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Buch-Rezension · Was spricht eigentlich gegen Hufbeschlag?
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Straßer, Hiltrud

Was spricht eigentlich gegen Hufbeschlag?


138 Seiten, 136 Abbildungen, Ringheftung.
Knirsch-Verlag
ISBN 9783927091511


23,-  EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:

Klappentext

Die Autorin beschäftigt sich seit über 20 Jahren als Tierärztin schwerpunktmäßig mit Hufen und deren Zusammenspiel mit dem Gesamtorganismus. Ihre Erkenntnisse wurden in Büchern weltweit publiziert.

In dem vorliegenden Buch wird auf die Diskrepanz zwischen der heutigen Lehrmeinung einerseits und dem dokumentierten Wissen der vergangenen Jahrtausende und den damit übereinstimmenden eigenen Forschungsergebnissen andererseits ausführlich eingegangen.

Ziel des Buches ist es, dem Pferdeliebhaber bei der Vielzahl der veröffentlichten und kontrovers diskutierten Meinungen zum Thema Hufe die Möglichkeit zu geben, seine eigenen Erfahrungen mit den beschriebenen Erkenntnissen zu vergleichen und so herauszufinden, was für oder gegen Hufbeschlag spricht.



» Knirsch-Verlag





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Was spricht eigentlich gegen Hufbeschlag? Diese Frage muß man sich erst einmal stellen! Wir sind so daran gewöhnt, daß Pferde beschlagen sind, daß diese Frage keineswegs selbstverständlich ist. Im Gegenteil: Für die FN gehört das Eisen zum Pferd wie die Sporen zum Reiter. Wenn es ernst wird im Turnierwesen, müssen die Pferde beschlagen sein.

Deswegen hat die FN auch kein Problem damit, den Pferden im Namen des Tierschutzes das Eisen bis in alle Ewigkeit zu verordnen. Dabei liegt es doch auf der Hand, daß Pferde nicht mit Eisen geboren werden und eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich haben, die sie ganz ohne Hufschmied bewältigen konnten. Mehr noch: Es gibt auf einigen Kontinenten größere und kleinere Herden, die ohne Menschen in extrem anspruchsvollen Landschaften zurechtkommen. Wenn irgendwo die Hufe beansprucht werden, dann in den Rocky Mountains oder den Wüsten Afrikas und Australiens.

Gewissermaßen als Beweis dafür, daß auch hierzulande Pferde ohne Hufeisen Höchstleistungen vollbringen können, zeigt das Titelbild schräg unterhalb der Abbildung eines beschlagenen Hufes die Abbildung eines unbeschlagenen Hufes mit einer Beschriftung, die sich um den Huf herumschlingt:

Gesunder Huf nach einem Distanzritt von 176 Kilometer in drei Tagen!

Na und? Möchte man sagen, wenn man sich die obigen Überlegungen vor Augen geführt hat - selbstverständlich brauchen die Pferde keine Hufeisen. Was denn nun - angeblich geht es doch nicht ohne! Die Hufe sollen sich doch auf unseren harten Straßen viel zu schnell abnutzen!

Harte Straßen? Welche Pferde gehen denn auf harten Straßen? Die meisten beschlagenen Pferde gehen in Reithallen, allenfalls auf relativ weichen Feld- und Waldwegen, wenn sie nicht ohnehin den ganzen Tag auf der Wiese stehen. Von Abnutzung kann unter diesen Umständen gar keine Rede sein. Aber irgendwelche Gründe muß es doch geben, daß irgend jemand auf die Idee kam, den Pferden Eisen unter die Hufe zu nagen. Waren das nicht die Römer? Und waren die Römer nicht militärisch überlegen? Haben die Römer möglicherweise ihr Weltreich deshalb erobern und halten können, weil sie ihre Pferde beschlagen haben? Und haben die anderen Völker sich deshalb diese Maßnahme zu eigen gemacht?

