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Buch-Rezension · Samenübertragung beim Pferd
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Klug, Erich / Sierne, Harald

Samenübertragung beim Pferd
in Theorie und Praxis

Gebunden 148 S. m. zahlr. z. Tl. farb. Abb. 25 cm 465g
Alfeld, 2003, 5., überarb. Aufl. · Schaper Verlag
ISBN 9783794402021


38,-  EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:

Die anatomischen Grundlagen und die physiologischen Abläufe der Fortpflanzungsvorgänge bei Hengst und Stute nehmen breiten Raum ein, wobei auf eine allgemeinverständliche Darstellungsweise geachtet wurde. Die bewährten Prinzipien der Samenübertragung sind wie bisher eindringlich vorgetragen und die technischen Abläufe auf den neuesten Stand gebracht. Es wurde ein Kapitel über die frühe Erfolgskontrolle der Samenübertragung und der klinischen Diagnostik der Frühstadien der Leibesfrucht eingefügt. Neu aufgenommen wurde die Handhabung der Samengefrierkonservierung, die künftig wieder breitere Anwendung finden dürfte. Ebenso wird auf die derzeit aktuelle Technik der tiefintrauterinen, eileitermündungsnahen Insemination mit reduzierter Spermienzahl eingegangen.




» Schaper Verlag





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Der Verlag M. & H. Schaper in Alfeld - Hannover ist ein sogenannter Fachverlag, der sich nicht an die allgemeine Öffentlichkeit wendet, sondern an Fachleute. Neben Büchern und Anschauungsmaterial gibt der Verlag auch Zeitschriften heraus. Die Veterinärmedizin ist ein Schwerpunkt des Verlags, und innerhalb dieses Schwerpunkt gibt es wiederum die Unterabteilung "Fortpflanzung, Tierzucht" - hier findet sich unser Buch.

Ich beschreibe diesen Weg hier, denn es war nicht ganz einfach zu finden; die Suchmaschine des Verlags versagte, und auch Google war nicht in der Lage, Auskunft zu geben. Das Buch ist selbstverständlich lieferbar, über Google habe ich es zum Beispiel bei Libri gefunden, aber ich wollte natürlich wissen, was der Verlag dazu sagt. Einen Rückentext gibt es nämlich nicht. Weder Amazon noch Libri haben sich die Mühe gemacht, die Verlagsinformationen einzuholen. Amazon kennt das Buch nicht unter "Sieme", denn als Autor wird dort ausschließlich "Klug" genannt.

Das Impressum klärt uns über die Autoren auf:

Erich Klug
Prof. Dr. med. vet., Dr. med. habil.
Fachtierarzt für Reproduktionsmedizin
Univ.-Professor für die Fachgebiete Andrologie, Gynäkologie, Geburtshilfe und Neonatalogie des Pferdes an der Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Harald Sieme
Dr. med. vet.
Fachtierarzt für Reproduktionsmedizin
Niedersächsische Landgestüt Celle

Die Autoren sind also vermutlich die größten Kapazitäten im Lande, der eine als Hochschullehrer, der andere als Praktiker. Da das Buch bereits in der fünften Auflage vorliegt, kann man von der Praxistauglichkeit ausgehen. Vermutlich wird dieses Buch als Lehrbuch bei der Ausbildung der Besamungstechniker genutzt und vorausgesetzt.

Dem Inhaltsverzeichnis gegenüber findet sich die Reproduktion eines Artikels und einer Zeichnung aus der Zeitschrift für Veterinärkunde des Jahres 1898. Die Zeichnung zeigt einen Beduinen, der unter gleißender Sonne einen Beutel auf dem Rücken trägt, aus dem ein Pferdekopf herausschaut, der seinerseits eine überdimensionierte Spritze mit einer ganz langen Kanüle im Maul trägt.

In einem Artikel über künstliche Befruchtung der Stuten schreibt H e a p e im "Veterinarian" (Nr. 520) über einige neuere Versuche, wobei er, um das hohe Alter der künstlichen Befruchtung dazuthun, eine alte arabische Erzählung anführt.

Diese stammt aus einem im Jahre 700 nach der Flucht des Propheten geschriebenen Buche und berichtet, daß ein Araber aus Darfur, Besitzer einer werthvollen, gerade in der Brunst befindlichen Stute, einen Wattebausch mit dem Scheidensekret tränkte und sich nun heimlich an einen werthvollen Hengst heranschlich, der einem benachbarten feindlichen Stamme angehörte und dessen Dienste er sich gern für seine Stute versichert hätte. Nachdem er den Hengst durch das mitgebrachte Material genügend aufgeregt und Samenflüssigkeit erlangt hatte, eilte er zu seiner Stute, welche er in einiger Entfernung hatte zurücklassen müssen, stopfte den Wattebausch in die Scheide und gelangte so zu dem gewünschten Fohlen. Ein naheliegender Einwurf gegen die Wahrheit dieser Erzählung ist die, daß eine immerhin beträchtliche Zeit zwischen der Samenergießung und der Einführung der Watte in die Scheide lag, und daß die Samenfäden inzwischen ihre Lebensfähigkeit einbüßen konnten. Der Araber scheint auch an eine derartige Gefahr gedacht zu haben, denn der Bericht giebt an, daß er sich vorsorglich mit einem dichtschließenden Beutel für den Transport des kostbaren Gutes versehen habe.

Donnerwetter! So einfach geht das? Immerhin setzt die Geschichte voraus, daß die wesentlichen Zusammenhänge zu diesem Zeitpunkt schon bekannt waren, denn sonst hätte der Schlauberger ja gar nicht auf die geniale Idee kommen können. Wie lange Samenfäden einen Transport überstehen können, scheint vor 100 Jahren aber noch nicht bekannt gewesen zu sein. Außerdem hatte man wohl Grund genug, die Glaubhaftigkeit anzuzweifeln, da die Angelegenheit so einfach denn wohl doch nicht ist.

