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Bericht Zu den Themen Kommunikation, Tierschutz · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 491.08 der Pferdezeitung vom 24.08.08
 Menü Hauptartikel 491
 Doping und Befriedigung 
 Ponyspiele  Training  Ponygestüt
 Orgasmusschwierigkeiten  Bewußtseinswandel  Leserresonanz
Inhaltsmenü
Inhaltsmenü
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  Magazin
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Die Hufe hoch, sonst fällt die Stange! · © 2008
 
Die Hufe hoch, sonst fällt die Stange!
Wie kriegt man das Pferd dazu, die Hufe hoch genug zu nehmen, wenn die Stange schon bei geringster Berührung fällt? · © 2008
 
Wie kriegt man das Pferd dazu, die Hufe hoch genug zu nehmen, wenn die Stange schon bei geringster Berührung fällt?
Wie kriegt man das Pferd überhaupt dazu, über das Hindernis zu springen, insbesondere dann, wenn es offensichtlich nicht will? · © 2008
 
Wie kriegt man das Pferd überhaupt dazu, über das Hindernis zu springen, insbesondere dann, wenn es offensichtlich nicht will?

    Doping und Befriedigung   
    Menschliche Bedürfnisse und die Hölle der Pferdemädchen   
von   Werner Popken

Teil 1:  Tu Gutes und rede darüber
Teil 2:  Wo und wie kann ich Gutes tun?
Teil 3:  Spenden sind Glücksbringer
Teil 4:  Heilung und Linderung
Teil 5:  Zwang und Gewalt
Teil 6:  Immer feste druff
Teil 7:  Schmerz und Lust


Zu den Themen Kommunikation, Tierschutz


Sie werden es vermutlich mitbekommen haben: Ein Mitglied der deutschen Olympia-Mannschaft, ein Springreiter, mußte wegen Doping-Verdachts vorzeitig nach Hause reisen. Weitere Mitglieder anderer Nationen wurden mit demselben Vorwurf konfrontiert. Jeder denkt dabei natürlich sofort an schmerzstillende oder leistungsfördernde Mittel. Heute hörte ich, daß es sich um eine Salbe handeln sollte.

Na ja, bei einer Salbe denkt man natürlich ebenfalls an gesundheitliche Probleme, die durch äußerliche Anwendung positiv beeinflußt werden sollen, etwa Schürfwunden oder Prellungen. Diese Salbe hat jedoch eine ganz andere Funktion. Sie wird beim gesunden Pferd angewandt. Normalerweise hat das keinerlei Auswirkungen, angeblich jedenfalls, denn man soll die Anwendung durchaus sehen können, durch Bläschen beispielsweise.

Ich hoffe, ich habe Sie jetzt so richtig auf die Folter gespannt. Was um Himmels willen soll diese Salbe denn bewirken, wenn sie keine Auswirkungen hat und beim gesunden Pferd angewandt wird? Irgendeine Wirkung muß man sich davon doch versprechen, sonst würde man es ja nicht tun! Der Clou der ganzen Sache ist, daß diese Salbe ihre Wirkung entfaltet, wenn man die damit eingeriebene Stelle berührt. Dann nämlich soll sie höllisch brennen.

Na, ist Ihnen jetzt schon klar, was die Salbe bezwecken soll? Es ist dasselbe wie die berüchtigte Technik des Barrens. Diese Salbe wird bei "faulen" Pferden angewandt, die dazu neigen, mit ihren Hufen die Stangen zu berühren. Damit setzen sie den Reiter natürlich der Gefahr aus, daß die Stange fällt. Damit das "faule" Pferd "lernt", die Hufe hochzureißen, hat man früher gebarrt, d. h. die Beine der Pferde mit Stangen geschlagen, damit es weh tut und die Pferde lernen, aus Angst vor den Schmerzen die Beine so hoch wie möglich zu nehmen. Früher, nämlich vor der "Affäre Schockemöhle".

In die Kritik geriet Schockemöhle Anfang der 1990er Jahre, weil er durch das so genannte Barren seine Pferde zu höheren und weiteren Sprüngen über die Hindernisse antrieb. Das bei Springpferden schon seit je her praktizierte Barren wurde nach einem Bericht der Sendung "Stern TV" allgemein geächtet und zumindest offiziell aus den Trainingsplänen der deutschen Reiter gestrichen. Spätere Recherchen ergaben, dass auch weiterhin im Stall von Paul Schockemöhle Pferde gebarrt wurden.

