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Copyright wie angegeben
Amor, Gelderländer Typ (Sgldt)
© Yvonne Henderson (YenM Design)

    Gelderländer und Groninger   
    Die Sterne hinter den "Niederländischen Pferden"   
von   Guy Vanstraelen, PhD

Teil 1:  Liebesverhältnis der besonderen Art
Teil 2:  Sprich mit deinem Pferd!
Teil 3:  Huch, Mietzekatze im Futter!
Teil 4:  Wie das Quieken von Schweinen
Teil 5:  Wir gehen zur Spielwiese
Teil 6:  Riechen und Schmecken


Wenn man den Begriff "Niederländische Pferde" hört, denkt jeder sofort an die Niederländischen Warmblüter, auch als KWPN bekannt. Dieser Oberbegriff ist jedoch zu ungenau, insbesondere wollen wir uns mit den beiden Rassen beschäftigen, die die Grundlage für die gegenwärtige KWPN darstellen und jetzt am Rande der Ausrottung stehen.

Diese beiden Rassen sind das Gelderländer und das Groninger Pferd. Die Bedeutung dieser beiden Rassen für die moderne KWPN-Zucht wird ganz deutlich, wenn man die Abstammung der international erfolgreichen KWPN-Springpferde oder Dressurpferde untersucht. Viele von diesen führen mehr als 50% Gelderländer oder Groninger Blut.

In diesem Artikel schauen uns den Einfluß dieser beiden Rassen auf die Niederländische Sportpferdpopulation an, ohne allzu tief in die Pedigrees einzudringen.

Niederländische Pferde: die Geschichte

In den Niederlanden begann man am Beginn des letzten Jahrhunderts, Stutbücher zu führen. Anfänglich waren dies je eins für die Provinzen Groningen (GrPS), Friesland (FrPS) und Drente (DrPS), die im Jahre 1942 zusammengeführt wurden zum NWP, sowie ein Stutbuch für die restlichen acht Provinzen der Niederlande, das NSTg, welches seinerseits aus mehreren kleineren Stutbüchern hervorging, unter anderem dem GPS oder Gelderlander Paarden Stamboek.

Bis 1920 war das Zuchtziel vergleichbar mit dem der Oldenburger in Deutschland, nämlich ein leichtes Kutschpferd, das für die Arbeit auf dem Acker geeignet war, darüber hinaus aber auch als elegantes Wagenpferd für die niederländische Artillerie und für sonstige Zugdienste verwendet werden konnte. Dieser Pferdetyp kann am besten verdeutlicht werden durch die Stute Bareltina, die reinblütiger Groninger Abstammung ist.

1925 hat die NSTg ihr Zuchtziel in Richtung auf ein schweres warmblütiges Arbeitspferd geändert, und zwar in Übereinstimmung mit der Zuchtstrategie in Groningen. Ein gutes Beispiel ist der Hengst Kambius, der seinerseits vom schweren Oldenburger Hengst Gambo abstammt.



Spaltung


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Einige Züchter wollten diese Wendung nicht mitmachen und stattdessen das leichte Kutschpferd weiterzüchten. Sie spalteten sich ab und begannen ein neues Zuchtbuch, welches wiederum GPS genannt wurde. Damit entstand ein starker Wettbewerb zwischen NSTg und GPS.

Neben eigenem Zuchtmaterial setzten NWP/NSTg Oldenburger und ostfriesische Stuten und Hengste ein. Im Jahre 1939 einigten sich NSTg und GPS und gründeten ein neues Stutbuch, das VLN, das seinerseits zwei Abteilungen hatte, eine für den Gelderländer Typ (Sgldt), die andere für die früheren NSTg-Züchter, die nach den Richtlinien des Groninger Stutbuchs arbeiteten (Sgrt).

Neu registrierte Stuten 1957
VLN Sgldt 738
VLN Sgrt 616
NWP 841
Gesamt 2195, 1/3 Gelderländer, 2/3 Groninger



Diese beiden Gruppen unterschieden sich in der Betonung der Stabilität der Pferde, was sich natürlich auf die eingesetzten Blutlinien zurückführen läßt. Die Groninger Züchter setzten fremde Blutlinien ausschließlich aus Oldenburg ein, die Gelderländer akzeptierten hingegen auch andere, zum Beispiel Selle Francais und Anglo-Normannen.

Man kann die Gründe für zwei Zuchtrichtungen für Arbeitspferde besser verstehen, wenn man sich die Böden anschaut, auf denen die Pferde zu arbeiten hatten. Die Groninger Gegend ist gekennzeichnet durch schweren Lehmboden, der schwerere, stärkere Pferde erfordert, während andere Gegenden eher sandige Böden haben, die von leichteren Pferden gut bewältigt werden können.

Diese leichter gebauten Pferde findet man sowohl in den früheren Gelderländer als auch den Groninger Zuchten. Mit der Zeit hat sich der Unterschied zwischen den beiden Pferdetypen langsam verwischt, unter anderem auch deshalb, weil die Gelderländer alle Groninger Hengste akzeptiert haben.

Alle Pferde wurden im Hinblick auf Verwendbarkeit gezogen, und zwar von der Jugend bis zum hohen Alter, Gesundheit spielt eine große Rolle, leichte Haltung und ein guter, arbeitswilliger Charakter.

Die sehr strenge Auswahl begann bereits im Alter von drei Jahren, sobald die Pferde für die Arbeit in der Landwirtschaft bereit waren.

Ein wichtiger Hengst für das niederländische Zuchtprogramm war der Holsteiner Cicero II (1900), der von der NWP den Status "Präferent" erhielt, und der seinerseits den Hengst Cicero III zeugte, Vater des Hengstes Domburg.

