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Bericht Zu den Themen  Kommunikation,  Tierschutz · Editorial: Karin Rupprecht
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W. Popken im Fenster

 
W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
30.11.2008

Karin Rupprecht

In dieser Woche habe ich die Freude, Ihnen eine neue Mitarbeiterin vorzustellen: Karin Rupprecht. Der Hauptartikel  Dominanz und Co. ist ihrer Homepage » Mein Pferdetraum entnommen. Aufmerksamen Lesern wird sich vielleicht schon als eifriger Leserbriefschreibern bekannt geworden sein. Ich darf mich leider nicht dazu zählen, da ich erst durch ihren letzten  Leserbrief aufgewacht bin.

In diesem hat sie nämlich auf einen ihrer Artikel hingewiesen, den ich mir dann durchgelesen habe. Diesen Link habe ich Ihnen bei der Veröffentlichung des Leserbriefs unterschlagen, weil ich gleich begeistert war und gemerkt habe, daß er als Hauptartikel gebracht werden sollte. Glücklicherweise hat Karin Rupprecht eingewilligt und auch die Fotos in Originalqualität zur Verfügung gestellt.



Leserbriefe

Daß ich mir den Namen nicht gleich habe bemerken können, hat mich verwundert, aber vielleicht hat mich hier derselbe Effekt erwischt, auf den Susanne Brefort in ihrem Leserbrief  Leserbrief hinweist. Es blieb mir nicht verborgen, daß fast alle Leserbriefe Proteste waren, manchmal wütende Proteste, und so fiel es mir nicht schwer, mir die Psychodynamik vorzustellen:

Es bedeutet Arbeit, einen Leserbrief zu schreiben, und deshalb bedarf es eines Energieausbruchs, um sich aufraffen zu können. Dieser wird üblicherweise durch Ärger provoziert, nicht jedoch durch Zustimmung. So meinte ich interpretieren zu können, daß das Ausbleiben von Leserbriefen als Zustimmung zu interpretieren ist, zumindest im Großen und Ganzen.

Da Karin Rupprecht jedoch ausschließlich zustimmende Leserbriefe geschrieben hat, habe ich diese wiederum auf die leichte Schulter genommen, noch dazu wo mich ich aus unbekannten Gründen nicht gerne loben lasse. Zwar hat sie schon früher in einem ihrer Leserbriefe ganz allgemein auf ihre Internetseite verwiesen und ich habe damals sicher auch einen Blick riskiert, bin aber bestimmt nicht intensiver eingestiegen. So blieb es bei dem oberflächlichen Eindruck, es handele sich um eine ganz normale private Homepage einer Pferdeliebhaberin, wie es sie zu Hunderten oder Tausenden, wenn nicht gar Hunderttausenden gibt.



Schätze

Viele Pferdefreunde haben eine eigene Homepage, und noch mehr treiben sich in einschlägigen Foren herum. Überall gibt es mehr oder weniger interessante Einsichten, vermutlich auch mehr oder weniger viel dummes Zeug - wer will sich da die Mühe machen und die Spreu vom Weizen trennen? So darf man ohne weiteres annehmen, daß das Internet voll von ungehobenen Schätzen ist.

Die Pferdezeitung wäre eine geeignete Plattform, um diesen Texten eine größere Verbreitung zu verschaffen - bilde ich mir jedenfalls ein. Deshalb habe ich Karin Rupprecht gebeten, ihren Text als Hauptartikel veröffentlichen zu dürfen. Nicht daß ich müde geworden wäre, mir selber Gedanken zu machen, aber ich bin weit davon entfernt, meine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse, Erkenntnisse und Überlegungen überzubewerten. Im Gegenteil, ich bin sehr daran interessiert, die Meinungen und Einsichten anderer Pferdefreunde zu erfahren und herauszustellen.

Karin Rupprecht hat zum Beispiel viel Zeit mit der Beobachtung von Pferden verbracht. Ich habe zwar auch Pferde beobachtet, aber im wesentlichen nur unsere eigene kleine Herde. Um ähnliche Erfahrungen machen zu können, fehlt es mir einfach an Zeit. Ich müßte mich ja auf den Weg machen und viel Geduld mitbringen und hätte entsprechend weniger Zeit für andere Aufgaben. Ich kann nicht alle Erfahrungen dieser Welt selber machen, und wenn ich eine Erfahrung mache, die ein anderer auch gemacht hat, bin immer noch ich es, und nicht er, und deshalb würde ich vielleicht andere Schlüsse ziehen. Aber gerade die Vielfalt ist es, die unser Leben so bereichert und interessant macht. Wenn alle identisch wären - wie schrecklich wäre das Leben!