» Paul Schockemöhle

Aha, diese Praxis wurde also schon immer angewandt, und selbstverständlich auch von einem der erfolgreichsten Springreiter unserer Nation, der laut Wikipedia auf seinem Gestüt erfolgreiche Springpferde "formt". Erst ein Fernsehbericht führte dazu, daß man zumindest offiziell diese Praxis ächtet. Was hinter verschlossenen Türen stattfindet, kann natürlich kein Außenstehender wissen.

Jetzt macht man es anscheinend mit der Salbe. Wenn das Pferd die Stange berührt, brennt es schrecklich, was das Pferd natürlich nicht möchte und infolgedessen hoffentlich lernt, die Hufe ordentlich hochzunehmen. Und weil es mit Chemie zu tun hat, nennt man es heutzutage Doping. Auf dem Weg zum Sieg sind alle Mittel recht. Nur die Goldmedaille zählt. Alle machen mit, müssen mitmachen, weil es alle machen - man dreht sich im Kreis. Dumm nur, wenn man erwischt wird. Dann zeigt jeder mit dem Finger auf den Bösewicht. Pech aber auch!




Ponyspiele


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Beschlagen, na klar! · © 2008
 
» Beschlagen, na klar!
Zehengang, selbstverständlich. · © 2008
 
» Zehengang, selbstverständlich.
Schweif muß sein, ist leicht angebracht. · © 2008
 
» Schweif muß sein, ist leicht angebracht.
Brustgeschirr und Vorderhufe. · © 2008
 
» Brustgeschirr und Vorderhufe.
Muß das schön sein! · © 2008
 
Muß das schön sein!
Was das mit dem seit Wochen behandelten Thema zu tun hat? Sie werden es gleich sehen. Im Laufe der letzten Woche konnte ich es nicht vermeiden, immer wieder einmal den aktuellen Hauptartikel 490 und die darin enthaltenen Illustrationen zu sehen. Normalerweise überprüfe ich dann meine Absicht und bin erfreut, wenn mir die Bilder und der Artikel immer noch gefallen, aber dieses Mal war es anders. Trotz Gewöhnung und bester Illustrationsabsicht konnte ich diesen Bildern nichts abgewinnen, im Gegenteil, sie waren mir zuwider und diese Abneigung nahm sogar noch zu. Es wurde mir nicht gerade schlecht, aber der Anblick war mir doch sehr unangenehm.

Nachdem ich den Artikel  Schmerz und Lust letzte Woche fertiggestellt hatte, recherchierte ich noch ein bißchen weiter und fand heraus, daß es sich hierbei um eine etablierte Szene, einen richtigen Markt handelt. Es gibt sogar eine spezialisierte Zeitschrift mit dem Namen » Equus Eroticus, "vorrätig in vielen gut sortierten Buchhandlungen". Ein typisches Szenario sei, so wird der Leser auf einer dieser Seiten aufgeklärt, daß ein Ponymädchen von seinem Meister ausgebildet werde.

Das leuchtet ein: Wenn man ein Rollenspiel inszeniert, möchte man sich möglichst eng an die nachzuspielende Wirklichkeit anlehnen - so funktionieren Rollenspiele, ob es nun "Mutter und Kind" oder "Eisenbahn" heißt. Daraus ergibt sich, daß es umgekehrt interessant sein kann, welches Bild oder Zerrbild der Wirklichkeit das Rollenspiel verwirklicht. Im Falle von "Mutter und Kind" wird sich darin der Erfahrung des Kindes in Bezug auf seine eigene Situation widerspiegeln und zum Ausdruck gebracht werden, selbst wenn es nicht bewußt darüber reflektieren kann. Das nutzen Erzieher und Kinderpsychologen.

