
| | | Heidi Keppel | | | | | Hufe Teil 21 Von › Heidi Keppel
Wie bereits angekündigt möchte ich in meinem dieswöchigen Tipp den untersten zentralen Hufbereich, also den Hornstrahl, mitsamt seinen krankhaften Entartungen in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen stellen, denn gerade hier kann die Ursache für verstärkte "Fühligkeit" auf harten bzw. schotterigen Wegen liegen, und sogar manch ausgeprägte Lahmheit kann in diesem weich-elastischen Horngebilde ihren Ursprung haben.
Die Funktion des Strahls besteht einerseits in der Stoßdämpfung für die darüber liegenden inneren Knochen- und Gelenkstrukturen und andererseits in der Durchblutungsförderung des Hufes. Durch die mehr oder weniger starke Ausdehnung des in seiner Beschaffenheit an Gummi erinnernden Gewebes bei Belastung des Hufes wird die Tätigkeit der so genannten Hufpumpe unterstützt, welche das durch Arterien aktiv in den Huf einströmende Blut wieder nach oben zurück in die Beine befördert.
Vor allem auf weichem Untergrund bekommt der Hufstrahl dabei eine bedeutende Rolle, da die feste Hufwand auf solchen Böden aufgrund des fehlenden Gegendruckes nur wenig nach außen gedrängt wird und somit nicht viel zur Pumpenfunktion beitragen kann. Außerdem übernimmt der Strahl bei Haltung und Bewegung des Pferdes auf vorwiegend weichem, tiefem Boden eine ausgeprägte Tragefunktion.
Aus diesem Grund besitzen Pferderassen, welche bereits über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg unter diesen Bedingungen gezüchtet und trainiert wurden, von Natur aus einen dickeren, breit angelegten Strahl von besonders weicher Konsistenz, während jene Rassen, die in gebirgigen Gegenden oder Steinwüsten leben mussten, wie z.B. Araber oder viele russische Pferde, einen eher schmalen und harten, ja bisweilen sogar regelrecht verkümmerten Strahl aufweisen. Werden solche Pferde unter jeweils artfremden Bedingungen gehalten, können daraus durchaus massive Anpassungsprobleme entstehen, wie ich es eingangs dieser Artikelserie bereits erwähnt habe.
Artgerechte Haltungs- und Reitbedingungen sind also ganz maßgeblich an der Gesunderhaltung des Hornstrahls beteiligt, denn sowohl zu wenig als auch zu viel Belastung kann sich auf die Hornqualität und -entwicklung äußerst negativ auswirken. In diesem Zusammenhang ist ganz besonders darauf zu achten, dass Pferde möglichst nicht unter gravierend anderen Bedingungen arbeiten müssen, als sie sonst zu leben gewöhnt sind.
Werden Pferde nur auf tiefer Matratzenstreu und in matschigen Koppeln gehalten, kann man nicht von ihnen erwarten, dass sie stundenlanges Training auf hartem Boden aushalten, ohne Schaden daran zu nehmen, und umgekehrt verhält es sich ganz ähnlich, denn auf harten Boden eingestellte Hufe werden durch längeres Arbeiten in tiefem Hallenboden auch rasch überfordert, was sich außerdem in einer Überlastung der Sehnen äußert. Wer sein Pferd also auf alle Gegebenheiten vorbereiten will, sollte ihm für den täglichen Auslauf Böden verschiedenster Härtegrade zur Verfügung stellen und auch darauf achten, dass dieses Angebot hinreichend genutzt wird.
In Bezug auf die Hornqualität des Strahls spielen aber auch noch die Fütterung des Pferdes und die Pflege der Hufe eine enorme Rolle. Überfütterung macht sich gerade in diesem Bereich besonders rasch bemerkbar, indem es das Gewebe auflockert und für die Angriffe äußerer Schadfaktoren, wie z.B. uringetränkte Einstreu, noch empfänglicher macht. Und auch übertriebene Pflege mit diversen Ölen und chemischen Produkten kann die Hornsubstanz schädigen bzw. "verweichlichen" und sie so für Bakterien angreifbarer machen.
So ist etwa die viel gefürchtete Strahlfäule eine Faktorenkrankheit, deren direkter Ursprung zwar meist in verunreinigten Ställen und Ausläufen zu finden ist, die aber indirekt durch falsche Fütterung und schädigende Pflegemaßnahmen (auch zu häufiges und intensives Auskratzen der Strahlfurchen kann schaden!) stark gefördert wird. Näheres zum Erscheinungsbild und zur Behandlung dieser Erkrankung erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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