
| | | Heidi Keppel | | | | | Kleine Taten − große Wirkung Von › Heidi Keppel
Wie versprochen möchte ich Ihnen diese Woche einige Anregungen geben, wie Sie mit verhältnismäßig kleinen Freundschaftsbeweisen das Vertrauen Ihres Pferdes erringen und damit einen soliden Grundstock für eine harmonische, partnerschaftliche Zusammenarbeit legen können, was meiner Ansicht nach das Ziel jedes wahren Pferdefreundes sein sollte.
Lob, Streicheleinheiten und Leckerbissen werden zwar von allen Pferden sehr geschätzt, aber für eine starke Vertrauensbildung sind sie meist nicht ausschlaggebend. Mit Verständnis und Rücksichtnahme ist diesbezüglich hingegen ein sehr viel besseres Ergebnis erreichbar, und Sie müssen dafür gar keine großartigen Dinge tun. Es genügt, wenn Sie einfach an die alte Weisheit denken: ‘Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu!’
Mit Sicherheit wollen Sie wohl nicht, dass man Sie überfordert, schikaniert und herausfordert. Leider passiert aber gerade dies sehr oft während der Pferdeausbildung, und viele ‘erstklassige’ Trainer sind der Meinung, dass man den Ungehorsam des Pferdes immer wieder herausfordern muss, um dem Tier dann nachdrücklich zu beweisen, dass es mit seinem Aufbegehren keine Chance hat. Nur auf diese Weise sollen angeblich verlässliche Reitpferde entstehen, die ihrem Reiter treu ergeben sind.
Dies ist meiner Erfahrung nach allerdings ein Trugschluss. Man kann auf diese Weise zwar durchaus den Willen der Pferde brechen, aber man verliert damit auch ihre Liebe und ihr Vertrauen, was sich dann gerade in Notsituationen deutlich zeigt, indem solche Tiere ihre Reiter sofort im Stich lassen, wenn sie deren Schwäche spüren. Partnerschaftliches Denken und bedingungslose Treue kann man von derart schikanierten Pferden nicht erwarten.
Aus diesem Grund würde ich jedem Pferdebesitzer raten, auf solche Erziehungsmaßnahmen zu verzichten und diese auch nicht durch andere Trainer durchführen zu lassen, denn Pferde sind nicht dumm und verlieren schnell ihr Vertrauen zu ihrem Besitzer, wenn dieser sie nicht ausreichend vor solchen Erlebnissen schützt. Umgekehrt wissen sie es aber sehr zu schätzen, wenn Sie z.B. rechtzeitig eingreifen, sobald Sie erkennen, dass der von Ihnen gewählte Ausbilder mit solchen qualvollen Methoden arbeitet.
Als Schikane ist oftmals auch die Anschauung anzusehen, dass ein Reiter im Gelände niemals absteigen sollte, auch wenn das Pferd diese Unterstützung dringend benötigen würde. Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn sich das Pferd vor irgendwelchen Dingen oder Situationen sehr fürchtet (Landmaschinen, Brücken, Menschenansammlungen, Viehherden, Straßenverkehr, etc.) oder wenn es ihm aus irgendwelchen Gründen ein Problem bereitet, seinen Reiter zu tragen, wie etwa auf stark schotterigem Boden (besonders für Tiere mit empfindlichen Hufen) oder beim längeren Bergabreiten (besonders für junge und schlecht konditionierte Pferde).
Als echter Pferdefreund sollten Sie es vermeiden, Ihrem vierbeinigen Partner unnötige schmerzhafte Belastungen zuzumuten, und Sie sollten ihn überall unterstützen, wo Sie nur können. Keinem Reiter fällt ein Stein aus der Krone, wenn er mal eine Strecke zu Fuß geht und sein Pferd führt. Und er verliert dabei auch keineswegs seine Autorität, sondern er gewinnt auf diese Weise vielmehr das Vertrauen des Pferdes, weil er damit auch seine Führungsqualitäten unter Beweis stellt.
Dies gilt vor allem für Reiter, die ein ängstliches Pferd von der Ungefährlichkeit von oben genannten Dingen oder Situationen überzeugen können, indem sie es ruhig und geduldig zu Fuß daran vorbei- oder auch darauf zugeleiten. Wenn sich so ein Mensch z.B. einen Mähdrescher zu berühren traut, dann wird sein Pferd ihn gerne und ehrfürchtig als ‘Leittier’ anerkennen. Außerdem kann sich dieser Reiter der Treue und Dankbarkeit seines Pferdes sicher sein.
Aber es gibt auch noch viele andere Gelegenheiten, wie Sie Ihrem Pferd beweisen können, dass Sie sein Freund sind. Wenn Sie z.B. Nachsicht haben, wenn es sich mal unwohl fühlt, und ihm an solchen Tagen keine großartigen Leistungen bzw. absoluten Gehorsam abverlangen, auch wenn Sie Derartiges von diesem Tier stets gewöhnt sind. Und wenn Ihr Pferd an bestimmten Körperstellen Berührungen nicht mag, dann sollten Sie es nicht provokativ extrem oft dort berühren oder in diesem Bereich intensiv putzen. Sie erreichen damit nämlich nicht unbedingt eine Gewöhnung an solche Berührungen, sondern Sie ziehen sich damit vielmehr den Unmut Ihres Pferdes zu, das selbstverständlich nicht verstehen kann, warum Sie ihm das antun.
Natürlich gäbe es noch viele derartige Beispiele, doch ich nehme an, dass ich das grundsätzliche Prinzip ausreichend deutlich gemacht habe. Jedenfalls haben Sie als Pferdefreund unzählige Möglichkeiten, Ihrem Pferd ein wirklicher Reitpartner zu sein, und dies ist der einzige empfehlenswerte Weg, um das Vertrauen und die freiwillige Mitarbeit Ihres Pferdes zu erringen.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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