Aufruf

Die Pferdezeitung hat schon seit jeher Beiträge anderer Pferdefreunde gebracht, mit großem Gewinn übrigens in jedem einzelnen Fall, und zuweilen auch Beiträge veröffentlicht, die schon anderswo veröffentlicht worden waren, in der Regel auf der eigenen Homepage. Manchmal hat auch jemand angefragt und sich nach Konditionen erkundigt, wobei ich zunächst individuell geantwortet und dann eine Extraseite dafür eingerichtet habe, um mich nicht wiederholen zu müssen:  Autorenhinweise. Leider ist daraus niemals etwas geworden. Also mußte ich mich fragen, ob meine Formulierungen vielleicht zu 100 % abschreckend wirkten.

Mag sein. Auf der anderen Seite pflegt die Pferdezeitung ein ziemlich hohes Niveau und dieses soll natürlich gewahrt bleiben. Manch einer hat mir Beiträge geliefert, ohne zu fragen, die ich beim besten Willen nicht veröffentlichen wollte - selbst von Journalisten wurden Artikel eingereicht, die bestenfalls eine Presseerklärung darstellten, im Grunde aber eine Kleinanzeige waren.

Es klingt natürlich etwas merkwürdig, wenn ich über das selbstgesetzte Niveau der Pferdezeitung rede - es handelt sich ja nicht um eine wissenschaftliche Zeitschrift oder sonst ein abgehobenes Magazin; die Artikel sollen leicht zu lesen und zu verstehen, dafür aber auch unterhaltend und informativ sein. Die Anforderungen sind im Grunde also keineswegs außergewöhnlich, sondern im Gegenteil selbstverständlich und müssen eigentlich an alles gestellt werden, was veröffentlicht wird.

Karin Rupprecht entspricht diesem Niveau ohne jede Einschränkung, deshalb konnte ich den Text ohne jegliche Änderung übernehmen. Sollten Sie in Ihrer Schublade oder Ihrer Homepage oder in irgendwelchen Foren oder gar nur in Ihrem Kopf Schätze dieses Kalibers horten, lade ich Sie ausdrücklich und herzlich ein, diese mit der Öffentlichkeit der Pferdezeitung zu teilen, denn der Wert dieser Schätze wird dadurch nicht etwa gemindert, sondern erheblich vermehrt.



Urheberrecht

Geistiges Eigentum ist bekanntlich geschützt, und zwar ohne daß dieses ausdrücklich in irgendeiner Weise beantragt oder vermerkt werden muß. Beim geistigen Eigentum gilt es zu unterscheiden zwischen dem Verfügungsrecht und dem Vermarktungsrecht. Im deutschen Urheberrecht kann das Verfügungsrecht niemals abgegeben werden, es verbleibt beim Urheber bis zu dessen Tod und geht dann auf dessen Erben über. Es kann insbesondere nicht verkauft werden. Das Vermarktungsrecht hingegen ist sehr wohl verkäuflich, dieses ist regelmäßig Gegenstand von Verhandlungen und Verträgen, etwa wenn ein Text als Buch erscheinen oder verfilmt werden soll.

Das Vermarktungsrecht kann auch geteilt werden; so ist es zum Beispiel möglich, einen Text in verschiedenen Medien zu unterschiedlichen Konditionen zu veröffentlichen, etwa kostenlos im Heimatmagazin, jedoch gegen Honorar in einer Publikumszeitschrift. Dabei könnte diese zum Beispiel Exklusivität verlangen und der Inhaber des Vermarktungsrechts sich diese Exklusivität gesondert vergüten lassen; ansonsten könnte sich das Recht zum Abdruck beispielsweise nur auf eine einzige Ausgabe beziehen. Das Magazin dürfte also ohne weitere Verhandlung und Erweiterung des Vertrags und vermutlich zusätzlicher Vergütung diesen Text nicht noch einmal bringen.

Der Urheber könnte umgekehrt auch sämtliche Vermarktungsrechte an einen Dritten veräußern und dieser könnte dann seinerseits die Vermarktungsrechte nach Belieben ausschlachten. Oder der Urheber würde diese Vermarktungsrechte auf einen bestimmten Bereich beschränken, diese jedoch vollständig jemand anderem weiterveräußern, allerdings nur für eine bestimmte Frist. So könnte zum Beispiel ein Autor die Rechte an einem Roman für fünf Jahre an einen Verlag verkaufen und wäre danach wieder frei, diesen Roman bei einem anderen Verlag oder in einer anderen Sprache herauszubringen. Dies alles entspricht dem in Deutschland üblichen Vertragsrecht, der eine grundsätzliche Vertragsfreiheit vorsieht, das heißt die Vertragsparteien können den Vertrag nach Belieben ausgestalten.

