
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Die Herausgeberin Birgit Schröder hat sich privat für den Tierschutz engagiert: › www.dogs4life.de. Auch dieses umfangreiche Buch ist von ihr privat herausgebracht worden, denn sie hat eigens dafür einen Verlag gegründet und persönliche Risiken auf sich genommen.
Im Vorwort erklärt sie, warum das Thema inzwischen an Aktualität gewonnen hat. Das Internet ist schuld. Das Internet ist eine wunderbare Einrichtung, die wie alle technischen Errungenschaften, angefangen vom steinzeitlichen Faustkeil, sowohl für Gutes als auch für Böses benutzt werden kann. Bekannt ist, daß um 1995 die Wirtschaft das Internet für sich entdeckt hat, die einzigen Gewinne für viele Jahre hindurch jedoch allein von der Sexindustrie eingefahren wurden.
Über Einzelheiten weiß man freilich wenig. Vermutlich wird man auch mit dem Thema "Sex mit Tieren" gut verdienen können, denn es gibt eine spezielle Ausrichtung der Pornoindustrie, die diesen Markt bedient. Daneben dient das Internet natürlich auch privaten Sex-Kontakten und der politischen Arbeit, denn alle Gruppen, deren Interessen und Neigungen "etwas anders" sind, möchten anerkannt und ernstgenommen werden.
Dieser "Informationsarbeit" möchte man mit Gegenaufklärung begegnen. Das vorliegende Buch ist ein erster umfangreicher Ansatz. Es bringt 31 Aufsätze anerkannter Fachleute und betroffener Tierbesitzer, die in sechs Teilen gegliedert sind:
- Analytische Perspektiven
- Engagierte Tierärzte
- Kriminalpolizeiliche Studien und Präventionsvorschläge
- Alles was Recht ist
- Betroffene berichten
- Tierpornographie
Der erste Beitrag des amerikanischen Autors Brian Jory ist betitelt "Was ich über Sodomie & Zoophilie weist: Mehr als ich möchte und weniger als ich sollte". Der Titel kann als Warnung gelten. Vielleicht möchten Sie gar nicht so viel über dieses Thema wissen. Ich jedenfalls wollte nicht so viel darüber wissen und habe mich auf diese Besprechung eingelassen, weil das Buch sicher wichtig ist, aber ich mußte feststellen, daß es mich mehr belastete, als ich vertreten konnte.
Der Titel dieses Buches weist schon darauf hin: Mit diesem Thema möchte man sich nicht gerne befassen. Insofern hat das Buch keinen Markt. Es gibt aber das Phänomen, das dort behandelt wird, also auch Betroffene. Und die brauchen Hilfe. Für die ist dieses Buch Gold wert. Es gibt natürlich auch viele Leute, die sich engagiert für den Tierschutz einsetzen und nicht vor Abgründen zurückschrecken - auch für diese Zielgruppe ist das Buch wichtig.
Wer sonst sollte das Buch lesen? Es geht nicht nur um den Geschlechtsverkehr selbst, sondern auch um Gewalt, die mehr oder weniger sexuell motiviert sein kann. Stichwort: Pferderipper. Im Moment ist es relativ ruhig um den Pferderipper:
| Seit 1999 fahndet die "Ermittlungsgruppe Pferd" (EG Pferd) des LKA NI nach dem "Pferderipper". Der noch unbekannte Täter tötete bei bisher 50 Taten über 100 Pferde mit Stich- und Schusswaffen. Bis ins Jahr 1993 lässt sich die Straftatenserie in Norddeutschland zurückverfolgen. Die Tatorte mit Schwerpunkt in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt liegen im Städteviereck Bremen-Hamburg-Schwerin-Hannover, in Einzelfällen aber auch in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Die zur Ergreifung des Täters ausgesetzte Belohnung beträgt seit 2004 (nach Erhöhung durch private Geldgeber) rund 120.000 Euro. » Ermittlungsgruppe Pferd | | |
Der Pferderipper stellt sicher ein Extrem dar und wird in diesem Buch auch gebührend behandelt. In diesem Zusammenhang ist interessant, daß die Berichterstattung in den Medien regelmäßig Nachahmer zu ähnlichen Taten verleitet hat (Seite 143 ff.). Wenn also in den Medien wieder einmal davon die Rede ist, sollten Pferdehalter aufmerksam werden und besonders wachsam sein. Vielleicht treibt sich ein Nachahmer in der Nähe herum.
