Diese Animation des Skeletts hat ihre Wirkung bei mir hinterlassen. Diese Bilder gehen nicht mehr aus meinem Kopf und werden dort auf geheimnisvolle Weise wirksam werden. Aber es sind ja nicht nur die Bilder, sondern auch die Erläuterung, die ihre Wirkung hinterlassen soll. Die Wirbelsäule wird als Feder vorgestellt, die Belastungen in der Senkrechten ausgleicht, was die Animation sehr überzeugend darstellt.
| Wie erhält und kontrolliert nun der Mensch aus anatomischer Sicht dieses erwünschte lockere Becken? Über das Gehirn gesteuert, werden Sehnen, Bänder und Muskeln aktiviert, und harmonieren somit mit Becken, Ober- und Unterschenkel. Das Becken und die Wirbelsäule bilden die Basis des gesamten Bewegungsapparates.
Von hier aus wird die Grundposition des Sitzes gegeben, und alle anderen Abläufe folgen dieser. Aus der Seitenansicht lässt sich die charakteristische Krümmung der Wirbelsäule gut erkennen. Diese Krümmung hat naturgemäß ihren Zweck. Sie formt die Wirbelsäule zu einer Art Tragfeder, die den Rumpf stürzt und in der Lage ist, bei Belastungen in der Senkrechten federnd nachzugeben. Durch diese Krümmung, die im geschmeidigen Sitz beibehalten werden sollte, wird die Belastungsfähigkeit der Wirbelsäule wesentlich erhöht.
Am unteren Ende der Wirbelsäule befindet sich das Kreuzbein, welches nicht mehr aus Einzelwirbeln besteht. Die Kreuzbeinwirbel sind fest zu einem Knochen verwachsen. Der Übergang zwischen der Lendenwirbelsäule und dem Kreuzbein, das Lumbosakralgelenk, ist das letzte bewegliche Segment und stellt somit die Schnittstelle zwischen beweglicher Wirbelsäule und festem Beckenring dar.
Das Kreuzbein ist über das Iliosakralgelenk mit den beiden Darmbeinschaufeln verbunden. Darunter befindet sich das Sitzbein, das vom oberen über den Sitzbeinhöcker in den unteren Sitzbeinast übergeht. In der Schambeinfuge, die vorn am unteren Ende der Bauchwand gefühlt werden kann, vereinen sich die Schambeine beider Seiten. So bilden Beckenknochen und Kreuzbein eine Einheit, einen in sich geschlossenen festen Ring, dessen einzelne Partien nur gering gegeneinander verschiebbar sind. Das bedeutet:
Jede Bewegung oder Stellungsänderung des Kreuzbeins ist immer mit einer Bewegung oder Stellungsänderung des gesamten knöchernen Beckenrings verbunden.
Diese Tatsache ist ein wichtiger Bestandteil und Basis für das Verständnis der so wichtigen Beckenarbeit.
Beim stehenden Menschen wird das Körpergewicht auf die beiden Hüftgelenke übertragen. Sitzen wir jedoch im Sattel, hat sich die Lastverteilung des Körpergewichts völlig verändert. Es wird vom Beckenring aufgenommen und ruht auf den Sitzbein-Schambeinästen.
Beim Brustkorbheben und Schulternfallenlassen bringt sich die Wirbelsäule fast von alleine in eine Stellung, in der auch noch im Sattel die volle Elastizität gegeben ist. Der Ausgleich des sich nach vorne und hinten bewegenden Beckens des Reiters findet im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule statt.
Das Lot oder besser gesagt der Schwerpunkt vom Kopf bis zum Becken zieht sich später beim geschmeidigen Sitz bis zur tiefen Ferse hinunter durch. Der ganze Kippvorgang des Beckens wird auf den Sitzbeinhöckern durchgeführt. Sie sind kufenförmig gebogen und liegen immer im tiefsten Punkt des Sattels.
Durch das Bewegen den Sitzbeinhöcker nach vorne und zurück kann der Reiter vorwärtstreibende oder verhaltende Impulse geben. Erst durch diese wichtige Hilfengebung ist es möglich, einen harmonischen Bewegungsablauf zwischen Mensch und Pferd entstehen zu lassen.
Fälschlicherweise versuchen viele Reiter durch Aktivieren der Rückenmuskulatur den Beckenrings zu kippen. Dies geschieht aber ausschließlich mit der Bauchmuskulatur, genauer gesagt mit den Muskeln der vorderen Bauchwand. Die Rückenstrecker bilden den dazugehörigen Antagonisten.
O-Ton DVD | | |
Das Problem bei Filmen ist für mich, dass sie so schnell vorbei sind. Es ist in diesen Bildern und Abläufen viel mehr verborgen, als man beim einmaligen Anschauen aufnehmen kann. Das Medium DVD hat es ermöglicht, dass Regisseure über ihre Filme sprechen können, und dabei erfährt man vieles, was man beim Anschauen des Films gar nicht mitbekommen hat, obwohl es doch vielleicht wichtig war und zur Gesamtwirkung zweifellos beigetragen hat.
Die Frage ist insbesondere, wie man mit Lehrfilmen umzugehen hat. Was kann man aus einer solchen DVD herausholen? Was kann man insbesondere von Johann Riegler lernen? Dieser Frage möchte ich in der nächsten Woche nachgehen.
Quellen / Verweise
Abbildungen
› Werner Popken, » Wu Wei Verlag, DVD Der geschmeidige Sitz
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