Notiz
Der bezüglich der Gelderländer kenntnisreichste Autor des letzten Jahrhunderts, E. van Muilwijk, schrieb 1934 über Domburg: "Diese Blutlinie wird noch lange Zeit geschätzt werden, solange es einen Bedarf für landwirtschaftliche Reitpferde gibt und solange unser geliebtes Land Pferde nutzt, die von Bauern in Tagen der Mobilisierung oder des Krieges gezogen werden." [1]


Domburg wurde später mit dem Hengst Ebert, der Groninger Abstammung ist, und dem ostfriesischen Hengst Colonel die Grundlage des zukünftigen Gelderländer Zuchtprogramms, das sich damals noch in der Entwicklung befand.

Notiz
E. van Muilwijk beschrieb Ebert als "Er ist durch und durch Eleganz, und sein Trab an der Hand ist erhaben, ist ideal! Seine Beine sind hart und trocken, und sie bleiben hart und trocken, sogar nach harter Arbeit." [1]

Ebert ist der Groß-Großvater des Hengstes Oregon, den man ebenfalls in vielen KWPN-Blutlinien findet.





Teil 1:  Liebesverhältnis der besonderen Art
Teil 2:  Sprich mit deinem Pferd!
Teil 3:  Huch, Mietzekatze im Futter!
Teil 4:  Wie das Quieken von Schweinen
Teil 5:  Wir gehen zur Spielwiese
Teil 6:  Riechen und Schmecken

Entwicklung zum Reitpferd


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Copyright wie angegeben
Amor ist ein Gelderländer Hengst, im Alter von 3 Jahren von der Sgldt aus Holstein importiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Faktoren die Arbeit der Pferde in der Landwirtschaft, und gleichzeitig entwickelte sich der Pferdesport sehr stark. Deshalb wurden Reitpferdeigenschaften immer mehr gewünscht.

Die Stutbücher versuchten diese Anforderungen durch geeignete Selektion innerhalb der Zucht zu erfüllen, wodurch das leichte Kutschpferd, das es immer noch im NWP und dem Sgrt gab, wieder mehr an Bedeutung gewann. Das Sgldt spielte hierbei eine besondere Rolle, weil es dort mir leichteren Pferde gab.

Weil aber die Typveränderung zu langsam vonstatten ging, wurden Pferde importiert, um die Entwicklung zu beschleunigen. Die Holsteiner Rasse war dabei sehr wichtig. Möglicherweise spielt dabei das Gerücht eine Rolle, daß in früheren Zeiten niederländische Züchter mit ihren Pferden nach Holstein gezogen sein sollen, was die nahe Verwandtschaft der ursprünglichen niederländischen Pferde und der Holsteiner erklären würde.

Das NWP importierte mehrerer Holsteiner Stuten, die mit eigenen Hengsten gepaart wurden. Die Stute Morgenster von Godin aus dem Holsteiner Stamm 1907 (Gabriel - Lorentin - Makart - Friedland - Artillerist) ist besonders berühmt. Sie ging in die Geschichte ein als Mutter des Groninger Hengstes Präferent Sinaeda (Morgenster x Cambinus), der eine Linie der KWPN-Springpferde begründete und in mehreren europäischen Stutbüchern gefunden werden kann.

Sinaeda war ein beeindruckender Hengst, sowohl in Bezug auf seinen Nachwuchs als auch auf seine Erscheinung. Er hinterließ 16 gekörte Söhne.

Die NWP körte auch einige Gelderländer Hengste, zum Beispiel Tamboer, ursprünglich 100% Groninger, und sein Enkel Baldewijn, der immer noch zur Grundlage der heutigen Groninger Zucht gehört.

In den fünfziger Jahren wurden vier fremde Hengste importiert, um die Nachfrage der VLN-Mitglieder nach Reitpferd-Eigenschaften zu befriedigen. Allerdings haben nur der Selle Francais-Hengst L'Invasion (von Pre Sale) und der Holsteiner Hengst Normann (von Heidelberg) Spuren hinterlassen.

Um 1960 wurden ungefähr zehn weitere Hengste durch VLN und NWP importiert, um die Entwicklung eines Reitpferdes für die Landwirtschaft zu fördern. Man meinte damit ein Pferd, was sowohl für die landwirtschaftliche Arbeit als auch für den Reitsport eingesetzt werden konnte.

In Erinnerung bleiben sollten Farn (von Fax I, Holsteiner), Porter (vom Trakehner Polarfürst, Holsteiner), Polaris (vom Trakehner Polarfürst, Holsteiner), Rigoletto (von Ramzes, Holsteiner), alle NWP, und Amor (von Herrscher, Holsteiner), Cavalerist (Holsteiner), Eclatant (von Duellant, Hannoveraner) und der Furioso-Großenkel Artilleur (SF), alle Sgldt, die viele ausgezeichnete Hochleistungspferde produzierten.

Notiz
Amor (1959-1991) im Pedigree ist so gut wie eine Garantie für Dressurleistung, aber darüber hinaus sind viele seiner Nachkommen auch ausgezeichnete Springer und Fahrpferde. Der Einfluß von Amor macht sich bei Niederländischen Hochleistungspferden immer noch bemerkbar.

Amors berühmtester Sohn war der Gelderländer Springhengst Gondelier, der ebenfalls sein Talent vererbt. Amor kann im Pedigree vieler internationaler Dressurpferde gefunden werden, unter anderem beim internationalen Dressurstar Aktion, der Amors Blut zweimal führt, einmal durch den Gelderländer Hengst Präferent Epigoon und einmal durch den Groninger internationalen Springhengst Akteur.

Amor wurde wie andere Gelderländer Hengste billig verkauft, weil man dachte, daß er nicht mehr in das moderne KWPN-Zuchtprogramm paßt. Nachdem sich die Qualität seines Nachwuchses herausgestellt hatte, wurden mehrere seiner Söhne gekört.





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Teil 5:  Wir gehen zur Spielwiese
Teil 6:  Riechen und Schmecken

Entwicklung - KWPN


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Die fremden Blutlinien sorgten leider nicht für das gewünschte Entwicklungstempo. Daher wurde die Zuchtpolitik erneut geändert, Hengste mit hohem Blutanteil wurden zugelassen, also einer hohen Prozentzahl von Vollblut-Anteil.