Hans Glindemann, Züchter und Kriminalhauptkommissar, hat mit seinem Aufsatz "Sicherheitskonzepte in der Pferdehaltung" zusammengefaßt, was er zusammen mit Alexandra Schedel-Stupperich unter dem Titel » So schütze ich mein Pferd. Handbuch für Pferdebesitzer. ausführlich dargestellt hat (Seite 148 ff.).
"Sexueller Mißbrauch an Tieren" ist aber kein Buch, das sich nun speziell um den Mißbrauch von Pferden kümmert. Anscheinend kann man so gut wie jedes Tier sexuell mißbrauchen. Die Berichte Betroffener lassen nachvollziehen, wie das im einzelnen aussehen mag, auch im Fall von Pferden. Sollten Sie sich über unerklärliche Verhaltensweisen Ihrer Pferde wundern, wäre die Lektüre dieses Buches möglicherweise anzuraten, weil Sie dadurch vielleicht wertvolle Hinweise gewinnen könnten, die die Ursachen der Verhaltensänderungen aufklären könnten, und vor allen Dingen: Wie Sie sich dann verhalten sollten (Seite 176 ff).
Das Thema ist natürlich schwer gegenüber anderem sexuellen Mißbrauch abzugrenzen. Deshalb gibt es auch Überschneidungen mit Mißbrauch von Kindern und Kinderpornographie. Der letzte Beitrag "Tierpornographie" untersucht die Möglichkeiten des Internet, die schließlich auch unseren Kindern offenstehen. Eine dänische Organisation war der Ansicht, daß Kinder früher oder später über das Internet ohnehin mit allen Abgründen menschlichen Tuns in Kontakt kommen, und daß es daher sinnvoll und angebracht sei, die Schüler rechtzeitig aufzuklären, unter anderem auch über Sodomie.
Zwar wurde die angefertigte CD zwei Tage vor der geplanten Einführung durch das Ministerium verboten und vernichtet; 400.000 Kopien sind jedoch über das Internet heruntergeladen worden, unter anderem natürlich von den Autoren dieses Artikels. Darin stellt unter anderem eine 20jährige Frau die Frage, ob sie durch Vaginalverkehr mit ihrem Labradorrüden krank oder schwanger werden könne.
| Der Verkehr mit ihrem Hund wird als zufällig dargestellt: Eines Tages entdeckte ich den erigierten Penis, und es gelang mir, Sex zu haben. Das Risiko der Schwangerschaft wird verneint; dann wird auf die Gefahr von Krankheitserregern hingewiesen, die im Falle auftretender Beschwerden eine Konsultation beim Arzt notwendig machen. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß es illegal ist, ein Tier zu überanstrengen. Weil es sehr schwer sei, eine Überanstrengung beim Hund zu erkennen, wird ihr empfohlen, ihn zukünftig in Ruhe zu lassen. In der Schlußbemerkung hören die Schüler, daß es keine Statistiken darüber gibt, wie viele Menschen "Sex mit Tieren" haben, aber daß Tierpornographie sich im Pornoläden gut verkauft. a.a.O., Seite 316 | | |
So geht das also mit Frauen und Hunden. Im allgemeinen sind die Täter aber wohl männlichen Geschlechts, denn es geht meistens um Penetration. Dabei können dann wohl auch leichter Verletzungen bei den Tieren auftreten, wodurch der Sachverhalt von Tierärzten festgestellt werden kann (Seite 127 ff.). Damit ergibt sich die Chance, den Mißbrauch strafrechtlich zu verfolgen, weil das Tier ja nachweislich verletzt und gequält worden ist.
