage auszusetzen, bis sich die Stute wieder normal verhält. Auch diese Rücksichtnahme wird meist dankbar geschätzt und danach mit vermehrter Leistungsbereitschaft belohnt.

Wer in dieser und ähnlicher Weise auf die Bedürfnisse einer Stute eingeht, wird damit rasch ihre Freundschaft gewinnen und feststellen, dass sie als Verbündete einfach unbezahlbar ist, während sie als Gegenspielerin alles andere als wünschenswert wäre. Worauf man vor allem bei trächtigen Stuten achten sollte, können Sie dann nächste Woche hier lesen.




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