Rembrandt van Rijn, Niederlande Der barmherzige Samariter bei der Herberge um 1641/43, 18,4x28,7 cm Feder- und Pinselzeichnung, nicht signiert London, British Museum
Rembrandt hat sich erstaunlich oft mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter auseinandergesetzt. Zwei Arbeiten aus den Jahren 1644 und 1633 haben wir jetzt schon kennengelernt ( Samariter, Herberge), diese ist weder datiert noch signiert und wird von Kunsthistorikern aufgrund von Stilmerkmalen auf Anfang der 40er Jahre eingeordnet.
Rembrandt van Rijn, 1606-1669 ist nicht nur als Maler, sondern auch als Zeichner und als Radierer berühmt. In jeder Hinsicht wurde seine Kunst im Laufe seines Lebens größer, tiefer und freier. Er ist das Musterbeispiel eines Menschen, der offensichtlich gereift ist, obwohl oder vielleicht gerade weil er kein leichtes Leben hatte. Rembrandt hat im Laufe seines Lebens alles erreicht und alles verloren. Seine Kunst hat darunter aber nicht gelitten.
Kommentar · 12.10.2002 Von Werner Stürenburg
 |  |  |  | Öl auf Holz, 27,5 × 21 cm. London, Wallace Collection |  |  |  |
| Grandios die Dramatik, die gewaltigen Hell-/Dunkel-Kontraste, die durch virtuose, leichte Pinselbewegungen erzeugt worden sind, über einer Zeichnung mit der Feder, die mit winzigen Andeutungen große Gefühlsbewegungen glaubhaft vermittelt. Mittendrin wieder ein Pferd.
Im Vergleich mit der Radierung, die ich in der letzten Woche betrachtet habe und die aufgrund der Technik seitenverkehrt angelegt worden ist, und dem fast identischen Gemälde links gibt es in Bezug auf die Zeichnung dieser Woche sowohl auffällige Parallelen als auch deutliche Unterschiede.
Die Herberge, die Treppe, das Pferd und der Wirt sind ähnlich gestaltet, der Zeitpunkt ist etwas später gewählt: der Überfallene ist bereits vom Pferd heruntergenommen.
Am auffälligsten ist jedoch, daß der Samariter nicht mit dem Wirt verhandelt, sondern den Transport überwacht. Das ist sowohl im Sinne der Geschichte als auch des Gleichnisses korrekt.
Die gesamte Komposition (die Ankunft an der Treppe) ist nicht Rembrandts Erfindung. Das Motiv wurde von vielen Künstlern in allen Zeiten dargestellt. Die findigen Kunsthistoriker haben herausgefunden, daß Rembrandts sich konkret auf einen Kupferstich von Jan van de Velde (ca. 1593-1641) bezieht, also eines kaum älteren Künstlers seines Landes.
Van de Velde seinerseits beruft sich auf die Darstellungsweise, wie sie im 16. Jahrhundert üblich war. Man raffte verschiedene Momente einer Erzählung zusammen, um sie in einer einzigen Darstellung bringen zu können.
Davon sieht Rembrandt in der Zeichnung ab. Er konzentriert sich ganz auf die Herabnahme, die wiederum dadurch einen Bezug bekommt zur Kreuzabnahme Christi.
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