Sollte das nicht der Fall sein, wie bei der dänischen Frau, der ja bescheinigt wurde, daß eine Überanstrengung des Hundes kaum festzustellen ist, ergibt sich rechtlich keinerlei Handhabe. Dies ist ein Buch von Tierschützern, d. h. sie unterstellen von vornherein, daß jegliche sexuelle Handlung an und mit Tieren für das Tier unwürdig und mit Leid verbunden ist. In diesem Sinne hält Piere Beirne, Professor für Kriminologie an der Universität Southern Maine, USA, auch die Methoden der künstlichen Besamung sowohl für den Hengst als auch für die Stute konsequenterweise für unzulässig (Seite 66 ff). Generell wird unterstellt, daß ein Mißbrauch vorliegt, möglicherweise mit Gewaltanwendung oder auch nicht.
Es ist ein besonderes Anliegen des Buches, eine Gesetzesänderung herbeizuführen (Seite 165 ff.). Seit 1969 sind geschlechtliche Handlungen mit Tieren nicht mehr strafbar. Die Motivation des Gesetzgebers mag damals durchaus ehrenwert gewesen sein; angesichts der Wirkungen der neuen Informationsfreiheit durch das Internet kommen aber immer mehr Menschen zu dem Schluß, daß es sich um einen Fehler behandelt hat. Konkret soll das Gesetz geändert werden, um die Tiere zu schützen, die sich ja nicht wehren können und Fürsprecher brauchen.
Ob sich dadurch in der Praxis wesentliche Änderungen ergeben werden, ist eine andere Frage. Denn niemand weiß, was hinter den verschlossenen Türen der Tierbesitzer passiert. Lediglich in den Fällen, wo Täter sich an fremden Tieren vergreifen oder ihre Handlungen entdeckt werden, könnte durch eine Änderung des Strafrechts eingegriffen werden. Ob man die Verbreitung entsprechenden Materials im Internet verbieten und ahnden kann, ist eine andere Frage.
Ebenfalls offen ist, wie und unter welchen Umständen die Strafbarkeit bemessen sein soll. Einig sind sich sicherlich alle, daß körperliche Verletzungen nicht statthaft sind. Desweiteren wird man negative Verhaltensänderungen der Tiere als Indizien für Tierleid werden müssen. Die Frage ist dann lediglich, ob man die Ursachen eindeutig benennen kann. Soll man aber die junge Frau mit ihrem Labrador bestrafen? Wofür? Kann man davon reden, daß der Rüde vergewaltigt wird, daß ihm Zwang angetan wird, daß er leidet? Das Buch heißt schließlich "Verschwiegenes TierLeid". Vermutlich kann man einen Hund nicht dazu zwingen, diese Handlungen auszuführen. Wie will man sein Leiden feststellen?
Ich habe noch nie beobachtet, daß ein Hundebesitzer sich sexuell an seinem Hund zu schaffen gemacht hätte; umgekehrt ist es jedoch nicht selten, daß ein Hund sich sexuell an seinem Besitzer zu schaffen macht. Könnte es sein, daß Hunde unter der vom Menschen erzwungenen sexuellen Enthaltsamkeit leiden? Könnte es sein, daß Frauchen und Rüde oder Herrchen und Hündin sich gegenseitig einen Gefallen tun?
Es gibt also noch eine Menge offene Fragen, die sicherlich im Laufe der Zeit beantwortet werden. Schade nur, daß diese Fragen im Buch nicht gestellt werden. Man tut dem Buch sicher nicht unrecht, wenn man es einseitig und parteiisch nennt. Es ist auf jeden Fall eine Pionierleistung und gehört in jede einschlägige Bibliothek. Hoffentlich müssen Sie sich nicht eines Tages aus gegebenem Anlaß mit diesem Thema beschäftigen. Sollten Sie das schon vorsorglich in Betracht ziehen, hier noch einmal meine Warnung: Das Thema ist unerfreulich.
erschienen 12.11.06
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