
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Der Grundgedanke dieses Buches ist bestechend: Wer Erfolg haben will, sollte die Kriterien derjenigen kennen und beherzigen, die über ihn urteilen. Alles andere erscheint sinnlos, aber trotzdem scheinen sich viele Ausbilder und Teilnehmer darüber hinwegzusetzen und darauf zu bestehen, daß es die Richter sind, die für den eigenen Mißerfolg verantwortlich zeichnen. Richter sind naturgemäß nicht beliebt.
Tja, so sind die Menschen, sie sehen nur sich selbst, halten sich für unfehlbar, und deshalb müssen Mißerfolge anderen in die Schuhe geschoben werden. Das sieht die Autorin als erfahrene Richterin sehr deutlich, trotzdem plädiert sie schonend dafür, sich doch einmal mit der anderen Sichtweise vertraut zu machen. Nun urteilen Richter durchaus subjektiv, insofern nämlich als sie in Bruchteilen von Sekunden Bewegungsabläufe erfassen und bewerten müssen, was nicht immer einfach ist.
Zwar ist die Leistungsfähigkeit des menschlichen Wahrnehmungsvermögens enorm gut, aber gerade Zeitlupenaufnahmen etwa von Szenen aus einem Fußballspiel zeigen immer wieder, wie schwierig es ist, eine Situation wirklich korrekt zu beurteilen. Das hängt in diesem Fall natürlich auch vom Standpunkt ab, und dieser Einwand betrifft auch Richter bei Turnieren. Zwar sitzen die Richter sehr gut, aber doch an unterschiedlichen Stellen und können von ihrem Standpunkt aus eine bestimmte Leistung mehr oder weniger gut beurteilen.
Daher ist es durchaus möglich, daß eine richterliche Beurteilung aus der Sicht des Richters korrekt ist, "objektiv" gesehen jedoch nicht. Diese Unsicherheit soll dadurch beseitigt werden, daß mehrere Richter gleichzeitig urteilen. Im großen und ganzen scheint das wohl sehr gut zu funktionieren. Die Teilnehmer erleben ihre Leistung natürlich ebenfalls subjektiv; die Frage ist also, wie man die Grenzen überwinden kann. Die Autorin hat sich dafür ein Argument überlegt, das sowohl den Ausbilder als auch den Teilnehmer schont. Sie gibt zu bedenken, daß einheitliche Kritik von verschiedenen Richterteams vermutlich objektiv berechtigt ist.
Es geht also um Empfindlichkeiten. Auch Richter sind nur Menschen; die Autorin gibt zu bedenken, daß Richter für ihre Tätigkeit sehr sorgfältig und intensiv ausgebildet werden. Desto wichtiger erscheint es für die Teilnehmer, die Kriterien der Richter zu kennen. Womit wir wieder am Anfang sind und sofort den naheliegenden Schluß ziehen können: Wer an Turnieren teilnehmen will, sollte dieses Buch sehr sorgfältig studieren.
Die guten Ratschläge der Autorin setzen aber bereits früher an:
| Mittelschritt
Der Schritt ist die wichtigste Gangart in Dressurprüfungen, ob Sie es glauben oder nicht. Ein schlechter, passartiger Schritt macht jede Möglichkeit zunichte, daß Ihr Pferd jemals erfolgreich in Dressurprüfungen starten könnte. Deshalb ist es besonders wichtig, bereits beim Kauf eines Dressurpferdes darauf zu achten, daß die Schrittqualität gut ist. In der Ausbildung muß der Schritt stets im klaren Viertakt erhalten werden.
Das wichtigste Kriterium für einen guten Schritt ist der Takt. Das Pferd soll im klaren Viertakt schreiten. Um den Viertakt zu erkennen, müssen Sie auf die V-Phase der gleichseitigen Beinpaare und die korrekte Fußfolge achten. Das Pferd beginnt in Schritt beispielsweise mit dem rechten Hinterfuß. Darauf folgen der rechte Vorderfuß, dann der linke Hinterfuß und der rechte Vorderfuß. Im Anschluß geht es ohne Schwebephase wieder von vorn los, d. h., daß stets ein Huf des Pferdes am Boden ist. Der jeweilige Hinterfuß muß beim Auffußen mit dem gleichseitigen Vorderfuß kurzzeitig ein V bilden. Je mehr dieses V auseinanderklafft und in Richtung Pass tendiert, bei dem die gleichseitigen Beinpaare absolut parallel vor- und zurückschwingen, um so mehr ist der Schritt kaputt.