Da aber der Einsatz der Pferde in der Landwirtschaft nach wie vor sehr zentral blieb, wurde eine neue Abteilung eröffnet, die Pferde mit Vollblutanteil erfassen sollte.

Das wiederum hatte die Gründung des VLN-Sportstutbuchs im Jahre 1964 zur Folge, welches zunächst nur ein Vorregister sein sollte. Pferde aus diesem Register mit 50% Gelderländer/Groninger Blut konnten in das Gelderländer/Groninger Stutbuch eingetragen werden, und solche mit 75% Gelderländer/Groninger Blut wurden als reine Gelderländer/Groninger angesehen.

Die NWP folgte diesem Beispiel und legte ebenfalls ein Sport-Stutbuch auf. Als der Erfolg dieser neuen Zuchtrichtung deutlich wurde, hatte dies natürlich eine entsprechende Aufwertung des Sportregisters/Sport Stutbuchs, und schnell waren die ursprünglichen Groninger und Gelderländer Züchter überflügelt.

Gelderländer und Groninger Hengste wurden kaum noch eingesetzt und waren sehr schwer zu verkaufen. Ein Beispiel ist der wichtige Dressurpferd-Erzeuger Eufraat (Wachtmeester x Karolus van Wittenstein), Gelderländer Elitehengst, der 1976 zurückgezogen und aus dem Stutbuch entfernt wurde.

Die Zeiten wurden für das Groninger Pferd noch schwieriger als für das Gelderländer, weil die Blutlinien ursprünglicher und deshalb schwerer waren.

Gründung der KWPN und Entwicklung

Im Jahre 1969 fusionierten VLN und NWP zum "Koninklijk Warmbloed Paardenstamboek in Nederland" (KWPN), und 3 Register wurden eingerichtet: Reitpferde, Kutschpferde und das Gelderländer Vielseitigkeitspferd.

Das letzte Register wurde nach ein paar Jahren wieder aufgelöst, anschließend wieder eingeführt unter dem Namen "Basis Paard" oder Stammpferd.

Inzwischen ist dieses Register wieder unter dem Namen Gelderländer bekannt, aber die Größe ist fast zu vernachlässigen. Das KWPN drängte die Züchter dahin, das Gelderländer Blut soweit wie möglich zu verdrängen, indem andere Rassen eingekreuzt wurden.




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Ausgrenzung


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So wurde empfohlen, Gelderländer/Groninger Stuten mit Vollblütern zu paaren und den Nachwuchs (F1-Produkt) wiederum mit fremden Hengsten zu kreuzen, um die erworbenen Reitpferde-Eigenschaften zu stabilisieren und zu erhalten.

Ursprünglich mußte ein Gelderländer mindestens 75% Gelderländer Blut haben, um als Gelderländer gelten zu können. Das wurde 1990 geändert auf 87,5%, 1998 jedoch wurde diese Bedingung vollkommen fallengelassen. Man wollte auf diese Weise die Zahl der Gelderländer erhöhen und Inzucht vermeiden.

Das Groninger Pferd wurde vollständig ausgeschlossen, alle Groninger Hengste wurden entlassen. Der letzte Hengst, dem dies widerfuhr, war der Hengst Baldewijn.

Das Kutschpferd erlebte eine dramatische Umgestaltung durch den Einsatz von Hackney-Blut, wodurch das Original Gelderländer Kutschpferd so gut wie nicht mehr vorhanden war.

Der Hackney hat einen sehr negativen Einfluß auf den Charakter gehabt, so daß die entsprechende Nachzucht nur von sehr wenigen Sportlern eingesetzt werden kann. Der Einfluß auf den Bewegungsablauf war hingegen positiv. Wegen des negativen Effekts versuchen die Züchter zur Zeit, das Hackney-Blut durch American Saddlebred zu ersetzen.

Das KWPN-Magazin "In De Strengen" publizierte 1976 eine dringende Bitte durch den Vorsitzenden der KWPN-Körkommission, Herrn A. Vermond, zugunsten des Gelderländer Hengstes Dirigent. Ein Jahr später wurde Dirigent bereits wieder aus der Hengstliste gestrichen und als überflüssig erklärt.

Ebenso wurden die Linien von Amor, Farn und anderen nicht mehr empfohlen. In den ersten zehn Jahren der KWPN wurde nur ein einziger Gelderländer Hengstes für Reitpferde gekört, der Welt bekannte Nimmerdor.

Erst als sich der Erfolg der Nachkommen der älteren Hengste im Sport herausstellte, wurden einige ihrer Söhne wieder zur Zucht zugelassen und gekört. Sie wurden allerdings niemals sehr gefördert und deshalb lange Zeit von den Züchter vernachlässigt.




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Bedeutung des Gelderländer Bluts


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Copyright wie angegeben
Titelblatt Dirigent, Besitzer: A.G. Van Heyst
... In der letzten zehn Jahren haben wir hart gearbeitet, um das frühere Warmblut-Arbeitspferd zu einem Niederländischen Reit- und Kutschpferd zu entwickeln. Es mag sinnvoll sein, einmal anzuhalten und nachzudenken.

Weil die F1-Produkte großen Erfolg hatten, lag die Aufmerksamkeit bei den Vollblut-Hengsten. In Konsequenz brachten auch Züchter Stuten zu Vollblut-Hengsten, die für diese Kreuzung überhaupt nicht geeignet waren.

Wenn man bedenkt, daß die Mehrheit der Reiter sehr wenig oder gar keinen Reitunterricht hatten, oftmals auch gar keine Zeit zum Reiten, könnte es sehr sinnvoll sein, wenn sich die Züchter auf die ausgezeichneten Eigenschaften der Hengste vom alten Stammtyp und den alten Blutlinien besinnen würden.

Das wird die Zucht von Kutschpferden fördern, da diese ein größeres Fundament brauchen, aber auch die Zucht von Reitpferden, besonders wenn die Stute bereits einen sehr hohen Vollblutanteil hat.

Deshalb dachten wir, daß der Ehrenplatz in diesem Magazin, der Haupttitel, einem Hengst mit altem Blut gebührt, verfeinert mit Reitpferd-Eigenschaften, geerbt von der L'Invasion-Linie (SF), der Hengst Dirigent 1224 Sgldt.

