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Galeriebeitrag Ausgabe 226.08 · Unilever
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Sir William Reid Dick RA, Großbritannien
Kunst am Bau
Vermutlich Sandstein, aus mehreren Lagen aufgebaut
Mindestens lebensgroß, Unilever-Gebäude, London
Ecke Embankment / New Bridge Street, Foto v. 15.7.03

Im vergangenen Jahr bin ich oft aus der U-Bahn-Station Blackfriars gestiegen, und zwar aus dem Ausgang, der direkt vor dem Eingang des Unilever-Gebäudes liegt, den ich vor zehn Tagen fotografiert habe. Ich habe damals nie hochgeblickt.

Am Sonntag vor 14 Tagen mußte ich abends über die Blackfriars Bridge gehen; da blickte ich zurück auf das Unilever-Gebäude, das ich im Frühjahr bei Dunkelheit vom anderen Ufer der Themse aus in Prachtbeleuchtung fotografiert hatte. Trotz der vorgerückten Stunde war es zu dieser Jahreszeit natürlich noch hell und die Beleuchtung noch nicht an.

Da sah ich die Pferdeskulptur zum ersten Mal und zückte den Apparat. Zwei Tage später entdeckte ich die andere Figur, die symmetrisch das andere Ende des wie eine Banane gebogenen Gebäudes abschließt. In der letzten Woche habe ich drei dieser Aufnahmen als Poster gebracht ( Unilever-Mann). Heute will ich einen genaueren Blick wagen.


Sir William Reid Dick RA, 1879-1961
The sculptor William Reid Dick is responsible for various human and animal statues in London. He was sculptor to King George VI, and became ARA in 1921, RA in 1928. The beasts by Blackfriars Bridge (Unilever House) are his, as is the eagle on the Royal Air Force Monument on the Embankment. In Regents Park is his Boy with Frog fountain (1936). He was also the sculptor of the imposing Roosevelt in Grosvenor Square, the George V by the House of Lords, and John Soane at the Bank of England.(» Brief Notes on a few Modern Sculptors)

ARA steht m. W. für Associate of the Royal Academy of Art, RA für Member of the Royal Academy of Art. In England und Frankreich ist die Zugehörigkeit zu diesen hehren Institutionen eine große Ehre, während in Deutschland die Akademie der Künste in Berlin ein Schattendasein führt. In der letzten Woche habe ich mich mit Renée Sintenis beschäftigt, der zweimal diese Ehre zuteil wurde ( Sintenis).



Kommentar · 27.07.2003
Von   Werner Popken

Blackfriars Bridge mit Unilever-Gebäude<br>Aufnahme vom 19.3. 2003, 20:07 Uhr Ortszeit<br>Weiße Flecken i.d. oberen Reihe = Skulpturen · © 2008  
Blackfriars Bridge mit Unilever-Gebäude
Aufnahme vom 19.3. 2003, 20:07 Uhr Ortszeit
Weiße Flecken i.d. oberen Reihe = Skulpturen
Blackfriars Bridge mit Unilever-Gebäude<br>20.3. 03, 20:02 Uhr, links die alte City Hall · © 2008  
Blackfriars Bridge mit Unilever-Gebäude
20.3. 03, 20:02 Uhr, links die alte City Hall
Ich hatte mich am Dienstag eigentlich auf den Weg gemacht, eine Skulptur zu suchen, die ich im Vorjahr während eines kurzen Spaziergangs in der Mittagspause entdeckt hatte. Ich habe sie wiedergefunden, nahe beim Temple District, mußte aber doch fragen. In meiner Erinnerung handelte es sich um einen Sankt Georg, der den Drachen tötet, ausgeführt in Edelstahl. Tatsächlich war es Kupfer. Darüber ein anderes Mal mehr.

Damals habe ich ganz in der Nähe unterrichtet und ziemlich weit weg gewohnt. Hätte ich gewußt, daß sich auf der anderen Seite der Blackfriars Bridge ein brauchbares Hotel befindet, hätte ich jeden Morgen und jeden Abend zu Fuß über die Brücke gehen können.

Immerhin war mir schon aufgefallen, daß dies das Unilever-Gebäude war, der Name Unilever sagte mir etwas. Das ist doch ein ziemlich großer Konzern, nicht wahr? Welche Rolle spielt dieses Gebäude?

Damals interessierte mich diese Frage nicht weiter; immerhin mutete mich der architektonische Stil etwas pathetisch an. Solche Gebäude wurden in Italien und Deutschland während des Faschismus errichtet, aber anscheinend auch in London. Eine Zeitströmung offenbar.

Als ich im März dieses Gebäude in bunter Beleuchtung fotografierte, konnte ich die Pferdeskulpturen nicht entdecken. Zwar ist die Reihe der Skulpturen oberhalb der Säulen ebenso wie diese selbst beleuchtet, die Pferde liegen jedoch im Dunkeln. Das finde ich merkwürdig. Bei Tageslicht fallen die wesentlich mehr auf als die Einzelfiguren auf dem Sims.

Die City Hall links daneben macht ebenfalls mächtig etwas her, dieses Gebäude hat einen mittelalterlichen Hauch. Die dritte Aufnahme der Poster (London City-Hall) zeigt den Blick schräg von unten auf die Seitenfassade der City Hall und vermittelt damit einen sehr guten Eindruck von den architektonischen Versatzstücken, die das Pferd einrahmen. Die Beleuchtung fügt nun ein völlig neues Element hinzu. Bei Nacht erstrahlt das Gebäude in einem zauberhaften Glanz, den es tagsüber gar nicht hat.

Auf diesem Poster sieht man sehr gut, daß die Fassade der City Hall dem Gebäude einfach vorgesetzt ist und etwas vorspiegelt, was gar nicht vorhanden ist. So hat man Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, eine Art Postmoderne vor der Moderne. Genau wie heute hatte man keinen eigenen Stil, sondern bediente sich einfach in der Geschichte und kleisterte sich etwas zusammen.

Das Unilever-Gebäude daneben hat einen eigenen Stil - so hatte man niemals vorher gebaut, obwohl es natürlich Anklänge an andere Stile gibt. Die Säulen verweisen auf die griechische Antike, und auch die Figuren oben auf dem Sims sind eine entsprechende Reminiszenz, die die Architekten über die Jahrhunderte immer wieder gern verwendet haben. Daß die alten Griechen eine Fülle von Errungenschaften quasi aus dem Hut gezaubert haben, die noch Jahrtausende nachwirken, verwundert nicht nur mich immer wieder.





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