Die Autorin hat es nicht leicht. Sie ist, gelinde gesagt, umstritten, man könnte auch sagen: verhaßt. Wieso eigentlich? Die Schwierigkeiten, die sich ihr entgegenstellen, drücken sich auch in der Danksagung aus:

Obwohl die Edition des Buches um zwei Jahre verzögert und ich von deutschen Verlagen enttäuscht wurde, kann ich nun mit freundlicher Hilfe von Familie Spieleder/Igmann meine Arbeit doch noch zum Nutzen für die Pferdehalter und ihre Schützlinge allgemein zugänglich machen.
Seite 4

Was spricht gegen die Autorin? Die » Leserbeurteilung bei Amazon ist eindeutig: vier Rezensionen, viermal fünf Sterne. Alle Leser loben die Klarheit der Darstellung und sind absolut von der Richtigkeit der Thesen überzeugt, und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch.

Das freut mich, denn es entspricht meiner eigenen Erfahrung. Die Bauern in meiner Jugend hatten ihre Pferde beschlagen, das kleine Dorf besaß sogar einen Schmied. So wuchs ich also mit der "Eisenhaltigkeit" der Pferde auf und dachte mir nichts dabei. Als ich ein Pony und eine Warmblutstute für meine Töchter kaufte, waren diese beschlagen. Die Stute allerdings nur vorne, was mich wunderte. Ich merkte, daß ich an dieser Stelle zu wenig wußte.

Also schaute ich mich nach entsprechender Literatur um und erwarb ein Buch von Dr. Hiltrud Straßer. Es überzeugte mich auf Anhieb. Die Eisen mußten runter. Dazu mußte ich mich allerdings mit Schmieden auseinandersetzen, was ich sicherlich nicht hätte bewerkstelligen können, wenn ich nicht fachlichen Rat im Rücken gehabt hätte. Ich war mir sicher, daß die Schmiede im Unrecht waren und konnte deshalb meine Forderung gegen deren Widerstand durchsetzen.

Danach habe ich nie wieder über Hufeisen nachgedacht. Natürlich hatten die Pferde für einen oder zwei Tage ein etwas komisches Gefühl in den Hufen und gingen etwas vorsichtig. Aber das war ja auch nicht verwunderlich und im übrigen im Buch sehr gut erklärt. Leider ist dieses irgendwie verschwunden - jemand wird es ausgeliehen und für so wertvoll befunden haben, daß er es nicht wieder zurückgeben wollte. Inzwischen ist das Buch vergriffen.

Ich bespreche heute nun ein Buch, das unter Schwierigkeiten das Licht der Welt erblickt hat und zur Zeit verfügbar ist. An Ihrer Stelle würde ich es mir besorgen, bevor es zu spät ist. Ein Rezensent bei Amazon schreibt:

Ich hoffe, dass viele Pferdefreunde, Hufschmiede und Tierärzte Bücher von H. Straßer lesen. Jahrzehntelange Misshandlung (aufgrund von Unwissenheit) und Leid von Pferden könnte damit ein Ende haben!
a. a. O.

Wie wahr! Aber Hufschmiede und Tierärzte stecken mit der FN unter einer Decke und betreiben gerade mit Hilfe der Bundesregierung die Verabschiedung eines neuen Gesetzentwurfs, der die Hufschmiede als alleinige Sachwalter der Tierpflege ausweist, soweit es sich um die Hufe handelt:

§ 1
Anwendungsbereich

(1) Die Gesundheit von Huf- und Klauentieren, insbesondere die Leistungsfähigkeit ihres Bewegungsapparates, ist durch einen sach-, fach- und tiergerechten Huf- oder Klauenbeschlag zu erhalten und zu fördern.
(2) Dieses Gesetz gilt nicht für
1. tierärztliche Behandlungen,
2. Verrichtungen, die lediglich die üblichen, alltäglichen Reinigungs- und Pflegearbeiten an Hufen und Klauen zum Gegenstand haben.
 » Entwurf eines Gesetzes über die Reform hufbeschlagrechtlicher Regelungen und zur Änderung tierschutzrechtlicher Vorschriften

Hier haben wir es wieder: Pferde (und anscheinend auch Kühe) können sich ohne einen Beschlag nicht leistungsgerecht bewegen und dabei gesund bleiben - sie bedürfen eines fach- und tiergerechten Beschlags. Was übliche, alltägliche Reinigungs- und Pflegearbeiten sind, darf sich jeder selbst ausdenken.