A. Vermond


Um diese Frage zu beantworten, könnten wir die WBFSH Bewertung für KWPN-Hengste der letzten zehn Jahre untersuchen. Die Liste beschränkt sich auf Hengste mit mindestens drei Nachkommen, die im internationalen Springsport aktiv sind.

Unter den 213 Hengsten, die für das Springen gelistet sind, finden sich 36 Hengste, die vom KWPN gezüchtet wurden. Davon sind 26 (72%) mindestens halb Gelderländer/Groninger.




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Tabellenwerk


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Name % Gelderländer/Groninger Blutanteil Nachwuchs im Internationalen Springsport
Geboren vor 1970    
Jasper 50% 23
Irco Polo 50% 6
Formateur 100% 5
Koopman 50% 3
Geboren 1971-1975    
Nimmerdor 75% 37
Irco Marco 75% 15
Notaris 50% 11
Renville 50% 7
Maykel 50% 4
Pion 50% 4
Nabuur 50% 3
Palfrenier 25% 3
Recruut 50% 3
Geboren 1976-1980    
Wellington 62.5% 7
Wolfgang 75% 7
Tolbert 50% 6
Triton 25% 6
Ommen 25% 5
Sultan 25% 4
Schalkhaar 50% 3
Sebastiaan 50% 3
Transvaal 25% 3
Uddel 87.5% 3
Volckmar 50% 3
Wisconsin 62.5% 3
Geboren 1981-1986    
Zuidhorn 50% 10
Concorde 25% 8
Zeoliet 25% 8
Ahorn 37.5% 6
Aram 62.5% 5
Animo 50% 4
Cavalier 50% 4
Amethist 62.5% 3
Boreas 25% 3
Dageraad 31.25% 3
Zadok 62.5% 3


Bei Interpretation dieser Tabelle sollte beachtet werden, daß der Prozentsatz des Gelderländer/Groninger Blutes in dem Maße steigt, wie die Anzahl der Züchtungen zurückgeht, was das direkte Resultat des negativen Vorurteils gegen die Rassen ist.

In anderen Ländern werden Gelderländer Hengste wesentlich höher geschätzt, was zum Beispiel durch den in Belgien gekörten (BWP) 75%igen GelderländerHengst Avontuur (1982) bewiesen wird, gezeugt von Jasper, der international unter dem Namen Little One von Hugo Simon vorgestellt wurde, aus einer Stute von Prins Oregon.




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Avontuur


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Copyright wie angegeben
Gelderländer Hengst Zooloog
Als Junghengst errang Avontuur viele Siege sowohl im Springsport als auch in der Dressur. Mit sieben Jahren nahm er an zahlreichen internationalen Springwettbewerben Teil und hat unter anderem in Maastricht, Hannover (zweimal) und Grenoble gewonnen.

Er war 1990, dem Jahr seiner Körung, weniger aktiv, vor allem wegen dem damit verbundenen Training und dem Zuchteinsatz, aber er war trotzdem unter den Ersten mit Siegen in Göteborg (dreimal), Kapellen, Zürich, Canisy und Olympia-London, nicht zu vergessen sein siegreicher Saisonschluß mit einem Dreifach-Sieg beim internationalen Springturnier in Mechelen (Malines).

Bei dieser Gelegenheit gewann er den Dunhill-Wettbewerb am Donnerstag, den Honda Masters mit Höhen bis zu 1,85m am Freitag und den Cera Grand Prix am Sonntag. Die Serie der Siege setzte sichin den folgenden Jahren fort.

Aufgrund der Vielseitigkeit des Gelderländer/Groninger Pferdes können ähnliche Schlüssel für Gelderländer und Groninger Pferde im internationalen Dressursport gezogen werden.

Tabelle 3 listet niederländisch gezogene KWPN-Pferde, die im Grand-Prix bei der WEG 1998 in Rom teilgenommen haben, in der Reihenfolge des Erfolgs zusammen mit dem Prozentsatz des Gelderländer Blutes. Es zeigt sich, daß sieben der dreizehn Pferde mehr als 50% Gelderländer/Groninger Blut führen (mehr Informationen könnte NA/WPN liefern).

Unter den Dressurpferden muß auch der reine Gelderländer Wallach Dikkiloo erwähnt werden, der als Kutschpferd nach Großbritannien gegangen ist, dann einem Dressurreiter verkauft wurde und Großbritannien auf den Olympischen Spielen 2000 in Sydney vertrat.




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WEG Rom 1998


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Niederländisch gezogene Dressurpferde, die 1998 bei der WEG in Rom am Grand-Prix Dressur teilgenommen haben:

Name Abstammung % Gelderländer Reiter Nation
Olympic Ferro Ulft x Farn 50% Coby van Baalen Netherlands
Elorianne Zooloog x Nepal 75% José Manuel Lucena Spain
Askari Avignon x Darling Boy 12.5% Richard Davison England
Amora Theoloog x Hoogheid 100% Oded Shimoni Israël
Aktion Pion x Akteur 75% Gyula Dallos Hongary
Elymas Veritas x Thijs 50% Liz Hopps Canada
Bellini Toronto x Uppercut 50% Joaquin Orth Mexico
Emir Zebulon x J. sans Peur 25% Bernadette Pujals Mexico
Rigoletto VI Record x ? ? Mauro Roman Italy
Star Fortune Zeoliet x Sirma ? Per Waaler Norway
Dukaat Ronald x First Trial 25% Sandra Walther Austria
Rubino ? x ? ? James Connor Italy
Ramar Vanitas x Ivanhoe 75% Barbara von Grebel Switzerland


Das zweitbeste KWPN-Pferd in Rom war die 75% Gelderländer Stute Elorianne, gezeugt vom 100% Gelderländer Grand-Prix-Dressur-Hengst Zooloog, der der einzige reine Gelderländer Hengst war, der vom KWPN für Reitpferde gekört worden ist.

