Rembrandt van Rijn, Niederlande Der barmherzige Samariter versorgt den verwundeten Mann 1644, 15,8x 22,1 cm, Feder- und Pinselzeichnung links unten von späterer Hand: Rembrand f. Berlin, Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen
Rembrandt und Pferde: im Galeriebeitrag 110 habe ich ein großes Gemälde von Rembrandt besprochen, das ein Pferd und einen Reiter zeigt (› › › Polnischer Reiter), beide dynamisch und munter, trotzdem voller morbider Züge, so daß das Bild etwas leicht Unheimliches hat.
Diese Zeichnung ist klar und eindeutig in ihrer Aussage. Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgend etwas hinzugefügt oder weggenommen werden könnte. Sie ist vollkommen, eine Variante als Gemälde würde vermutlich enttäuschen. Dies ist ein Beispiel für die unglaubliche Zeichenkunst von Rembrandt. Je mehr ich davon kennenlerne, je genauer und intensiver ich seine Zeichnungen betrachte, desto größer wird meine Ehrfurcht.
Rembrandt van Rijn, 1606-1669 ist nicht nur als Maler, sondern auch als Zeichner und als Radierer berühmt. In jeder Hinsicht wurde seine Kunst im Laufe seines Lebens größer, tiefer und freier. Er ist das Musterbeispiel eines Menschen, der offensichtlich gereift ist, obwohl oder vielleicht gerade weil er kein leichtes Leben hatte. Rembrandt hat im Laufe seines Lebens alles erreicht und alles verloren. Seine Kunst hat darunter aber nicht gelitten.
Kommentar · 26.09.2002 Von Werner Stürenburg
Vor ein paar Wochen ist mir ein kleines Büchlein in die Hände gefallen, etwa 50 Jahre alt, mit Abbildungen von Radierungen und Zeichnungen Rembrandts zum Neuen Testament. Sowohl die Textstellen, auf die sich die Arbeiten bezogen, als auch diese selbst haben einen großen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Dabei besitze ich seit acht Jahren einen Riesenwälzer mit sämtlichen Arbeiten sowohl zum Alten als auch zum Neuen Testament, aber ich hatte bisher noch keine Zeit und Muße gefunden, mich näher damit zu beschäftigen. Und da ich "von Berufs wegen" einen besonderen Blick für Pferde habe, fielen mir natürlich die Pferde in den Werken auf. Darüber wollte ich einmal schreiben. Und heute fange ich an.
Als ich das dicke Buch mit 74 Gemälden, 65 Radierungen und 135 Zeichnungen durchgeblättert habe, fiel mir auf, daß die Arbeiten zum Alten Testament den größten Teil einnehmen, wobei dort nur zwei Pferde und einige Esel vorkommen, kaum mehr als eine Handvoll, während im Neuen Testament wesentlich mehr Esel und Pferde vorkommen.
Merkwürdig: als ich nachprüfte, stellte sich heraus, daß ziemlich genau die Hälfte der Seiten auf das Alte und das Neue Testament entfallen, nämlich je etwa 230.
|