Es ist im Zusammenhang mit diesem Gesetz die Rede davon gewesen, daß erstens ein Gesetz der Nazis von 1940 der heutigen Zeit angepaßt werden müsse und zweitens die Europäische Union eine entsprechende Anpassung fordere. Nun gut, was die Nazis verbrochen haben, muß schlecht sein, egal um was es sich handelt, und wenn wir jetzt 65 Jahre lang mit diesem Unrechtsgesetz gelebt haben, wird es höchste Zeit, die Dinge zu ändern. Und was die EU befiehlt, müssen wir ja nun ohnehin ausführen, da bleibt uns gar nichts anderes übrig.

So ein Schwachsinn! Als Anmerkung findet sich bezüglich der Europäischen Union folgendes:

Dieses Gesetz dient der Umsetzung folgender Richtlinien:
1. Richtlinie 1999/74/EG des Rates vom 19. Juli 1999 zur Festlegung von Mindestanforderungen zum Schutz von Legehennen (ABl. EG Nr. L 203 S. 53);
2. Richtlinie 2001/93/EG der Kommission vom 9. November 2001 zur Änderung der Richtlinie 91/630/EWG über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen (ABl. EG Nr. L 316 S. 36).
a.a.O., Seite 3

Hier sollen die Pferdehalter anscheinend eingeseift werden. Es wird Zeit, sich sachkundig zu machen und Widerstand zu leisten. Hiltrud Straßer leitet ihr Buch mit einem Zitat ein:

Wer auch immer es gewesen sein mag, der die Hufbeschlagspraxis eingeführt hat - er konnte nicht ahnen, daß er damit die Grundlage für mehr Tierleid legte, als ein Mensch je verursachen könnte, denn es sind in den 12 oder 13 Jahrhunderten seiner Anwendung nicht nur unzähligen Mengen von Pferdefüßen verletzt und geschädigt, sondern auch noch die Pferde für ihre - dadurch bedingten - Gehprobleme bestraft worden.

Bracy Clark in An Essay on the knowledge of the ancients respecting the art of shoeing the horse... 1831
a.a.O., Seite 6


Die Autorin beansprucht also nicht für sich, etwas völlig Neues entdeckt zu haben, im Gegenteil: sie ist anscheinend froh darüber, einen Mitstreiter gefunden zu haben, der allerdings ebenfalls kein Gehör fand. Wie ist das zu erklären? Im Vorwort machte plausibel, daß das Mittelalter, das die Hufeisen erfunden hatte (nicht etwa die Römer), ganz generell sehr merkwürdige Vorstellungen vom Körper hatte, sowohl von Mensch als auch von Tier:

Wie der noch heute übliche Hufbeschlag beweist, diktieren diesbezüglich immer noch mittelalterliche Vorstellungen anstelle moderner, wissenschaftlicher Erkenntnisse das Behandeln der Hufe. Das Ergebnis beklagen alle: ein Reitpferd in Mitteleuropa hat eine statistische Lebenserwartung von knapp 8 Jahren, wobei die Hauptabgangsursache laut Statistik der Pferdelebensversicherer in den Erkrankungen der Gliedmaßen zu suchen ist, gegenüber einer natürlichen Lebenserwartung von 30-40 Jahren im pferdegerechten Biotop.
a.a.O., Seite 7

Um Gottes willen! Stellen Sie sich einmal vor, die Pferde würden alle länger leben! Da würde doch der Markt zusammenbrechen - die Züchter wollen doch ihre Pferde verkaufen, die können doch gar kein Interesse daran haben, daß die Pferde länger leben! Merken Sie etwas? Die FN vertritt die Züchter. Und die Tierärzte? Na die leben doch von den Beschwerden der Pferde. Können die ein Interesse daran haben, daß die Pferde gesund werden? Natürlich nicht. Also muß alles beim alten bleiben.