Wegen seiner Gelderländer Vorfahren wurde Zooloog kaum zur Zucht eingesetzt und die Stuten, die mit ihm gepaart wurden, gehörten nicht zur Spitzengruppe. Infolgedessen wurde Zooloog in die USA verkauft, wo er 1991 an den Pan Am Games teilnahm und die Silbermedaille gewann. Vier seiner 49 in den Niederlanden gezogenen Fohlen werden im Internationalen Dressursport eingesetzt.

Was passierte mit dem Groninger Pferd?

Durch die Hilfe der Niederländischen Gesellschaft für seltene Rassen konnte das Groninger Pferd überleben, und 1981 wurde ein neues Stutbuch gegründet, das 1985 unter dem Namen "Het Groninger Paard" offiziell anerkannt wurde.

Da diese Stutbuch nur einen einzigen originalen Stammhengst zur Verfügung hatte, den Hengst Baldewijn, mußte irgendwo neues Blut gefunden werden.




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Blutauffrischung


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Copyright wie angegeben
Groninger Hengst Ramires (1995)
Daher wurden einige wenige klassische Oldenburger Hengste aus Oldenburg, Polen und Ostdeutschland importiert, dazu ein Cleveland Bay aus England, Holsteiner und Halbblut-Hengste (gezeugt von Vollblütern) aus Groninger Stuten.

Wegen dieser neuen Zuchtstrategie bekam das Groninger Pferd eine zu große Breite der Blutlinien. Die Bewertung der neuen Hengste ist im allgemein niedriger als diejenige der Hengste aus der originalen Baldewijn-Linie.

Aufgrund der früheren Ergebnisse bei der Nutzung Holsteiner Blutlinien kann man ausgezeichnete Resultate bei der Kreuzung mit Holsteiner Hengsten erwarten.

Der Einsatz eines Cleveland Bay-Hengstes (Maningford Hermes) kann in etwa beurteilt werden, wenn man weiß, daß sowohl die Holsteiner als auch die Oldenburger Rasse sich ursprünglich sehr intensiv auf Cleveland Bay gestützt hat.

Über den Sport wurde der 75% Groninger, 25% Holsteiner Hengst Loek, 1970 geboren, wiederentdeckt, und sein Nachwuchs zeigt vielversprechende Resultate für die Zukunft dieser seltenen Rasse. Loek ist vom KWPN auch für die Gelderländer Zucht gekört, nicht jedoch für die Reitpferdezucht.

Loek war für seine ausgezeichneten Ergebnisse im Sport bekannt; er war erfolgreich sowohl in der Dressur als auch im Fahrsport. Sowohl für seinen wunderbaren Charakter als auch für seine gute Gesundheit war er berühmt.

In seinem ersten Jahr in Dressursport wurde er Sieger in der Klasse M (zweite Stufe) in Gelderland. Im Alter von 27 Jahren wurde Loek immer noch als Schulpferd eingesetzt. Er starb 1997.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß Groninger Pferde bevorzugt mit hochblütigen Partnern gekreuzt werden sollten, zum Beispiel mit Vollblütern und Trakehnern, eine Kreuzung, die bei Spitzenreitern sehr nachgefragt wird.

Der Erfolg der Kreuzung kann erklärt werden durch den "heterosis effect", wobei das Ergebnis zweier vollkommen fremder Rassen die Qualität der beiden Elterntiere übersteigt.

Man versucht, durch Konzentration auf die vorhandenen Blutlinien die wenigen ursprünglichen Groninger Anteile zu fördern und diese als eine solide Grundlage für zukünftige Zuchtbemühungen zu nutzen. Zur Zeit besitzt die Groninger Zucht 13 Hengste und 200 Stuten. Es ist noch offen, ob dies ausreicht, die Rasse wieder zu beleben.




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Schlußfolgerung


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Das ursprüngliche Gelderländer/Groninger Pferd, zur Zeit auf nur etwa 500 Stuten beschränkt, ist eine Rasse, die bewahrt werden muß. Der wunderbare Charakter und die Sportlichkeit ist durch unzählige Siege im internationalen Springsport und Ressortwettbewerben nachgewiesen.

Die Einsetzbarkeit im Sport bis zu einem hohen Alter wird gezeigt durch Hengste wie Vosmaer, der im Alter von 20 Jahren unter seinem Reiter Chelsey Sibley (California) immer noch an Grand-Prix- und Grand-Prix Freestyle-Veranstaltungen teilnimmt.

Es besteht Anlaß zur Hoffnung, daß die USA eine neue Basis für diese wunderbare Rasse entwickeln wird mit Hengsten wie Zooloog, Patrick und Vosmaer, um nur einige zu nennen.

Ich möchte schließen mit einem Zitat von Gerhard Etter aus der Schweiz, der eine der größten Pferdehändler der Welt ist. Er sagte:

Als Händler hänge ich selten mein Herz an ein Pferd. Trotzdem gibt es ein Pferd, das ich niemals verkaufen würde, und das ist mein 22 Jahre alter KWPN Hengst Wandango, der international gesprungen ist und zweifellos der beste Hengst in der Schweiz ist.


Diesem Zitat über einen fast reinblütigen Gelderländer Hengst (von Legaat [Marco Polo x Sinaeda] und aus einer Gelderländer Stute) würde vermutlich jeder Besitzer eines Gelderländer/Groninger wiederholen.

Würdigung

Der Autor möchte seinen aufrichtigen Dank abstatten gegenüber verschiedenen KWPN, Gelderländer und Groninger Züchtern, die bei der Sammlung der Informationen für diesen Artikel behilflich waren. Der Autor bedankt sich insbesondere bei Yvonne Henderson (YenM Design) für die Erlaubnis, das phantastische Bild von Amor zu verwenden.