Wie sieht also das Bild oder Zerrbild der Pferdewelt im Spiegel der Ponyspiele aus? Was kann die Pferdewelt daraus lernen? Selbst wenn Parallelen zur Wirklichkeit weit hergeholt erscheinen, darf man bei einer solchen Projektion nicht allzu empört tun, denn selbstverständlich sucht man sich ausschließlich solche Wirklichkeiten aus, die es erlauben, die angestrebten Phantasien bestmöglich umzusetzen. Wenn keinerlei Anklänge in der Wirklichkeit vorhanden wären, wäre diese Wirklichkeit als Vorlage für ein Rollenspiel uninteressant, unergiebig, unbrauchbar. Wir dürfen also durchaus auf Einsichten in Bezug auf die reale Welt hoffen.

Aber zunächst: Welche Phantasien sollen hier ausgelebt werden? Eine Seite preist ihre Waren wie folgt an:

All original images and videos of these beautiful girls chained, tied, whipped, beaten, abused and humiliated.

Schöne Mädchen, angekettet, gefesselt, ausgepeitscht, geschlagen, mißbraucht und erniedrigt, alles Originalfotos und -videos.

» Pony Girls .US

So etwas ist offenbar interessant. Man bietet die entsprechenden Szenen zum ausdrücklichen "Vergnügen" des Betrachters an, der offenbar bereit ist, dafür zu zahlen. Früher glaubte man mal, daß diese Betrachter ausschließlich männlich seien, aber inzwischen weiß man, daß das nicht stimmt. Irgendwo habe ich sogar einmal von einer wissenschaftlichen Untersuchung gelesen, wo die These aufgestellt wurde, daß Pornos, die von Frauen für Frauen inszeniert werden, noch härter und brutaler seien als die des anderen Geschlechts.

Eine auf Ponyspiele spezialisierte Seite formulierte den Aufreißer so:

See poor Justine fitted out as a PonyGirl. She's trotted around and then led around in circles on a rope by her cruel master. When she doesn't step high enough the rope is yanked pulling her off balance, making her stumble in her fragile high heels. Tight nipple clamps add to her misery.

Die arme Justine als Ponymädchen! Sie wird von ihrem grausamen Meister herumgeführt und muß dann an der Longe im Kreis herumlaufen. Wenn sie ihre Füße nicht genug anhebt, zieht er an der Leine und bringt sie aus dem Gleichgewicht, so daß sie mit ihren zerbrechlichen Stöckelschuhen stolpert. Zwickende Warzenklammern vergrößern ihr Elend.

» Justine's Pony Girl Movie

Das ist der Werbetext für ein 13 minütiges Video, das man für 15 US-Dollar sofort herunterladen kann. Es gibt noch vier weitere, und wenn man alle auf einmal kauft, bekommt man Rabatt.



Training


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"Mach schon, Lexxy, du faule Sau, streng dich an!" "Ooohh, Yeahh, ich liebe das !!" · © 2008  
» "Mach schon, Lexxy, du faule Sau, streng dich an!" "Ooohh, Yeahh, ich liebe das !!"
"Bist du TAUB, du dumme Fotze? ICH SAGTE SCHNELLER, SCHNEEEEEELLEEER!!! Ayeesha lachte und schwang ihre Peitsche zu einem weiteren anspornenden Schlag - offenbar die einzige Sprache für diese dumme Kuh." · © 2008
 
» "Bist du TAUB, du dumme Fotze? ICH SAGTE SCHNELLER, SCHNEEEEEELLEEER!!! Ayeesha lachte und schwang ihre Peitsche zu einem weiteren anspornenden Schlag - offenbar die einzige Sprache für diese dumme Kuh."
Hier handelt es sich aber nur das spezielle Angebote in Bezug auf "Justine", deren Name sich natürlich auf den Roman » Justine von » Marquis de Sade bezieht. Den Inhalt dieses Romans faßt die Wikipedia wie folgt zusammen:

Justine und Juliette sind die Töchter eines bankrotten Kaufmanns. Nach dem Tod der nahezu mittellosen Mutter beschließt Juliette, als Prostituierte ins Bordell zu gehen, verübt eine Reihe von Verbrechen, erwirbt Reichtum und wird glücklich. Justine hingegen wählt den Weg der Tugend, erlebt hierbei eine Reihe von Abenteuern und Missgeschicken und wird fortwährend Verfolgungen und Erniedrigungen ausgesetzt, bis sie - wegen Mordes und Brandstiftung unter Anklage stehend - wieder ihre Schwester trifft, der sie ihr Lebensschicksal erzählt, bevor sie in einem Gewitter vom Blitz erschlagen wird.