Und wenn jetzt jemand auf den Plan tritt, der das Übel beim Namen nennt, dann macht sich dieser keine Freunde, das ist doch klar. Was sagen denn die Pferdebesitzer dazu? Nun, soweit sie an kranken Pferden verdienen, müssen wir sie nicht fragen. Sofern sie unter kranken Pferden zu leiden haben, finanziell, emotional, vital, dürften ihnen die Interessen der Züchter und Tierärzte diametral entgegenstehen.

Da die überwältigende Mehrheit der Pferdebesitzer zur letzten Gruppe gehört, müßte es eigentlich in ihrem unmittelbaren Interesse liegen, sich so intensiv wie möglich mit dem Thema zu befassen, nicht zuletzt um den Hufschmieden und Tierärzten, denen sie ausgeliefert sind, Paroli bieten zu können. Allerdings setzt der Kampf für die Belange der Pferde voraus, daß man konsequent ist und sich fragt, was Pferde wirklich brauchen.

Hufbeschlag ist eine Erfindung, die keine Verbesserung der Natur darstellt, sondern für einige Zeit die Mängel in den Haltungs- und Nutzungsbedingungen verdecken kann. [...]

Für Hufbeschlag spricht weder eine wissenschaftliche Begründung noch die gesundheitliche Situation der Pferde. Er erhöht lediglich auf Kosten der Pferdegesundheit die Leistungsfähigkeit der Tiere für kurze Zeit.

Alternativer, anschnallbarer Hufschutz wird für bestimmte Situationen als sinnvoll und brauchbar vorgestellt.
a.a.O., Seite 11, Zusammenfassung

Die Autorin führt eine Fülle von Belegen dafür an, daß Hufeisen erst nach den Kreuzzügen vereinzelt eingesetzt wurden; bis zur allgemeinen Verwendung dauerte es weitere 500 Jahre.

Obwohl - wie gezeigt - über die Geschichte des Hufbeschlages umfangreiche Erkenntnisse von international bedeutenden Historikern vorliegen, wird in den neuen Hufbüchern, die von Hochschullehrern verfaßt wurden, weiter darüber spekuliert. Die angeführten, öffentlich zugänglichen Veröffentlichungen werden in unwissenschaftlicher Weise ignoriert.

Daß sich die Pferdebesitzer nicht selbst darum kümmern, sondern die Hufe den Schmieden überlassen, ist ein Phänomen, das Bracy Clark vor 200 Jahren etwa so formulierte:

"Überhebliche Tyrannei und Geheimnistuerei auf diesem Gebiet konnten die Pferdebesitzer bisher davon abhalten, sich einzumischen bzw. selbst darüber nachzudenken." (in: Some Account of the Circulation)
[...]

Bracy Clark war um 1800 herum Wissenschaftlicher Assistent u.a. am London Veterinary College. Er beschäftigte sich viele Jahre lang eingehend wissenschaftlich mit Pferdehufen und hat u. a. beobachtet, daß ein Hof, der (korrekt) beschlagen wurde, von Jahr zu Jahr enger wird.

Die Forschungsarbeiten über die Füße des Pferdes von Bracy Clark sind so bedeutend und umfangreich, daß eine eigene Edition dafür nötig ist. In diesem Rahmen können nur kurze Zitate daraus vorgestellt werden. [...]

"Das gegenwärtige System zu beschlagen ergibt die Konsequenz, daß eine so große Menge von Pferden ruiniert wird, das sicherlich eine Entdeckung der Ursache - die unbestreitbar ist - von höchster Bedeutung für die Menschen ist, auch wegen dem Leid der Tiere." (1829)
[...]

Er hat u. a. erkannt, daß die enge, längliche Hufform pathologisch ist. Er hat die damaligen Professoren angeprangert, die solche kranken, deformierten Zwanghufe als angeblich normale Hufe darstellen lassen. - Das Problem ist noch heute das gleiche.