Quellen


  1. "De Landelijke Ruitersport", A. Heuff, 1968
  2. "Pferdezucht und Pferdehaltung", Dr. W. Uppenborn
  3. "Paarden", De Hoefslag, Jan. 2001
  4. "Gerhard Etter", In De Strengen, Jan. 2002
  5. "Het Groninger Paard: Opkomst - Ondergang - Overleven", Het Groninger Paard, 1987



Abbildungen
Yvonne Henderson
Krommenbeemd 50
5641 JX Eindhoven
Nederland

Ursprünglich veröffentlicht bei "Equine Journal", April 2002
Nachdruck auf Niederländisch in "Het Groninger Paard", Juni 2002
Übersetzung:   Werner Stürenburg

Teil 1:  Liebesverhältnis der besonderen Art
Teil 2:  Sprich mit deinem Pferd!
Teil 3:  Huch, Mietzekatze im Futter!
Teil 4:  Wie das Quieken von Schweinen
Teil 5:  Wir gehen zur Spielwiese
Teil 6:  Riechen und Schmecken


Weiterführende Links
 » Het Groninger Paard
 » Gelders Paard Internationaal
 » KWPN Paarden Horses Pferde


Tipp: Postkutsche


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W. Popken im Fenster

 
W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Postkutsche
Von   Werner Popken

In der letzten Woche bin ich trotz Behinderung in der Weltgeschichte herumgereist, erst mit dem Zug, dann mit dem Flugzeug. Die Unbequemlichkeit des Reisens ist nicht zu vergleichen mit den Strapazen, die früher üblich waren. Auf einer seiner letzten Reisen ist Goethe umgekehrt, weil die Kutsche kurz nach der Abfahrt einen Achsenbruch hatte und umgestürzt ist.

Franz Liszt war viel unterwegs und hat sich einen Reisewagen bauen lassen, damit er wenigstens schlafen konnte. Das ist in den heutigen Zügen und Flugzeugen auch kaum möglich. Im Frühjahr habe ich einmal einen Schlafwagen ausprobiert. Es war interessant, aber wenig erholsam.

Wie fing das nun an mit dem öffentlichen Reiseverkehr in unseren Breiten? Berittene Boten gab es schon ein halbes Jahrtausend vor Christus in Persien, auch die Römer hatten einen organisierten Kurierdienst.

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wurde die Post von der Familie Thurn und Taxis organisiert, die 1502 ein Monopol erhielt, das übrigens erst 1871 aufgehoben wurde.

Um 1650 wurden schließlich Wagen eingesetzt. Damit konnte man dann größere Sendungen und auch Passagiere mitnehmen. Bis dahin waren die Menschen nämlich zu Fuß unterwegs oder mit dem eigenen Pferd, wenn sie wohlhabend genug waren. Diese Wagen waren leider ungefedert und natürlich sehr unbequem.

Ab 1690 verkehrte die erste neue Postkutsche zwischen Nürnberg und Frankfurt am Main. Die Wagen waren gefedert, hatten gepolsterte Sitze mit Rückenlehnen, Verdeck und Fenster. Kurz darauf nahm eine Kutsche für sechs Personen den Verkehr zwischen Frankfurt am Main und Leipzig auf.

Die Wege waren meistens schlecht und oft verschlammt. Man setzte kräftige Pferde und Vierspänner ein. Der Kutscher ritt auf dem links von der Deichsel gehenden Stangenpferd, das deshalb Sattelpferd genannt wurde, und hielt das rechte Pferd, das Handpferd, am Zügel, die Vorderpferde lenkte er mit Leinen.

Um 1815 brauchte eine gewöhnliche Postkutsche vier Tage für die 285 Kilometer von Hamburg nach Berlin. Die Extrapost schaffte die 111 Kilometer von Leipzig nach Dresden in zehn Stunden.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Eisenbahn auf, die auf den großen Strecken die Post verdrängte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Postkutschen endgültig ausgemustert und durch das Auto bzw. den Bus ersetzt.

Heute kann man als touristische Attraktion hier und da Postkutsche fahren. Besonders schön soll die Fahrt durch Alpen sein.


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Rezension: Wie Sheltie zu ...


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Clover, Peter

Wie Sheltie zu uns kam
Für alle pferdebegeisterten Kinder ab 7 Jahren

104 Seiten, gebunden
1999 · Kosmos Verlag, Stuttgart
ISBN 9783440077276


6,90 EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:
Emma will nicht aufs Land ziehen. Dort ist es bestimmt furchtbar langweilig! Im neuen Haus erwartet sie jedoch eine riesige Überraschung: Vor der Tür steht ein Pony, und es soll ihr ganz allein gehören! Emma und der kleine, freche Sheltie werden sofort dicke Freunde. Doch dann sorgt Sheltie für Aufregung im ganzen Dorf...

Peter Clover wurde in London geboren und lebt heute in der Nähe von Somerset auf dem Lande. Neben seiner Arbeit als Cartoonist und Illustrator schreibt er Geschichten für Kinder. Die "Sheltie"-Reihe ist seine erste Veröffentlichung in deutscher Sprache.

Sheltie ist ein heiteres, freches Shetlandpony mit viel Herz und nichts als Unsinn im Kopf. Die kleine Emma schließt sofort Freundschaft mit ihm, und eine aufregende Zeit voller Abenteuer beginnt.

Klappentext

Sheltie
Das kleine Pony mit dem großen Herz


Sheltie ist ein knuffiges, freches Pony und hat nichts als Unfug im Kopf. Seine beste Freundin heißt Emma. Sie liebt ihn über alles. Für sie ist Sheltie das klügste Pony auf der ganzen Welt. Gemeinsam erleben die beiden die tollsten Abenteuer.

  • Spannende Unterhaltung mit Emma und Sheltie
  • Erster Lesespaß in Großdruck
  • Viele Illustrationen



W. Popken im Fenster

 
W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Nun also einmal ein Buch für die Grundschüler - viel Platz auf der Seite, große Buchstaben, serifenlose Schrift und einfache Sätze. Immerhin verhältnismäßig anspruchsvolle Grammatik:

Ein kleiner Junge kam auf Emma zu. Er hatte ein Geldstück in der Hand und fragte, ob er Sheltie reiten dürfe.

