Etwa zur etwa gleichen Zeit, als Mick Jagger zum ersten Mal die Unfähigkeit zu Befriedigung besungen hat, äußerte sich ein anderer Mann in dieser Hinsicht sehr deutlich. Der heute als "Polit-Clown" verharmloste ehemalige » Kommune I-Gründer » Dieter Kunzelmann wurde seither gern mit dem Spruch zitiert:
Eben. Orgasmusschwierigkeiten sind offenbar ein entsetzliches Problem, für beide Geschlechter. Was stellt man nicht alles an, damit etwas in Gang kommt, was leider nicht erzwungen werden kann und so automatisch, unvermeidlich und natürlich sein sollte wie etwa das Niesen. Kunzelmann versuchte es wie viele andere ersatzweise mit Drogen, aber das bringt es natürlich auch nicht, sondern nur neue, ernsthafte Probleme. Schlimm, sehr schlimm. Manchmal hat man durchaus den Eindruck, es ist die Hölle auf Erden und ihr Name ist Pornographie, ihr Geschäft die Unfähigkeit zur Befriedigung.
Interessanterweise findet sich der Gedanke an die Hölle bei einem der Fachautoren für Ponymädchen-Geschichten. Eins der Ponymädchen wundert sich, ob dies wohl die Hölle ist, und bekommt eine positive Antwort. Daraufhin wundert sie sich wiederum, weil die Hölle ja gemeinhin anders geschildert wird. Das wird schnell erklärt, nämlich erstens damit, daß die Hölle sich natürlich auch wandelt und anpaßt, und zweitens mit dem speziellen Karma dessen, der gestorben ist und dessen Karma mit diesem Szenario abgebüßt wird (» Chapter 3. Thump. Thump. Thump.).
Dieser Autor Xaltatun scheint auch einige Einsichten in die psychologischen Gesetzmäßigkeiten der beteiligten Menschen zu haben; auf eine entsprechende Äußerung in einem Forum reagierte jemand äußerst überrascht, aber interessiert:
| In particular, I liked Xaltatun's comment that "it's quite common for (child abuse victims) to be as uncaring as their abusers." I hadn't considered that before, but I recognize it, now that you point it out.
Insbesondere gefiel mir der Kommentar von Xaltatun, daß "es für Mißbrauchskinder ziemlich typisch ist, daß sie genauso gefühllos sind wie die Täter." Der Gedanke war mir noch nicht gekommen, aber er leuchtet mir unmittelbar ein, nachdem er ihn ausgesprochen hat.
» Sapphire's Place | | |
So gesehen dürfte die Pflege dieser Phantasien die damit zu lindernden Beschwerden nicht auflösen, sondern vielmehr zementieren und keineswegs dazu führen, daß das grundlegende Übel, nämlich die Gefühllosigkeit, beseitigt werden kann. Alle diejenigen, die meinen, ihre Orgasmusschwierigkeiten mit Spielereien und Spielzeug bewältigen zu können, sind vermutlich schwer auf dem Holzweg. Für die einschlägige Industrie kann das nur gut sein, denn solchen Leuten kann man dann immer wieder immer schärfere Mittel verkaufen. Auch eine Art Abhängigkeit und Sucht.
Zurück zu den Pferden: Pferde sind Sachen, wie Sklaven. Sie müssen ihrem Herrn (oder ihrer Herrin) gehorchen, unter allen Umständen. Sie werden erzogen, bestimmte Dinge zu tun und andere Dinge zu unterlassen. Man kann sie kaufen und verkaufen, hätscheln und bestrafen, Gefühle auf sie projizieren und sich an ihnen abreagieren. Insofern dienen sie sogar als Muster für zwischenmenschliche Beziehungen; die Vermutung liegt nahe, daß insbesondere heranwachsende Mädchen ihre Beziehungen zum anderen Geschlecht über den Umweg Pferd entwickeln. Daran ist viel Gutes, aber auch viel Gelegenheit zu Üblem, wie wir gesehen haben, wie jeder vermutlich aus eigener Anschauung weiß.
Alle Menschen, die Schreckliches tun, so darf man annehmen, fühlen sich dabei vollkommen im Recht und gerechtfertigt, moralisch einwandfrei und schuldlos. Das betrifft insbesondere die Menschen, die mit Pferden umgehen oder sie ausbilden; normalerweise haben sie überhaupt kein Problem mit der Redewendung, dem Gaul doch mal zu zeigen, wo der Hammer hängt, einmal ordentlich durchzugreifen, dem Zossen nichts durchgehen zu lassen und was dergleichen Sprüche mehr sind. Reitschüler müssen sich sagen lassen, daß sie sich unbedingt gegenüber dem Pferd durchsetzen müssen, und daß dies nicht ohne Gewaltanwendung geht.
Meistens wird das nicht näher begründet, aber bei Bedarf kann man wie folgt argumentieren: Die Konsequenzen wären andernfalls schrecklich, das Pferd wüßte nicht, wem es sich anvertrauen sollte, müßte für sich selbst entscheiden und würde in diesem Fall selbstredend Verhaltensweisen an den Tag legen, die für Pferde und Reiter unangenehm sind, etwa bei Kleinigkeiten panisch durchgehen und beide, den Reiter und sich selbst, in Lebensgefahr bringen. Diese Rationalisierungen klingen einleuchtend, sind es aber nicht.
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