Die Pferdezeitung kann, wie in den Autorenhinweisen mitgeteilt, zur Zeit keine Honorare anbieten. Das ist natürlich nicht schön, auch für mich nicht, und ich wünschte, diese Zeiten wären lieber gestern als heute vorüber. Mein Traum wäre, Texte und Bilder, die die Pferdezeitung unentgeltlich nutzen durfte, im Nachhinein vergüten zu können. Vielleicht erlebe ich diese Zeiten noch. Wenn Sie Ihre Texte und Bilder der Pferdezeitung zur Verfügung stellen, bleiben sämtliche Vermarktungsrechte bei Ihnen. Sie können mit diesen Texten jederzeit alles anstellen, was Sie wollen, allerdings nicht der Pferdezeitung im Nachhinein die Veröffentlichung wieder verbieten. Sollten Sie später die eine oder andere Formulierung bedauern (was ja vorkommt), kann man natürlich redaktionelle Änderungen vornehmen - im Gegensatz zu Printmedien, wo man veröffentlichte Texte auch nicht aus der Welt schaffen kann, aber vor allem kann man sie nicht mehr ändern.



Vermehrung

Mit dem geistigen Eigentum ist es ähnlich wie mit der Liebe; man kann es nicht kaufen, aber durch Teilen vermehren, und zwar beliebig oft und viel. Aus diesem Grund finden viele Leute das Patentrecht und auch das Urheberrecht pervers. Besonders der amerikanische Rechtsanwalt und Professor » Lawrence Lessig setzt sich dafür ein, das Urheberrecht grundlegend zu reformieren. Selbst wenn Sie nur mit Schwierigkeiten einen englischen Vortrag verstehen können, empfehle ich Ihnen dringend, sich seinen Vortrag » How creativity is being strangled by the law anzuschauen (Wie die Kreativität durch das Gesetz abgewürgt wird, 19 min; kann auch heruntergeladen werden, falls die Internetverbindung zu langsam ist). Ich verspreche Ihnen, Sie werden sich unter anderem auch köstlich amüsieren und herzlich lachen und vor allen Dingen die Welt unserer Kinder besser verstehen.

Es geht vor allen Dingen um die fantastischen Möglichkeiten, selber wieder kreativ zu werden; dies ist durch Computer und das Internet möglich geworden. Lessig zitiert den bekannten Komponisten » John Philip Sousa, der Anfang des 20. Jahrhunderts die amerikanische Regierung aufgefordert hatte, die infernalischen Maschinen zu verbieten, die Musik reproduzieren können, weil dadurch die Kreativität der Jugend ausgerottet werde, die bis dahin abends selber gesungen habe. Lessig stellt fest, das die Befürchtung Sousas eingetreten ist, die Kultur sei von einem Read/Write- in einen Read-Only-Zustand gewechselt, die selbst kulturproduzierenden Menschen hätten sich zu reinen Konsumenten entwickelt. Erst die digitale Revolution habe es ermöglicht, daß jedermann wieder selbst kreativ werden könne und es auch tue, wie beispielsweise Phänomene wie Flickr, YouTube und andere beweisen.

Allgemeiner geht es darum, daß geistiges Eigentum dahin tendiert, weiteres geistiges Eigentum zu produzieren; darauf beruht Wissenschaft. Deshalb waren die Wissenschaftler als erste größere Gruppe nach den Militärs interessiert, das Internet für sich selbst nutzbar zu machen. Je schneller die Ideen verbreitet und verarbeitet werden, desto schneller werden neue Ideen produziert. Lessig plädiert dafür, ähnlich wie im Bereich der Open Source-Software ein Modell zu entwickeln, nach dem der Urheber beispielsweise leicht festlegen kann, daß andere kreative oder private Nutzer Material kostenlos benutzen und verändern dürfen, kommerzielle Nutzer jedoch Lizenzen zu zahlen haben. Er hat dies unter » Creative Commons systematisiert; Sie dürften mittlerweile schon mehrfach über dieses Phänomen gestolpert sein. In dem erwähnten Vortrag wird auch sehr drastisch demonstriert, wie sich die Radioindustrie erfolgreich gegen die Forderungen der » ASCAP gewehrt hat, indem die » BMI ins Leben gerufen wurde. Es besteht also Hoffnung - aber im Grunde ist die Sache schon gelaufen. Die Menschen sind wieder kreativ! Karin Rupprecht ist ein gutes Beispiel dafür.



Haiku

Kreativität.
Ein großes Wort. Viel zu groß?
Lächerlich. Fang an.


Chefredakteur und Herausgeber

 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 






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