Es ist sehr selten, daß ein Pferd schon von Natur aus Pass geht. Heutzutage ist die Zucht soweit fortgeschritten, daß es kaum noch Dressurpferde gibt, die reinen Pass von Geburt an gehen. Also entsteht der doch relativ oft vorkommende passartige Schritt im Laufe der Ausbildung. Dies müssen Sie in der Ausbildung Ihres Pferdes unter allen Umständen vermeiden. Hierzu ist es wichtig, das junge Pferd erst einmal völlig frei und ungezwungen mit dem ungewohnten Reitergewicht gehen zu lassen. Vor allem übermäßiger Zügeleinsatz im Schritt macht das Pferd eng im Hals und beeinträchtigt das Ausbalancieren, wodurch Verschiebungen in der Fußfolge möglich sind. Zuerst lassen Sie Ihr Pferd also möglichst viel völlig frei geradeaus schreiten. Gehen Sie viel ins Gelände und klettern Sie mit Ihrem Pferd.
a.a.O., Seite 17,18 | | |
Wir sehen schon an diesem Zitat, daß nicht nur erläutert wird, worauf es ankommt, sondern auch, was man tun kann, damit man diese Ziele erreicht. Nun ist ein Buch immer eine etwas trockene Angelegenheit. Wenn man besser werden will, muß man vor allen Dingen wissen, woran es hapert.
Das aber ist gewissermaßen eine Dienstleistung, die die Richter bei jeder Prüfung leisten. Das muß man nutzen! Das Schwergewicht dieses Buches liegt also auf der Diskussion der Richterbeurteilungen. Naturgemäß sind dabei die positiven Rückmeldungen recht kurz abgehandelt, die negativen jedoch sehr ausführlich, damit der Leser daraus lernen kann. Beispiel:
| Positiv: Sichere Anlehnung, leichtes Genick, in Selbsthaltung
Die Anlehnung spielt beim Rückwärtsrichten eine wichtige Rolle. Das Pferd wird etwas mehr aufgenommen als im Mittelschritt. Die Halsung bleibt dennoch gestreckt, aber in Selbsthaltung, das Pferd kommt also nicht auf die Hand und damit auf die Vorhand. Die Verbindung ist stetig und elastisch. Jedem Annehmen, um einen Rückwärtsschritt auszulösen, folgt ein sanftes Nachgeben, ohne daß die Zügel durchhängen. Das Pferd ist willig und leicht im Genick. In puncto Rittigkeit bekommen Sie sicherlich einen positiven Vermerk.
Negativ: Gegen die Hand, zu eng, zu tief, verworfen
Wenn die Probleme jedoch schon in der Anlehnung liegen, wird die Lektion auch in der Ausführung nicht gut verlaufen. Das Pferd wehrt sich gegen die Hand, wird durch viel annehmenden Zügel zu eng im Hals oder kommt zusätzlich auch noch tief und legt sich auf die Hand. Durch eine ungleichmäßige Zügelverbindung kann es auch zum Verwerfen kommen. Das Wegdrücken des Rückens ist dann kaum mehr zu verhindern.
Hier müssen Sie an der Basis arbeiten: an der Anlehnung im Rückwärtsrichten. Geben Sie leichte Hilfen. Denken Sie daran, daß Sie das Pferd nicht zurückziehen, sondern zurücktreiben wollen. Der Zügel fängt lediglich den Vorwärtsimpuls ab und leitet ihn nach hinten um. Achten Sie im Training darauf, mit so wenig Hand wie möglich rückwärtszurichten. Eine zu enge Halsung gleichen Sie durch nachgebende Zügelhilfen im Verlauf jedes einzelnen Rückwärtsschrittes aus. Kommt das Pferd zu tief und drückt auf die Hand, folgt daraus eine feste, starre Verbindung. Stellen Sie das Pferd vor Beginn des Rückwärtsrichtens leicht an die Hand. Schütteln Sie es weich ab. Erhalten Sie die lose Verbindung bei jedem einzelnen Rückwärtsschritt. Unterbrechen Sie notfalls und richten erst weiter zurück, wenn die Anlehnung wieder geschmeidig ist.
Ein Verwerfen im Genick deutet auf eine ungleiche Anlehnung rechts oder links hin. Meist ist das Verwerfen auch bei anderen Lektionen zu erkennen. Korrigieren Sie die Anlehnung in der Basis. Ihr Pferd muß sich leicht in beide Richtungen abstellen lassen und bei gerader Stellung willig und gleichmäßig an beiden Zügel abkauen. Dann klappt es auch beim Rückwärtsrichten!
a.a.O., Seite 84 | | |
Die Richterprotokolle sind also als direkte Anregung zu lesen, wo verbessert werden muß. Mit den entsprechenden Kommentaren sind einem die Mittel an die Hand gegeben, die Verbesserung gezielt zu erarbeiten. Somit dürfte dem künftigen Erfolg nichts im Wege stehen.
erschienen 10.08.08
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