Leserbrief › 170 24.03.01
Hallo Frau Frevert,
ich lese Ihre Zeitung im Internet schon seit vielen Ausgaben und warte immer schon gespannt auf die neue Ausgabe (wenn mir meine Ponys Zeit lassen zu lesen!).
In der Ausgabe # 104 ging es um Monty Roberts.
Dieser Artikel war sehr gut. Auch ich habe die Bücher von Monty Roberts gelesen und achte ihn als Mensch.
Was mich an der ganzen Sache stutzig macht, ist die Publizity. Aber das macht er nicht nur allein so. Wieviele "Gurus" sind in den letzten 10 Jahren auf uns losgelassen worden? Und alle predigen sie nur das eine: er/sie hilft auf jeden Fall immer der Pferd!
Wo ein Pferd ist, ist auch immer ein Mensch (Besitzer) und dieser hat auch Geld und manchmal (manchmal?) kostet das Wissen des "Gurus" Geld, natürlich Geld fürs Pferd. Der einzige, der dabei immer gut wegkommt, ist der "Guru".
In unserer Zeit muß der Erfolg immer schnell da sein, da liegen alle Gurus voll im Trend! Sich selbst einmal Gedanken machen und selbst recherchieren, warum was und wie bei seinem Pferd aufgetreten ist, das macht Mühe, bedeutet Arbeit und braucht vorallem ZEIT !!! Und die haben wir ja nicht!
Ich denke in erster Linie haben nicht die Pferde die Probleme, sondern die Menschen! Der Mensch hat Probleme (Ängste, ...) und die setzt er in das Pferd um. Das ist natürlich (in dieser Beziehung) schlauer und legt diese Probleme für sich aus. Beispiel: Bin ich als Mensch eher ängstlich, habe kein sicheres Auftreten, (gilt besonders für Frauen. Und die haben ja auch die meisten "Beziehungskistenprobleme" bei ihrem Pferd!), weiß das Pferd schon nach wenigen Begegnungen, mit der (dem) kannst du es machen, die (der) wehrt sich eh nicht.... und schon ist das Problem da.
In diesem Fall wird der Guru dem Pferd schnell klarmachen, du bist Beta und ich Alpha und die Problemgeplagte (Frau) staunt nicht schlecht, weil ihr Pferd ja auf einmal brav und gehorsam sein kann!
Gibt es aber reiterliche (fahrerliche) Probleme,sieht die Sache schon anders aus: Körperlicher Grund, falsche / keine Ausbildung, Überforderung, Verweigerung. Alle diese Dinge können vorliegen, wenn es Probleme gibt. Aber: Lösungen dauern! Und Zeit haben wir nicht. Hier beist sich die Katze in den Schwanz.
Lösungen zu dieser Art Probleme müssen erarbeitet und erdacht werden. Hier ist Flexibilität gefragt und das man selbst auch mal über seinen Schatten (seine eigene vorgefaßte Meinung zu dem Problem) springen muß und auch mal Hilfe von außen annehmen sollte (Vorsicht vor den Gurus!!!!). Auf jeden Fall sollte diese Hilfe gut durchdacht werden und nicht einfach ohne Überdenken angewandt werden!
Mancher mag denken, daß ich vom Thema abgeschwiffen bin. Ich denke nur zum Teil. Denn nicht der kurzfristige Erfolg (im Showring) zählt, sondern vor allem der Weg zum Erfolg. Nicht spektakulär, sondern artgerecht sollte die Ausbildung sein.
Und bitte: Ihr habt auch einen Kopf und der ist (trotz allem) immernoch zum Denken da! Nachdenken, Ruhe bewahren (ich weiß, hört sich leichter an, als es ist) und alles in kleinen Schritten ausprobieren!
Außerdem ist das eigene Nachdenken über die Sache ehrlich gesagt einfach billiger (natürlich billig ist schlecht und teuer ist immer gut). Denkt daran: ein Guru will nicht das Geld des Pferdes (hat nämlich keins!), sondern Eures! (und ihr habt manchmal einfach zuviel davon)
Schönen guten Abend noch. Viel Erfolg weiterhin der Pferdezeitung und ich mußte meine Meinung einmal zu all' den Gurus sagen....
Karin Bröll
|