1861 ist das "Lehr- und Handbuch der Hufbeschlagskunst" von J. C. Groß in Stuttgart erschienen. In der Einleitung weist der "Lehrer des theoretischen und praktischen Hufbeschlages an der Königlichen Tierarzneischule zu Stuttgart" darauf hin, das Hufbeschlag nicht geeignet ist, die Hufe gesund zu erhalten:

" Ob der Hufbeschlag das Mittel ist, die Hufe gesund zu erhalten, das ist eine Frage, die man füglich verneinen kann; denn die Erfahrung hat gelehrt, daß, je länger das Beschlagen bei einem Pferde angewendet wird, namentlich auch je früher die Thiere beschlagen werden, ein umso nachtheiligerer Einfluß auf die Hufe ausgeübt wird."
[...]
a.a.O., Seite 19-23

Ich finde das hochinteressant und aufregend und herausfordernd: Welcher Pferdebesitzer, dessen Pferde beschlagen sind, kann bei diesen Sätzen ruhig bleiben? Er muß aufspringen, sich das Buch besorgen und sich sachkundig machen! Ich habe ja bisher nur aus den einleitenden Kapiteln zitiert; hier das Inhaltsverzeichnis.

  • Vorwort
  • Zusammenfassung
  • Seit wann gibt es genagelten Hufschutz?
  • Seit Jahrhunderten bekannte Schadwirkungen
  • Frühere Veröffentlichungen über Schadwirkungen
  • Was finden wir in aktuellen Huf-Lehrbüchern oder vergleichbaren Veröffentlichungen?
  • Befunde aus eigener Forschung und Praxis zur Wirkung von Hufbeschlag
    • Hufmechanismus
    • Zwanghufe
    • Lederhautquetschung beim beschlagenen Huf
    • Hufrollenentzündung
    • Hufrehe
    • Stoffwechselstörung
    • Nerventätigkeit in der Hufkapsel
    • Kapselriß und -bruch
    • Erschwertes Abfußen
    • Vibrationen
    • Elektrische Wirksamkeit des Hufbeschlages
    • Temperatur des Hufes
    • Sicherheit auf jedem Untergrund
    • Leistungsbegrenzender Faktor
    • Drehwiderstand
    • Verletzungsgefahr und Unfälle
    • Wegschäden
    • Rentabilität
    • Bedeutung von "Orthopädischem" Beschlag
    • Symptombehandlung
  • Summierung der Schäden durch "korrekten" Hufbeschlag
  • Fehlerhafter Hufbeschlag im Sinne der Hufbeschlagskunst
  • Es geht auch "ohne"
  • Was spricht für Hufbeschlag
  • Alternativer Hufschutz
  • Gedanken zum Schluß
  • Literaturhinweise
Die Autorin beschäftigt sich auch mit der Frage, was für Hufbeschlag spricht. In diesem Zusammenhang zitiert sie das Tierschutzgesetz und qualifiziert Hufeisen als Dopingmittel ein, weil Leistungen ermöglicht werden, obwohl der körperlichen Zustand dafür nicht geeignet ist.

Wenn Distanzreiter den Ehrgeiz haben, auf befestigten Straßen 100 Kilometer zu reiten, dann sind sie für ihr Hobby mit Hufeisen oft gut ausgestattet (sofern deren Qualität noch die Nägel hält und die Hufeisen nicht unterwegs verlorengehen). Das spricht für Hufbeschlag, aber gegen die Vernunft.

Kann man Pferde nicht so einsetzen, wie es ihrer Natur entspricht, so daß man keine schädlichen Hilfsmittel benutzen muß? Es besteht auch die Möglichkeit, Pferdehufe so zu konditionieren, daß sie selbst für diesen Sport genügend Widerstandskraft haben (vgl. Berichte über die Trainingsleistungen der Rennpferde bei den Hethitern u. a.). Allerdings muß man sich dafür der Mühe unterziehen, sich mit der Natur der Pferde vertraut zu machen, anstatt sie wie ein Sportgerät nur zu benutzen und nach Gebrauch abzustellen (was leider vielerorts üblich ist). [...]