[... (es folgt eine kurzgefaßte Inhaltsangabe mit der Andeutung widerlicher Einzelheiten) ...] Die sinnfällige Moral der Geschichte ist die konsequente Belohnung der Verbrecher für ihre Schandtaten und die Entlarvung der Unnatürlichkeit des Guten.

» Justine

So ausgesprochen übel wie das Original scheinen die Kopien nicht daherzukommen, jedenfalls nach den öffentlich zugänglichen Geschmacksproben zu urteilen - für meinen Geschmack reicht es aber trotzdem.

Darüber hinaus gibt es natürlich an anderen Stellen tonnenweise Material über diese Art von eher mehr als weniger geschmacklosen Phantasien, die Teil der das Internet beherrschenden Pornoindustrie darstellen. Angeblich soll fast 90% der weltweiten Pornographie in den USA produziert werden und diese fast 20% zum Bruttosozialprodukt der USA beitragen.

Aber auch hierzulande ist die Pornographie ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor (» 35 harte Fakten über Sex-Filme). Es handelt sich bei der Pornographie, die meines Wissens im Tierreich ebenfalls unbekannt ist, also um etwas ganz Wichtiges, was Menschen bewegt. Was ist, um Himmels willen, der Mensch, welche Bedürfnisse werden hier befriedigt?

Der berühmte Marquis war mit Sicherheit kein Ponyfan, für seine Phantasien von Grausamkeit brauchte er Tiere nicht zu bemühen. Seine Zeiten waren grausam genug und mächtige Leute konnten ihren Mutwillen fast nach Belieben an einfachen Leuten ausleben. Man mußte nicht auf Tiere als Sklavenersatz zurückgreifen, wenn man seine Ideen umsetzen wollte.

Menschen verfügen im Gegensatz zu Tieren über Phantasie und Sprache, können sich alles mögliche ausdenken und aufschreiben, inszenieren und ausprobieren; vielleicht ist es nicht ganz ohne Bedeutung, daß der namensgebende Sadist seine Bücher im Gefängnis geschrieben hat, als er seine Vorstellungen vermutlich nicht mehr so leben konnte, wie er es wollte. Man darf aber annehmen, daß Phantasien nicht nur Hirngespinste bleiben, sondern auch in der Realität umgesetzt werden. Die Ponyrollenspiele bieten reichlich Gelegenheit zu sadistischen Aktionen, ohne die Phantasie übermäßig anstrengen zu müssen. Man muß nur die Realität nachahmen, das reicht schon. Das übliche Pferdetraining ist daher der Rahmen, innerhalb dessen sich die Geschichten entwickeln.



Ponygestüt


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"Anfrage wegen Bestellung Art. 44911, schwarzes Pony." "Hier auf dem Laufband. Sie ist die jüngste Tochter seines Konkurrenten. Wir haben sie gekidnapt, sie wird geführt als vermißt in Kanada und vermutlich tot. Sie ist noch nicht ganz fertig, aber er kann sie bald haben. Wir liefern nächsten Freitag." · © 2008
 
» "Anfrage wegen Bestellung Art. 44911, schwarzes Pony." "Hier auf dem Laufband. Sie ist die jüngste Tochter seines Konkurrenten. Wir haben sie gekidnapt, sie wird geführt als vermißt in Kanada und vermutlich tot. Sie ist noch nicht ganz fertig, aber er kann sie bald haben. Wir liefern nächsten Freitag."
Ponygirls bei Sir Aldo auf der Stallgasse · © 2008
 
» Ponygirls bei Sir Aldo auf der Stallgasse
Das wird in Erzählungen, Fotos, Videos und anscheinend auch in der Realität ausgelebt. Es gibt sogar "Gestüte", die "Ponies" ausleihen und auch "Gastboxen" anbieten, in die die Gäste ihre eigenen "Ponies", Pony-Girls und Pony-Boys, für ein "schönes, entspannendes Wochenende" einstellen können, um dort dann als "Dominas und Herrschaften" ihre Phantasien zu inszenieren und auszuleben. Können Sie sich das vorstellen? Wenn nicht: so präsentiert sich eine der Seiten, die Ihnen zeigt, was manche Leute für das Höchste der Gefühle halten.