Ich habe nicht genau darauf geachtet, aber ich denke, daß ich das Buch in höchstens einer halbe Stunde durchgelesen hatte. Dabei stellte sich mir die Frage, ob dieses Buch auch zum Vorlesen geeignet ist.

Ich denke schon. Man muß sicher nicht warten, bis das Kind groß genug ist. Meine zweite Tochter Leevke war drei Jahre alt, als sie die ersten Reitstunden am Führzügel nahm. Im neuen Focus lese ich, daß die Eltern schon sehr früh den Kindern vorlesen sollen, denn sie verstehen viel mehr, als man denken sollte. Also ein Buch schon für Kinder im Vorschulalter.

Und dann stellte ich mir vor, wie vergnügt das Kind reagiert auf das überaus plastisch gezeichnete Pony, das die gesamte Geschichte dominiert. Die Zeichnungen des Autors tun ihr übriges - aber warum müssen Ungereimtheiten eingebaut werden?

Ich wartete also im Geiste darauf, daß das helle Kind fragt: "Wieso ist Miss Linny immer noch da? Die wollte doch in die Stadt ziehen? Und warum kann die immer noch über das Pony verfügen? Ich denke, das gehört jetzt Emma?"

Das ist dann der Moment, wo der Zauber nachläßt und ein Gespräch über das Buch entsteht. Nicht schlecht, aber sicher nicht pädagogische Absicht.

Schade, man sollte Kinder nicht unterschätzen. Diese Klage ist nicht neu, und wieder einmal fragt sich ein Kritiker, warum Autor, Lektor und Verlag immer noch so nachlässig mit ihren jungen Lesern umgehen. Schließlich ist es nicht schwieriger, eine stimmige Geschichte zu schreiben als eine unstimmige.

In dieser Reihe gibt es bereits vierzehn Bände. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Ich schließe daraus, daß das Buch ein kommerzieller Erfolg ist. Vielleicht sind die anderen Bände noch besser. Wenn die jungen Leser diese Bücher verschlingen, soll es mich herzlich freuen. Es kann gar nicht genug gelesen werden!


erschienen 27.10.02




Clover, Peter

Wie Sheltie zu uns kam
Für alle pferdebegeisterten Kinder ab 7 Jahren

104 Seiten, gebunden
1999 · Kosmos Verlag, Stuttgart
ISBN 9783440077276


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Galerie: Der Esel


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Der Esel

Copyright wie angegeben
Rembrandt van Rijn, Niederlande
Der barmherzige Samariter bei der Herberge
um 1648/50, 19,7x20,5 cm
Federzeichnung, nicht signiert
Weimar, Staatliche Kunstsammlungen

Heute die letzte Arbeit von Rembrandt zum Thema "Barmherziger Samariter" (siehe    ›  Samariter ,    ›  Herberge ,    ›  Barmherzigkeit ).

Auch diese Zeichnung ist weder datiert noch signiert. Sie ist völlig anders als die anderen, nicht nur, weil das Pferd durch einen Esel ersetzt worden ist.


Rembrandt van Rijn, 1606-1669
ist nicht nur als Maler, sondern auch als Zeichner und als Radierer berühmt. In jeder Hinsicht wurde seine Kunst im Laufe seines Lebens größer, tiefer und freier. Er ist das Musterbeispiel eines Menschen, der offensichtlich gereift ist, obwohl oder vielleicht gerade weil er kein leichtes Leben hatte. Rembrandt hat im Laufe seines Lebens alles erreicht und alles verloren. Seine Kunst hat darunter aber nicht gelitten.


Kommentar
Von  Werner Stürenburg

Ich zitiert zunächst aus meiner Quelle:

Rembrandts letzte Darstellung der Ankunft bei der Herberge übertrifft an Aussagekraft alle vorangegangenen. Die genau akzentuierte Hauptgruppe ist soweit wie nur eben möglich in den Vordergrund gerückt worden, so daß der Betrachter stärker als in den vorangegangenen Werken in das Geschehen mit einbezogen wird. Der Wirt und seine Frau beobachten den Samariter dabei, wie er die Stricke losbindet, mit denen er den unter die Räuber gefallenen Mann auf sein Lasttier gebunden hatte. Wie schon in der Radierung von 1633 hält auch hier ein Junge die Zügel des Tieres fest.


Kein Wort darüber, daß das Lasttier nunmehr einen Esel ist. Wie das? Nun, die Kunsthistoriker interessieren sich weder für Pferde noch für Esel. Obwohl das Pferd in den vorangegangenen Arbeiten jeweils im Mittelpunkt gestanden hatte, war es dem Autor gleichgültig und nicht erwähnenswert. Wie gut, daß Rembrandt die Sache anders sieht und sich jeweils sehr viel Mühe gegeben hat. Warum aber tauscht er jetzt das Pferd gegen einen Esel aus?


Pferd oder Esel?

Copyright wie angegeben
Copyright wie angegeben
Copyright wie angegeben
Ausschnitte
Wir hatten früher bereits bemerkt, daß das Gleichnis offenläßt, welche Art Reittier der barmherzige Samariter benutzt.

Die Verwendung eines Pferdes ist sinnvoll aus der Perspektive der Zeitgenossen, denn in den Niederlanden Rembrandts werden die Esel eher selten gewesen sein und auf keinen Fall Reittiere für gut betuchte Leute, wie der Samariter offenbar einer ist, da er großzügig für die Pflege des Kranken aufkommen kann.

Zu biblischen Zeiten hingegen dürften Pferde die große Ausnahme dargestellt haben, weshalb im Regelfall ein Esel benutzt wird.

Auch die biblischen Darstellungen Rembrandts zeigen oft Esel, vor allem bei der Darstellung der Flucht nach Ägypten, wo Maria mit dem Jesuskind auf dem Esel reitet.

Der Esel kann geradezu als Sinnbild des treuen Dieners gelten, der so gutmütig ist, daß er sich nicht einmal einem fortgesetzten Mißbrauch widersetzt.