Pferdehalter, denen es nichts ausmacht, alle paar Jahre ein neues Pferd zu kaufen und das verbrauchte töten zu lassen, denen es nur darauf ankommt, nach Belieben ein sauberes, bewegungshungriges Reittier zu haben, werden für Hufbeschlag (und Käfighaltung) plädieren. [...]

Spricht nicht für Hufbeschlag, daß die Pferde doch jahrelang freudig mit Hufeisen laufen? Nein! Wegen der blutabschnürenden Wirkung des Hufeisens bei Ausschaltung des Hufmechanismus haben die Tiere kein Gefühl.

Der Hufbeschlag schaltet so den Huf als leistungsbegrenzenden Faktor für den unnatürlichen, aber von Menschen verlangten Leistungspferdesport aus. Das ist es, was (für ehrgeizige Menschen) für Hufeisen spricht: die Hufe melden nicht, "es ist zu glatt für so enge, schnelle Kurven" (Ausrutschen), oder "die Anstrengung auf dem harten Boden ist jetzt zu viel" (Abnutzung). Damit werden auch die Sehnen und Gelenke überlastet, die nicht sofort pathologischen Veränderungen zeigen, sondern erst nach einer gewissen Zeit der Überlastung.

Man kann die Hufe auch als Sicherungen verstehen: wenn sie nichts melden, kann man die Überlastschäden erst bemerken, wenn es irgendwo im Haus brennt.
a.a.O., Seite 117

Xenophon, nach dem sich jüngst ein "Verein gegen die Irrwege des Reitsports" benannt hat (» Zurück zum Pferd), hat bereits umfassend und vollkommen beschrieben, wie man Pferde behandelt:

"[...] Damit sie nicht feucht sind, soll man die Stände am besten etwas abgeschrägt anlegen, und um die Glätte zu vermeiden, sollte man den Boden mit Steinen in der Größe der Hufe pflastern, denn ein solcher Steinfußboden festigt die Hufe der daraufstehenden Pferde. [...] Auch dieser Platz vor dem Stall wird am besten eingerichtet sein und die Füße stark machen, wenn man 4 oder 5 Wagen voll runder, faustgroßer, ungefähr ein Pfund schwerer Kieselsteine hinschüttet und mit Eisenkanten einfaßt, damit sie nicht zerstreut werden. Denn wenn das Pferd auf diesen steht, wird es gleichsam auf einem steinigen Wege immer einen Teil des Tages gehen. [...] Auch wird auf den so hin geschütteten Kieselsteinen der Strahl der Hufe hart und fest."

Es ist also von Hartmachen der Hufe die Rede, nicht aber von Hufschutz oder gar Hufbeschlag.
a.a.O., Seite 12/13

Die Befunde sind eindeutig und erdrückend - die Autorin sichert sich in jeder Hinsicht ab, sichtet die Literatur und belegt mit Bildern und Grafiken. Es ist an uns, und sachkundig zu machen oder die Augen zu verschließen. Dieses Buch ist sicher erst der Anfang - man wird die anderen Bücher ebenfalls lesen, das Seminar besuchen wollen, man wird einen Hufpfleger haben müssen, der einen unterstützt, wenn man nicht sein eigener Hufpfleger sein will. Sie sind also gewarnt - aber umgekehrt wissen Sie jetzt auch, was es bedeutet, wenn Sie Ihr Pferd beschlagen lassen.


erschienen 08.01.06




Siehe auch die folgenden Rezensionen:
Ausgabe 355, Straßer, Hiltrud:  Pferdehufe ganzheitlich behandeln, Gesunde Hufe am gesunden Pferd
Ausgabe 358, Straßer, Hiltrud:  Hufrehe (Laminitis), Erscheinungsformen, Ursachen und Behandlung
Ausgabe 360, Straßer, Hiltrud / Cook, Robert:  Eisen im Pferdemaul
Ausgabe 361, Straßer, Hiltrud / strasser equine management:  optimum hoofcare - the basic trim




Straßer, Hiltrud

Was spricht eigentlich gegen Hufbeschlag?


138 Seiten, 136 Abbildungen, Ringheftung.
Knirsch-Verlag
ISBN 9783927091511


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