| | | Schlangenlinien an der langen Seite |  |  |  |
09. November 2008 Liebe Nora, das Thema ‚Hufschlagfiguren' ist noch nicht zu Ende: als Letztes kommt noch hinzu, vom leitenden Hufschlag an der Bande weg auf dem zweiten Hufschlag zu reiten (Abstand zum ersten Hufschlag 2.50 m) oder auf der Fünf-Meter-Linie und vor allem auch auf der kurzen Seite dort zu bleiben, und zwar im immer gleichen Abstand zur Bande. (siehe Zeichnung ‚Schlangenlinien an der langen Seite', dort sind die 2,5 und die 5 m-Linien längs der Bande eingezeichnet). Das sind schon Prüfsteine auf dem Weg zur Reitkunst, die Dir einiges abverlangen und Aufschluss geben über das Maß an Konsequenz, mit dem Ihr beiden bisher gelernt und geübt habt. Auf einer DVD würde ich Euch beiden gern mal auf dem zweiten Hufschlag beobachten. Ich bemerke oft beim Zusehen in Reithallen, dass das Reiten auf dem ‚zweiten Hufschlag' relativ wenig praktiziert wird, eigentlich gar nicht oder nur, um kurz den Hufschlag frei zu machen. Ich denke, Viele streichen die Segel, weil spätestens am Ende einer langen Seite das Pferd wieder auf den ersten Hufschlag steuert und davon nur schwer abzuhalten ist. Aber gerade das sollte einem Reiter zu denken geben und er sollte das Reiten auf dem zweiten Hufsschlag darum umso mehr üben. Es sollte nicht sein, dass das Pferd die Linie, auf der es gehen soll, bestimmt, denn auch im Gelände kommt es oft auf eine Handbreit an, wenn man sein Pferd an einer prekären Stelle vorbeireiten muss. Da bin ich wieder bei meinem Thema, das mir am Herzen liegt: MAN MUSS GUT UND RICHTIG REITEN LERNEN, DAMIT MAN AUCH IM GELÄNDE SICHER UND UNBESCHWERT REITEN KANN UND DAMIT SICH PFERD UND REITER WOHLFÜHLEN. Es ist weniger wichtig, auf Turnieren für wenige Minuten zu glänzen (oder auch nicht zu glänzen). Turniere sollten nur das Salz an der Suppe sein, eine gelegentliche Abwechslung im Reiteralltag. Für Berufsreiter kann die Teilnahme an Turnieren allerdings eine größere Bedeutung haben. Ein kleiner Rückblick sei mir hier wieder gestattet: ohne das O.K. des hauptamtlichen Reitlehrers nahm bis in die siebziger Jahre kein Reiter der Vereine an Turnieren teil, auch nicht mit seinem Privatpferd, denn es ging ja auch um den Ruf dieses Reitlehrers, meist war es ein ehemaliger Unteroffizier, Wachtmeister oder Offizier der früheren Kavallerie. Erst als diese alten, erfahrenen Reiter ausgestorben waren, begann das ‚wilde Ausbilden', das bis heute teilweise von jungen Mädchen oder anderen wenig qualifizierten Reitern ausgeübt wird, die keinen Einfluss auf fortgeschrittene Reiter haben oder auf solche, die ihr Können und oft auch das ihres Pferdes überschätzen, weil die Kritik eines guten Ausbilders fehlt. Sie bevölkern in großer Zahl die Turnierprüfungen und gutes Reiten ganz allgemein ist deshalb dort durchaus nicht niveaubestimmend.
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