Im Gegensatz zum Pferd eignet sich der Esel kaum dazu, herrschaftliche Ansprüche zu symbolisieren. Er ist tiefer angesiedelt, ihm fehlt jedes Strahlende, er ist grau und struppig, er ist tatsächlich ein Lasttier, während ein Pferd Lasten nur im Ausnahmefall trägt: entweder reitet jemand oder das Pferd zieht einen Wagen.

Wie schon bei den anderen Bildern spielt der Esel in der Komposition eine wichtige Rolle. Die Rückenlinie teilt das Bild in zwei Hälften, die Beine teilen das Bild in der Senkrechten, die Einzelheiten sind spielerisch und zugleich präzise erfaßt.

Das Maul gefällt mir nicht ganz so gut, aber insgesamt wird wie in den anderen Blättern überdeutlich, daß das Tier die tragende Rolle hat, und es hat sie gerne inne, es muß gar nicht festgehalten werden, es spricht vielmehr mit dem Burschen, der natürlich ebenso virtuos erfaßt ist.

Früher hat man mehr gezeichnet, heute fehlt dazu die Zeit, aber vielleicht fahren Sie einmal mit den Augen die einzelnen Linien nach und genießen die Arbeit.

Zeichnen ist eine Kunst für sich, es ist eine Ausdrucksform, und so wie keine zwei Menschen sich gleichen, zwei Hände, zwei Handschriften, so gleichen sich auch die Zeichnungen verschiedener Menschen nicht, oder anders gesagt: jeder bringt sich mit seiner Art vollkommen zum Ausdruck.

Hier also nun der Künstler Rembrandt im Alter, menschlich gereift, gesellschaftlich gesunken, zurückgeworfen auf sich selbst, vermutlich Trost und Rückhalt suchend in der Bibel. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt einen gereiften Menschen mittleren oder höheren Alters, der das Notwendige tut, weil er mitfühlt. Er kann nicht wegschauen.

Dazu muß er nicht lange überlegen, das ist eine Selbstverständlichkeit, auch wenn es für die anderen noch lange keine ist. Darüber gibt es keine Diskussion, der Samariter handelt souverän und regelt die Angelegenheit in seinem Sinne. Es muß gar nicht gefragt werden, warum er das tut oder was er davon hat. Er tut das Richtige.

Man mag sich fragen, woher er das weiß. Diese Frage ist müßig, denn jeder Mensch hat so etwas wie ein Gewissen, und keiner weiß, woher er das hat. Dieses Gewissen sagt ganz genau, was richtig ist. Das mag manchmal überlagert sein, so daß der Priester und der Levit meinen, sie könnten einfach so vorübergehen. Wenn diese aber in sich hineinhören würden, würden sie herausfinden, daß sie falsch gehandelt haben. Im Angesicht des Todes werden sie sich erinnern.


Die Handlung

Copyright wie angegeben
Copyright wie angegeben
Copyright wie angegeben
Ausschnitte
Der Samariter ist diesmal persönlich beteiligt, er knüpft das Opfer eigenhändig los und man kann sich vorstellen, daß er den Mann auch eigenhändig auf den Esel gewuchtet hat, um ihn dort sorgfältig festzubinden.

Wie transportiert man einen halb Erschlagenen auf einem Esel? Rembrandt zeigt es uns ganz genau. Diese Art des Transports ist vermutlich genauso angemessen wie ein Krankentransport heutzutage, wenn auch sicherlich schmerzhafter für den Kranken, da die Bewegungen des Esels doch ausladender sind als die kurzen Stöße eines modernen Autos.

So gibt sich denn das Opfer ganz seinem Leiden hin, und da wir Gegenstände auf dem Kopf nicht angemessen interpretieren können, habe ich den Kopf des Mannes gedreht, damit wir seinen Zustand würdigen können.

Rembrandt hat einen Menschen gezeichnet, der ausgeschaltet ist, der Hilfe braucht, dessen Leiden ganz im Vordergrund steht.

Im Hintergrund der Wirt und seine Frau, die hier erstmals ins Spiel kommt, eine Erfindung Rembrandts wie auch der Junge - beide kommen im Gleichnis nicht vor, sind aber durchaus plausibel.

Die beiden sind offensichtlich alt, sie haben Vieles gesehen im Leben und sie sind voller Mitgefühl. Erstaunlich wiederum, wie Rembrandt es schafft, mit wenigen Strichen Persönlichkeiten zu erschaffen.

Schauen Sie sich nur einmal die Münder und die Augen an! Ich finde es immer wieder unfaßbar, wie so etwas möglich ist!

Diese beiden Menschen sind offensichtlich ein Paar, sie vertrauen einander, sie gehören zueinander, sie hören aufeinander und sie verlassen sich aufeinander. Vermutlich lieben sie einander.

In diesem Blatt stehen sie ganz im Hintergrund, sie sind Nebenfiguren und doch sind sie eine ganze Welt für sich. Sie wiederholen noch einmal das Thema des Mitgefühls, das im Zentrum des Gleichnisses steht. Sie werden sich um den Kranken kümmern und ihn gesund pflegen, obwohl sie ihn gar nicht kennen. Der Samariter vereinnahmt sie, er bezieht sie in die Geschichte ein, sie werden ihre Rolle übernehmen.

Und der Überfallene? Er wird es sich gefallen lassen müssen. Auch das ist nicht leicht: sich helfen lassen. Wenn man nicht mehr kann, bleibt einem nichts anderes übrig, aber darum muß es einem keinesfalls angenehm sein. Wie fühlt man sich, wenn man behindert ist?

Auch das ist eine Erfahrung: man muß annehmen können, selbst wenn man nicht zurückgeben kann. Es hat schon seine Richtigkeit: damit der Samariter seine gute Tat tun kann, muß das Opfer nicht nur leiden, sondern diese Tat auch an sich vollziehen lassen. Alles hat seine zwei Seiten, das eine kann vom anderen nicht getrennt werden.




Quellen



  1. Hidde Hoekstra: Rembrandt, Bilder zur Bibel
    Pattloch Verlag 1990



Fotos
Wie angegeben unter Berufung auf das Zitatrecht (Fair Use).



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