Das Vorwort zur ersten Auflage aus dem Januar 1986 macht klar, daß dieses Buch als Lehrgangsbegleiter für den auszubildenden Besamungswart für Pferde gedacht ist. Diesen Beruf gibt es also nun schon mindestens zwanzig Jahre. In der ersten Auflage handelt es sich wohl mehr um eine Broschüre, die von Erich Klug im Alleingang geschrieben wurde. Es beschränkte sich auf die Frischsamenübertragung; die Tiefgefriersamenübertragung sollte einer späteren Veröffentlichung vorbehalten bleiben.

Zur fünften, jetzt vorliegenden Auflage aus dem Jahre 2003, wurde ein neues Vorwort von beiden Autoren aufgenommen. Aus der Broschüre ist inzwischen ein gestandenes Buch geworden. Die Besamung beim Pferd war inzwischen "selbstverständliche Zuchtpraxis geworden".

Einleitend werden die nationalen und innereuropäischen gesetzlichen Grundlagen der Samenübertragung dargestellt. Die schien besonders wichtig, da gerade auf diesem Gebiet doch sehr oft Unklarheit herrscht, die im praktischen Ablauf des Samenverkehrs zu Unzulänglichkeiten führt.

Die anatomischen Grundlagen und die physiologischen Abläufe der Fortpflanzungsvorgänge bei Hengst und Stute nehmen nunmehr etwas breiteren Raum ein, wobei auf eine allgemeinverständliche Darstellungsweise geachtet wurde. Die bewährten Prinzipien der Samenübertragung sind wie bisher eindringlich vorgetragen und die technischen Abläufe auf den neuesten Stand gebracht. Es wurde ein Kapitel über die frühe Erfolgskontrolle der Samenübertragung und der klinischen Diagnostik der Frühstadien der Leibesfrucht eingefügt.

Neu aufgenommen wurde die Handhabung der Samengefrierkonservierung, die künftig wieder breitere Anwendung finden dürfte.

Ebenso wird auf die derzeit aktuelle Technik der intrauterinen, eileitermündungsnahen Insemination mit reduzierter Spermienzahl eingegangen.

Merke: Es geht um Kommerz. Wenn man mit weniger Samen mehr Fohlen bekommen kann, wird mehr Umsatz gemacht. Und davon leben Züchter, Besamungstechniker und Fachtierärzte für Reproduktionsmedizin.

Aus den Jahresberichten der FN ist ganz klar abzulesen, daß die Anzahl der künstlichen Besamungen die der Natursprünge Anfang der neunziger Jahre, also bereits kurz nach Erscheinen der ersten Auflage, überschritten hat, wobei inzwischen das Verhältnis 1:3 oder schlechter sein dürfte. In den Ausgaben  Reproduktionstechnik,  Das Phantom,  Die Ware Pferd,  Pferde- und Menschenzucht,  Eugenik - Gute Zucht habe ich mich ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und gezeigt, daß wir uns alle damit auseinandersetzen müssen, weil die technischen Fortschritte nicht nur die Pferdezucht erheblich beeinflussen und weiterhin verändern werden.

Das Buch erfüllt seine Ansprüche vorzüglich. Als Laie habe ich an keiner Stelle Verständnisschwierigkeiten gehabt. Vielleicht habe ich davon profitiert, daß ich bereits ein Video über die Thematik gesehen habe. Im Video wurde der Phantomsprung vorgeführt, im Buch werden sämtliche Verfahren vorgestellt und die Samengewinnung mit einem vorgetäuschten Natursprung in einer Fotosequenz nachvollziehbar vorgeführt.

So einfach, wie die Araber-Geschichte es darstellt, ist es offensichtlich nicht. Selbst bei Einsatz eines Phantoms ist die Gegenwart einer rossigen Stute unverzichtbar. An diese werden inzwischen ebenfalls höchste Ansprüche hinsichtlich des gesundheitlichen Zustands gestellt, so daß die Besamungsstationen inzwischen nicht mehr allzu viel Auswahl zu haben scheinen. Deshalb geht man dazu über, die Rosse der Stuten mit Medikamenten zu beeinflussen, also zu beschleunigen und zu verlängern.

Im Ausland werden dazu Östrogene eingesetzt, die jedoch langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen können und hierzulande nicht zugelassen sind. Allgemein empfiehlt man wegen der gesundheitlichen Belastungen, dazu kastrierte Stuten einzusetzen. Wunderbar! Alles manipuliert, alles optimiert, alles reglementiert.

Wer immer sich mit Pferdezucht und Besamung beschäftigt - insbesondere in der Warmblutzucht wird man dem Thema nicht mehr ausweichen können - sollte dieses Buch gelesen haben. Zu Risiken und Nebenwirkungen: Wegen der offensichtlichen Nähe des Themas zur eigenen Person sollte man über robuste Umschaltmechanismen verfügen, falls man beabsichtigt, sich nach der Lektüre irgendwann einmal geschlechtlich betätigen zu wollen. Aber das ist für Züchter und medizinisch tätige Personen vermutlich nichts Neues. Die sind wahrscheinlich ohnehin vollkommen abgebrüht und durch nichts zu erschüttern. Alle anderen Leser seien hiermit gewarnt.


erschienen 30.07.06




Klug, Erich / Sierne, Harald

Samenübertragung beim Pferd
in Theorie und Praxis

Gebunden 148 S. m. zahlr. z. Tl. farb. Abb. 25 cm 465g
Alfeld, 2003, 5., überarb. Aufl. · Schaper Verlag
ISBN 9783794402021


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