 |  | signiert EM-Spieler 17 hieß Ziege |  |  |  |
|  |  | | Hommage an Christo & Jeanne-Claude |  |  |  |
| So findet in jedem Moment eine stumme Abstimmung statt, auch in Sachen Holbein-Pferd.
Hanno Kühnert hat in obigem Zitat davon berichtet, daß die Benutzer der Straßenbahn sehr aufmerksam auf die wechselnden Gewänder des Fohlens reagieren und sich mit der Qualität der Gestaltungen auseinandersetzen.
Das tun sicher auch die nächtlichen Künstler, die sich damit gegenseitig anregen. Und so entwickelt sich Kultur: durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit (genauer: mit den Spitzenleistungen der Vergangenheit, die anderen sind nämlich schon in Vergessenheit geraten) wird eine dauernde Diskussion hinsichtlich der Qualität geführt.
Diese Diskussion kann nicht manipuliert werden, sie wird nicht gesteuert, sie ist weitgehend nicht öffentlich, weil sie nämlich in den Herzen und Seelen der einzelnen Betrachter stattfindet, ohne daß diese sich unbedingt bewußt damit auseinandersetzen wollen oder können.
Das nenne ich die Wirkung des Kunstwerks. In diesem Sinne hat das Fohlen von Werner Gürtner viele Jahre nach seiner Erschaffung eine neue Phase seiner Wirkungsgeschichte entfaltet.
Durch die Bearbeitungen gerät sowohl das originale Kunstwerk neu in den Blick als auch die Bearbeitungen selbst, die einander Konkurrenz machen. Unvermeidlich reagiert jeder Betrachter mit einem Vergleich und wägt ab.
Dabei muß nicht unbedingt eine lineare Ordnung herauskommen, eine Hitliste sozusagen, jedes Werk kann ruhig für sich stehen, aber trotzdem schärft sich der Blick und das Urteil bei jedem neuen Bild.
Meistens fallen Bearbeitungen gegen die Originale stark ab. So ist die Mona Lisa mit Schnurbart von Marcel Duchamp einfach nur ein übler Witz und kann der Erhabenheit des Originals nichts anhaben. Die Bearbeitungen Picassos von Cranach, Manet, Delacroix, Velasquez, Rembrandt sind wenig überzeugend und wecken die Sehnsucht nach dem Original.
Bei dem Holbein-Pferd verhält es sich anders. Die Be- oder vielleicht besser: Über-arbeitungen tasten die Würde des Originals in keiner Weise an, im Gegenteil, sie arbeiten sie geradezu heraus: als bloße Betonplastik grau in grau wäre die Wirkung vermutlich wesentlich verhaltener.
Man kann das sehr schön überprüfen an der lebensgroßen Bronze-Skulptur von Renée Sintenis in Herten. An dieser hat sich noch niemand vergriffen. Sie steht da wie so viele andere Skulpturen auch und fällt kaum auf. Selbst der Bürgermeister ist sich nicht bewußt, was in seiner Stadt alles herumsteht. Gelegentlich sollen Kinder auf dem Fohlen reiten.
Renée Sintenis (1888-1965) - an die muß man natürlich denken, wenn man ein Fohlen sieht. Sie war und ist berühmt für ihre Fohlen und andere Tierkinder, die im Regelfall als Kleinplastik ausgeführt worden sind.
* Anmerkung Metzgermeister Karl Ludwig Schweisfurth verkaufte sein milliardenschweres Unternehmen [Herta] und gründete eine Stiftung, die sich unter anderem für einen neuen Umgang mit der Erde einsetzt und ökologische Landwirtschaft fördert. » Schweisfurth-Stiftung, » Schweisfurth-Forschungspreis für artgemässe Nutztierhaltung
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