Ponygirls warten angekettet auf ihren Herrn. Dieser Stall ist ausschließlich für weibliche Ponys. Männliche Ponys und Sklavenhengste gibt es auf Ronaldoburcht nur ein (sic!) einem anderen Stall und diese sind nur als Gäste mit ihren eigenen Dominas und Herrschaften anwesend. [...]

Dominas sind oft strenger zu den Ponys als die männlichen Herren. Eine Dressur auch durch Dominas ist daher für Ronaldo's Ponys Pflicht. Die Ponys lernen Haltung, Schritte, Sulkyfahren, Doppelgespann aber u.a. auch Sklavenhengstbespringung und Leckdienste. Erst nach erfolgreicher Ausbildung werden die besten Ponys in den PONYPOOL von Ronaldoburcht aufgenommen. Die POOLPONYs stehen jedem der Burgherren, den Gast-Dominas und den auserwählten Gästen der Burg im Rahmen der wenigen dafür festgelegten Regeln, zur freien persönlichen Verfügung.

Zufällig erwischen wir auch gerade noch Sir Aldo selbst, der sich mit neuen Ponys gern erst einmal ganz allein und ungestört im dafür abgeschlossenen Stall beschäftigt.

Genauso macht er es auch mit ungehorsamen Ponys. Er hat soeben ein an diesem Tag sehr widerspenstiges Pony an die Decke gekettet und bringt diesem nun mit viel Geduld, Worten, Verständnis, Zuckerbrot und der Peitsche, wieder den pflichtgemäßen Gehorsam bei.

» Pony-Farm, unsere Stallungen

Wie kommt es nur, daß mir bei all diesen Dingen, bei aller Toleranz für verrückte Ideen und absonderliche Hobbies so gar nicht wohl werden kann? Erinnern Sie sich an den übergroßen Hit » I Can’t Get No Satisfaction der » Rolling Stones (deutsche Übersetzung: » Satisfaction)? Der arme Teufel kriegt einfach keine Befriedigung, und darüber beschwert er sich lang und breit. Befriedigung ist aber offenbar ein wichtiges Gut. Oder vielleicht soll man es anders sagen: Es ist nicht gut, wenn man unbefriedigt ist.

Bei diesem vielleicht bekanntesten Song der Rolling Stones ist es nicht ganz klar, ob damit sexuelle Befriedigung im eigentlichen Sinne gemeint ist. Die betreffende Zeile wurde so gedeutet, daß der Held der Geschichte sich eine Abfuhr geholt hat, weil die begehrte Dame ihn wegen ihrer Tage um eine Woche vertröstet. Damit wäre ja noch gar nichts über die Befriedigungsfrage der beiden beteiligten Personen an sich ausgesagt. Vielleicht würde ja wenigstens er nach der Schonfrist seine Befriedigung bekommen.

Bekanntlich ist diese Frage für Personen weiblichen Geschlechts nicht ganz so einfach, durchaus brennend und vielfach ungelöst; bei Männern setzt man hingegen voraus, daß dieses Problem überhaupt nicht existiert. Das ist natürlich Wunschdenken, und durch Wundermittel wie Viagra keineswegs vom Tisch, denn die Erektionsfähigkeit ist ja nur ein Teil der Angelegenheit und hat mit dem Höhepunkt und dieser wiederum mit der Befriedigung nicht unbedingt etwas zu tun.



Orgasmusschwierigkeiten


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Etwa zur etwa gleichen Zeit, als Mick Jagger zum ersten Mal die Unfähigkeit zu Befriedigung besungen hat, äußerte sich ein anderer Mann in dieser Hinsicht sehr deutlich. Der heute als "Polit-Clown" verharmloste ehemalige » Kommune I-Gründer » Dieter Kunzelmann wurde seither gern mit dem Spruch zitiert:

Was geht mich der Vietnamkrieg an, wenn ich Orgasmusschwierigkeiten habe?

» Nackte Hintern und Puddingbombe

Eben. Orgasmusschwierigkeiten sind offenbar ein entsetzliches Problem, für beide Geschlechter. Was stellt man nicht alles an, damit etwas in Gang kommt, was leider nicht erzwungen werden kann und so automatisch, unvermeidlich und natürlich sein sollte wie etwa das Niesen. Kunzelmann versuchte es wie viele andere ersatzweise mit Drogen, aber das bringt es natürlich auch nicht, sondern nur neue, ernsthafte Probleme. Schlimm, sehr schlimm. Manchmal hat man durchaus den Eindruck, es ist die Hölle auf Erden und ihr Name ist Pornographie, ihr Geschäft die Unfähigkeit zur Befriedigung.

Interessanterweise findet sich der Gedanke an die Hölle bei einem der Fachautoren für Ponymädchen-Geschichten. Eins der Ponymädchen wundert sich, ob dies wohl die Hölle ist, und bekommt eine positive Antwort. Daraufhin wundert sie sich wiederum, weil die Hölle ja gemeinhin anders geschildert wird. Das wird schnell erklärt, nämlich erstens damit, daß die Hölle sich natürlich auch wandelt und anpaßt, und zweitens mit dem speziellen Karma dessen, der gestorben ist und dessen Karma mit diesem Szenario abgebüßt wird (» Chapter 3. Thump. Thump. Thump.).

Dieser Autor Xaltatun scheint auch einige Einsichten in die psychologischen Gesetzmäßigkeiten der beteiligten Menschen zu haben; auf eine entsprechende Äußerung in einem Forum reagierte jemand äußerst überrascht, aber interessiert:

In particular, I liked Xaltatun's comment that "it's quite common for (child abuse victims) to be as uncaring as their abusers." I hadn't considered that before, but I recognize it, now that you point it out.

Insbesondere gefiel mir der Kommentar von Xaltatun, daß "es für Mißbrauchskinder ziemlich typisch ist, daß sie genauso gefühllos sind wie die Täter." Der Gedanke war mir noch nicht gekommen, aber er leuchtet mir unmittelbar ein, nachdem er ihn ausgesprochen hat.

» Sapphire's Place

So gesehen dürfte die Pflege dieser Phantasien die damit zu lindernden Beschwerden nicht auflösen, sondern vielmehr zementieren und keineswegs dazu führen, daß das grundlegende Übel, nämlich die Gefühllosigkeit, beseitigt werden kann. Alle diejenigen, die meinen, ihre Orgasmusschwierigkeiten mit Spielereien und Spielzeug bewältigen zu können, sind vermutlich schwer auf dem Holzweg. Für die einschlägige Industrie kann das nur gut sein, denn solchen Leuten kann man dann immer wieder immer schärfere Mittel verkaufen. Auch eine Art Abhängigkeit und Sucht.

Zurück zu den Pferden: Pferde sind Sachen, wie Sklaven. Sie müssen ihrem Herrn (oder ihrer Herrin) gehorchen, unter allen Umständen. Sie werden erzogen, bestimmte Dinge zu tun und andere Dinge zu unterlassen. Man kann sie kaufen und verkaufen, hätscheln und bestrafen, Gefühle auf sie projizieren und sich an ihnen abreagieren. Insofern dienen sie sogar als Muster für zwischenmenschliche Beziehungen; die Vermutung liegt nahe, daß insbesondere heranwachsende Mädchen ihre Beziehungen zum anderen Geschlecht über den Umweg Pferd entwickeln. Daran ist viel Gutes, aber auch viel Gelegenheit zu Üblem, wie wir gesehen haben, wie jeder vermutlich aus eigener Anschauung weiß.

Alle Menschen, die Schreckliches tun, so darf man annehmen, fühlen sich dabei vollkommen im Recht und gerechtfertigt, moralisch einwandfrei und schuldlos. Das betrifft insbesondere die Menschen, die mit Pferden umgehen oder sie ausbilden; normalerweise haben sie überhaupt kein Problem mit der Redewendung, dem Gaul doch mal zu zeigen, wo der Hammer hängt, einmal ordentlich durchzugreifen, dem Zossen nichts durchgehen zu lassen und was dergleichen Sprüche mehr sind. Reitschüler müssen sich sagen lassen, daß sie sich unbedingt gegenüber dem Pferd durchsetzen müssen, und daß dies nicht ohne Gewaltanwendung geht.

Meistens wird das nicht näher begründet, aber bei Bedarf kann man wie folgt argumentieren: Die Konsequenzen wären andernfalls schrecklich, das Pferd wüßte nicht, wem es sich anvertrauen sollte, müßte für sich selbst entscheiden und würde in diesem Fall selbstredend Verhaltensweisen an den Tag legen, die für Pferde und Reiter unangenehm sind, etwa bei Kleinigkeiten panisch durchgehen und beide, den Reiter und sich selbst, in Lebensgefahr bringen. Diese Rationalisierungen klingen einleuchtend, sind es aber nicht.



Bewußtseinswandel


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Respekt beruht auf Gegenseitigkeit: um zu bekommen, muß man geben. · © 2008
 
» Respekt beruht auf Gegenseitigkeit: um zu bekommen, muß man geben.
Ärger in der Stimme spornt mich nicht an, es ängstigt mich, ich kann dann an nichts anderes denken. Ich möchte einen Führer, der freundlich und geduldig ist. Wenn du zu fordernd, unfair oder schnell verärgert bist, werde ich dir nicht vertrauen. · © 2008
 
» Ärger in der Stimme spornt mich nicht an, es ängstigt mich, ich kann dann an nichts anderes denken. Ich möchte einen Führer, der freundlich und geduldig ist. Wenn du zu fordernd, unfair oder schnell verärgert bist, werde ich dir nicht vertrauen.
Wenn ich nur arbeiten und im Kreis herumrennen muß und keine Freiheit habe, ist es schwer, dich zu lieben. Und manchmal möchte ich einfach nur Pferd sein. · © 2008
 
» Wenn ich nur arbeiten und im Kreis herumrennen muß und keine Freiheit habe, ist es schwer, dich zu lieben. Und manchmal möchte ich einfach nur Pferd sein.
Selbst in den USA spricht sich langsam herum, daß weniger mehr ist. Eine sehr interessante Einführung in dieses veränderte Denken las ich neulich in einer der E-Mails, die ich täglich bekomme. Darin versucht jemand mit allen Mitteln des penetranten amerikanischen Marketing, den Empfänger zum Kauf einer der angebotenen DVDs zu verleiten. Das ist eine Seite. Die andere Seite ist, daß konsequent versucht wird, die Beziehung Mensch-Pferd von beiden Seiten zu betrachten und für beide Parteien erfreulich zu gestalten.

Ein gutes Beispiel dafür ist der angebotene Bildschirmschoner, aus dessen Vorschau ich drei Ansichten herausgegriffen habe. Die darin vermittelten Einsichten sind sehr treffend - daß man für den Bildschirmschoner 15 Dollar bezahlen soll und dieser nicht etwa heruntergeladen werden kann, sondern per Briefpost verschickt werden soll, kann auch nur einem amerikanischen Geschäftemacher einfallen.

Der Absender ist zwar ein Marketingfachmann, aber er hatte wohl schon immer eine Sehnsucht nach Pferden, die nicht gestillt werden konnte, weil seine Familie in der Stadt lebte und seine Mutter befürchtete, daß sie sich um das Pferd würde kümmern müssen. Eines Tages war es soweit, er kaufte sich das erste eigene Pferd. Und nach einer Woche dämmerte ihm, daß er so gut wie nichts über Pferde wußte. Also machte er sich schlau und entwickelte anschließend aus dieser Erfahrung ein Geschäftskonzept für andere Leute in seiner Lage. Er produziert Videos von allen Pferdefachleuten, die ihm geholfen haben (» Horse Training And Horse Care Products).

So weit ist die Sache nicht weiter aufregend. Das Interessante ist die Richtung, die seine Suche nahm. Er hätte sich ja auch von Leuten begeistern lassen können, die hart durchgreifen und die guten alten Methoden propagieren. Dazu zähle ich bekanntlich sogar die Pferdeflüsterer der ersten Generation, die genauso wie die Militärreiter das Pferd als Automaten abrichten wollen. Von einer solchen Haltung ist dieser Amateur meilenweit entfernt, und insofern muß man ihm tatsächlich dankbar sein, daß er seine Einsichten verbreiten möchte und zu diesem Zweck die genannten DVDs produziert und anbietet.

Sein Newsletter beginnt immer mit irgend einem kleinen Aufhänger, der die Aufmerksamkeit erringen soll und die Bereitschaft, weiterzulesen bis zur Kaufaufforderung. Um die Wirkung der Botschaft "Weniger ist mehr" zu steigern, erzählt der Autor beispielsweise, daß er in seiner Jugend in einer Rockband gespielt hat. Und da in einer solchen Band jeder gerne zeigen wollte, was er drauf hat, wurden die Stücke schon bei der Probe schnell komplex und konfus. Aber sie merkten es und lernten, daß weniger mehr ist.

Diese Regel gilt natürlich auch bei der Arbeit mit Pferden, und er macht dies am Beispiel der Zügelführung deutlich. Eine der Trainerinnen, die er ausgegraben hat, ist in einem Punkt unerbittlich: am Zügel darf nicht gezogen werden, niemals. Oder anders ausgedrückt: weniger ziehen, mehr Reaktion.

Es geht um Kommunikation: der Zügel gibt ein Signal, und das Signal kann extrem unscheinbar sein, wenn es nur verstanden wird und die richtige Reaktion zur Folge hat. Wenn man dem Pferd dauernd im Maul hängt, kann man nichts Vernünftiges mehr kommunizieren. Es geht um die Konditionierung des Gehirns, so arbeitet er heraus, nicht um die des Körpers. Wie es seinen Körper zu bewegen hat, weiß das Pferd von ganz allein.

Das betrifft natürlich auch die sexuellen Reaktionen bei Menschen. Wenn man ständig falsche Signale gibt, muß man sich nicht wundern, wenn nichts geht. Die Natur hat es nämlich eigentlich so eingerichtet, daß der Vorgang hundertprozentig und immer einwandfrei funktioniert - sonst wären wir ja nicht mehr hier. Je mehr Hilfsmittel man kauft und je mehr abgefahrene Phantasien man auslebt, desto mehr entfernt man sich von dem, was man eigentlich will. Genau das kann man nämlich nicht erzwingen, und wenn man sich auf den Kopf stellt und mit den Füßen wackelt - so wird das nichts. Aber auch das ist natürlich nichts Neues.

Nun bin ich in dieser Woche wieder nicht dazu gekommen, die angekündigten Fragen zu beantworten, aber ich glaube, es hat sich gelohnt, diesen Abstecher zu unternehmen, auch wenn die behandelten Gegenstände nach wie vor sehr unangenehm sind. Mal sehen, ob ich in der nächsten Woche einen erfreulichen Abschluß finden kann.



Quellen / Verweise


  1. » Paul Schockemöhle
  2.  Schmerz und Lust
  3. » Equus Eroticus
  4. » Pony Girls .US
  5. » Justine's Pony Girl Movie
  6. » Justine
  7. » Marquis de Sade
  8. » 35 harte Fakten über Sex-Filme
  9. » Pony-Farm, unsere Stallungen
  10. » I Can’t Get No Satisfaction
  11. » Rolling Stones
  12. » Satisfaction
  13. » Kommune I
  14. » Dieter Kunzelmann
  15. » Nackte Hintern und Puddingbombe
  16. » Chapter 3. Thump. Thump. Thump.
  17. » Sapphire's Place
  18. » Horse Training And Horse Care Products
  19.  Tu Gutes und rede darüber, Spenden für den guten Zweck - Bexter Hof Open freut sich auf Ihren Besuch
      Ausgabe 479 · Teil 1
  20.  Wo und wie kann ich Gutes tun?, Die Umsetzung des Philanthropie-Konzepts
      Ausgabe 480 · Teil 2
  21.  Spenden sind Glücksbringer, Kontakte, Schicksale, Initiativen und Integration
      Ausgabe 484 · Teil 3
  22.  Heilung und Linderung, Fallgeschichten und Randbedingungen des Pferdeeinsatzes im Gesundheitswesen
      Ausgabe 485 · Teil 4
  23.  Zwang und Gewalt, Springsport, Stierkampf und Bewußtseinswandel
      Ausgabe 486 · Teil 5
  24.  Immer feste druff, Über Gewalt in der Erziehung beim Menschen und beim Tier
      Ausgabe 487 · Teil 6
  25.  Schmerz und Lust, Wie Hilfsmittel aus der Pferdeszene genutzt werden können
      Ausgabe 490 · Teil 7


Abbildungen

  Werner Popken und wie angegeben



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